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LED-Beleuchtung in der zivilen Luftfahrt: Deshalb lernte die LED das Fliegen

In Flugzeugen erscheint die Kabinenbeleuchtung eher von untergeordneter Bedeutung. Trotzdem rüsteten viele Flugzeughersteller schnell auf LEDs um, trotz des hohen Aufwands für die nötigen Zulassungen. Der Grund dafür bestimmt auch noch heute die Wahl der Beleuchtungssysteme im Flugzeug.

Flughafen Bildquelle: © MNBB Studio - Shutterstock

Die Unterstützung des Wohlbefindens der Passagiere durch eine angenehme Beleuchtung ist heute für Fluggesellschaften zwar ein Kriterium für die Systemauswahl, primär geht es aber auch heute noch um möglichst wartungsarme Kabinenbeleuchtungen.

Der Wandel in der Beleuchtungsindustrie von den klassischen Glüh- und Leuchtstofflampen hin zu LED-Beleuchtungen ist schon zu einem guten Stück vollzogen. Heute erwirtschaften führende Hersteller, namentlich Osram, Philips und Zumtobel, in etwa die Hälfte ihres Umsatzes mit den Halbleiter-Leuchten. Ein starker Absatzmarkt ist die Außenbeleuchtung von Gebäuden, die Allgemeinbeleuchtung und neuerdings auch die Automobilbranche. Hier werden zunehmend LEDs in den Frontscheinwerfern, den Rückleuchten und für die Interieurbeleuchtung genutzt. Die Gründe liegen auf der Hand: Die langen Lebensdauern der Leuchten versprechen verminderten Wartungsaufwand und ihr kompakter Formfaktor spart Bauraum, der für andere Komponenten genutzt werden kann. Eine andere Industrie profitiert davon sogar noch bedeutend mehr: die Luftfahrt.

Kabinenbeleuchtung: leicht, kompakt und vor allem wartungsarm muss sie sein

Speziell in der zivilen Luftfahrt gibt es seit einigen Jahren ein hohes Interesse an LED-Kabinenbeleuchtungen. Die spezifizierten langen Lebensdauern haben die LEDs in den Fokus gerückt, denn Fluglinienbetreiber wollen die durch Wartungsaufwand erforderlichen Standzeiten ihrer Passagierflugzeuge immer weiter reduzieren. »Früher beschränkten sich die Flugzeughersteller darauf, die Kabinen ihrer Passagierflugzeuge mit Weißlicht möglichst hoher Intensität zu fluten. Am besten funktionierte das mit Leuchtstoffröhren«, rekapituliert Dirk-Achim Schevardo vom Flugzeugzulieferer Diehl Aerospace. Obwohl das Ersetzen bestehender Technik in Flugzeugen mit viel Aufwand verbunden ist – Bordelektronik muss beispielsweise für einen Temperaturbereich von –70 bis +55 °C spezifiziert und gegen Blitzeinschlag geschützt sein, mit den Schwankungen im Bordnetz zurechtkommen, außerdem schwer entflammbar sein und darf im Brandfall keine giftigen Dämpfe entwickeln – haben die großen Flugzeughersteller trotzdem auf LEDs umgerüstet. Dabei spielte auch die Gewichtsreduktion durch die neuen Leuchten eine Rolle. »Für alles, was im Flugzeug ein paar Kilos spart, haben die Verantwortlichen natürlich ein offenes Ohr«, sagt Schevardo in diesem Zusammenhang.

Seit der Montage der ersten reinen LED-Kabinenbeleuchtungen sind nun etwa acht Jahre vergangen – Zeit für eine Bestandsaufnahme von deren technischer Ausgereiftheit. Dr. Bernd Wölfing, Produktentwickler in der Abteilung Lighting Solutions beim Glasspezialisten Schott, erklärt zusammen mit Dr. Armin Plichta, Leiter des Geschäftsfeldes Aviation & Automotive, dass »die erste Generation von LED-Systemen noch einige Probleme aufweist, was die Lebensdauer angeht.« Aufgrund von Alterungseffekten erzeugen die einzelnen Leuchten schon nach relativ kurzer Zeit einen erkennbar uneinheitlichen Farbeindruck. Und wenn einzelne Leuchten ausfallen, passen Helligkeit und Weißton der neuen Ersatzleuchte nicht mit denen der übrigen Leuchten zusammen. Da sich Ausfälle nicht gänzlich vermeiden lassen, gibt es ein wachsendes Interesse an einem »homogenen Erscheinungsbild der Beleuchtung bei der Mischung alter und neuer Leuchten«, so Wölfings und Plichtas Eindruck nach der Aircraft Interiors Expo (AIX) in Hamburg, der internationalen Fachmesse für Flugzeugausrüster.