LoRa, Sigfox und NB-IoT für Smart Cities: Welche LPWAN-Strategie ist die richtige?

Fortsetzung des Artikels von Teil 1.

Entscheidend sind die Applikationen

comtac Bildquelle: © comtac

Die Architektur öffentlicher und privater LoRa-Netzwerke

Wer keine überregionalen Anwendungen betreiben will – und das sollte per Definition eigentlich für alle Kommunen gelten – hat deshalb die Option, ein eigenes Netz aufzubauen und zu betreiben. Dazu eignet sich der LoRa-Standard. Die comtac AG selbst bietet Kommunen alles an, was nötig ist, um LoRa-Netzbetreiber zu werden. »Ob das wirtschaftlich die sinnvollste Lösung darstellt, ist aber eine ganz andere Frage«, sagt Stefan Zimmermann. »Keine Einzelapplikation rechtfertigt ein eigenes Netz. Wenn man allerdings regional und gleichzeitig applikationsübergreifend agieren möchte, sieht die Sache ganz anders aus.« Deshalb kämen die klassischen Stadtwerke, die regionalen Energieversorger, lokale Betreiber von Glasfasernetzwerken oder ähnliche Organisationen sehr wohl als Betreiber von LoRa-Netzen in Betracht.

Das eigene LPWAN, so Zimmermann, könne für Stadtwerke eine Möglichkeit bedeuten, die eigenen Geschäfte auszuweiten: etwa durch das Fernauslesen geeichter Energiezähler als Basis für Abrechnungen, das inzwischen trotz aufwendiger Verschlüsselung auch für LPWAN handhabbar ist. »Gerade Stadtwerke, die schon eine Telekommunikationsabteilung besitzen, sind oft gut beraten, ihre vorhandene Infrastruktur mit einem eigenen LoRa-Netz zu ergänzen. Sie verfügen meist über genügend eigene Gebäude, die sich als Antennenstandorte eignen – wobei der Aufwand für Antennen bei LoRa ohnehin gering ist.«

Der comtac-Geschäftsführer macht folgende Rechnung auf: Der Stückpreis für die wenigen erforderlichen Gateways (Sendestationen) sei mit 1000 bis 1500 Euro überschaubar, ebenso der Preis für die Back-End-Technologie für das Hosting der Daten und die LoRa-Nodes. »Oft lassen sich Städte mit 100.000 Einwohnern mit etwa 50 Gateways komplett vernetzen – bis zur Erreichbarkeit in den Keller hinein.« Die Installation und Planung dürfe man als Kostenfaktor natürlich nicht vernachlässigen; dennoch könne man mit einer überschaubaren Investition die strategisch langfristige Abhängigkeit von bestimmten Unternehmen vermeiden – sofern die jeweilige Organisation bereits über das geeignete Personal verfügt oder sich zutraut, dieses zu rekrutieren.

Wenn das LoRa-Netz erst einmal steht, sieht der comtac-Geschäftsführer den Weg für zahlreiche Applikationen geebnet – so etwa für die Überwachung von Parkplätzen (Besetztmeldung), Müllcontainern, Wärmepumpen, Parkuhren sowie Regen- und Temperatursensoren. Die Möglichkeiten seien praktisch grenzenlos, die Kosten im eigenen Netz dagegen begrenzt. »Wer sich auf einen externen Netzbetreiber verlässt, muss für jeden Knoten, der am Netz hängt, mit jährlichen Gebühren von einigen Euro rechnen – und bei potenziell Tausenden von Knoten kommt da schnell eine ordentliche Summe zusammen.«

Der Betrieb eines eigenen Netzes werde dann schnell zu einer interessanten Option: »Je mehr Applikationen man vom Start weg oder zumindest perspektivisch betreiben will, desto größer ist der Nutzen eines eigenen LoRa-Netzes – im Hinblick auf Wirtschaftlichkeit und Flexibilität.« Dies gelte besonders, falls die einzelnen Applikationen untereinander Daten austauschen sollen, so Stefan Zimmermann: »Der Füllstandsensor des Mülleimers kann mit zusätzlicher Sensorik auch die Temperaturinformation liefern, um den Einsatz von Streu- und Räumfahrzeugen im Winter zu optimieren. Die Technologien sind vorhanden, die Möglichkeiten enorm. Es liegt nur an der Umsetzung – und für die sollten Kommunen sich kompetente Partner suchen.«