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Interview EWE Gasspeicher GmbH: In einer Salzkaverne soll die größte Batterie der Welt entstehen

Die EWE Gasspeicher GmbH, eine hundertprozentige Tochter des Oldenburger Energieversorgers EWE AG, ist im Bereich Erdgasspeicher tätig und möchte in norddeutschen Salzkavernen die größte Batterie der Welt errichten. Das Projekt »brine4power« soll eine neuartige Redox-Flow-Technologie einsetzen.

EWE Bildquelle: © EWE

Ralf Riekenberg, Abteilungsleiter Obertagetechnik, Solbetriebe und Prokurist bei der EWE Gasspeicher GmbH, glaubt, dass Großspeicher mit Redox-Flox-Technologie auf Basis von Polymeren und Kochsalz der Energiewende neue Impulse verleihen können.

Die neue Redox-Flow-Technologie wird Kochsalz und Polymere statt Säuren und Metalle verwenden. Ralf Riekenberg, Abteilungsleiter Obertagetechnik, Solbetriebe und Prokurist bei der EWE Gasspeicher GmbH, erklärt uns das Projekt.

SmarterWorld: Herr Riekenberg, wie kommt ein Gasspeicher-Unternehmen dazu, sich mit dem Bau von Redox-Flow-Batterien zu beschäftigen?

Ralf Riekenberg: In unserem Hause las ein Kollege die „Nature“ und darin fand sich im Oktober 2015 ein Artikel des Forscherteams um Prof. Dr. Ulrich Schubert vom Institut für Organische Chemie der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der einige bei uns elektrisiert hat. Darin beschreiben sie  eine Redox-Flow-Batterie, eine Batterietechnik mit Bestandteilen aus Kochsalzlösung und Polymeren.

Wie geht es jetzt weiter?

Seit April 2016 bis zum Herbst 2017 läuft die erste Projektphase, in der Patente eingereicht, die Technologie im Labor weiter getestet, Polymere entwickelt und Versuche am Salz durchgeführt wurden. Ab Ende 2017 erfolgt der Aufbau eines Prototyps, d.h. einer kleinen Redox-Flow-Anlage mit 10 kW/40 kWh, die im Betrieb getestet wird. Weiterhin wird die Polymerentwicklung vorangetrieben, es werden die Reaktionen des Salzes untersucht und die Entwicklung größerer Stacks in Angriff genommen.

Bis Ende 2018 soll dann eine größere Versuchsanlage mit 100 bis 500 kW Leistung und 500 bis 2500 kWh Kapazität betrieben und ausgiebig getestet sein. Von 2019 bis 2023 ist eine große Demonstration in Salzstock-Kavernen geplant. Hierbei ist eine Leistung von 5 MW bei 140 MWh Kapazität oder, falls eine Kaverne mit zusätzlichen Bohrungen ertüchtigt wird, von 50 MW/200 MWh.

Am Ende der Entwicklung soll ab 2023 ein Großspeicher stehen, der über 120 MW Leistung und 700 MWh Kapazität betrieben würde. In den Projektphasen finden jeweils wieder dutzende Teilprojekte statt, die auch von unseren Projektpartnern durchgeführt werden.

Welche sind das?

ABB, die eriksen-Gruppe, SOCON Sonar Control, RMT Rohr und Maschinenanlagentechnik, TÜV Nord, IBZ Salzchemie, Fraunhofer Umsicht, die Friedrich-Schiller-Universität Jena und deren Ausgründung Jena Batteries, unsere Mutter EWE AG und andere. Schließlich gibt es noch viel zu klären, damit wir auch sicher sein können, dass es sich um eine skalierbare, zuverlässig zu betreibende Technologie handelt. Als Ziel haben wir ja den wirtschaftlichen Betrieb eines Großspeichers.