Dynamic Shockwave Technology von Vermes: »Wir revolutionieren die Antriebstechnik in der Mikrodosierung«

Vor Kurzem hat Vermes die Dynamic Shockwave Technology (DST) vorgestellt. Was steckt hinter dem laut Unternehmen »revolutionären Aktorprinzip«? Das und mehr verriet CEO Jürgen Städtler im Gespräch.

Vermes Bildquelle: © Anja Zierler/Markt&Technik

Das Vermes-Mikrodosiersystem MDS 1560 mit Dynamic Shockwave Technology.

Frage: Herr Städtler, Vermes ist vor allem für seine Piezoventile bekannt; das Unternehmen war eines der ersten, das die Technik auf den Markt gebracht hat. Jetzt stellten Sie vor Kurzem die Dynamic Shockwave Technology vor. Wie funktioniert die Technologie?

Jürgen Städtler: Das ist richtig, seit 2001 entwickelt Vermes ausschließlich Mikrodosierventile mit einem Piezo als Antrieb. Damit sind Frequenzen jenseits von 3300 Hz möglich; allerdings ist das Gesamtkonzept technologisch sehr anspruchsvoll. Deshalb hatten wir die Idee, eine Technologie zu entwickeln, die im Vergleich vielleicht nicht ganz so schnell ist, dafür aber einfacher herzustellen. Das Ergebnis ist die „Dynamic Shockwave Technology“.

Wir verwenden dafür ausgeklügelte Kanalführungen, die wir so lange optimierten, bis die Luft derart komprimiert wird, dass sie – quasi wie unter Schock – einen wesentlich effektiveren Einfluss zum Beispiel auf den Stößel und die Stößelbewegung eines Ventils hat. Dieses ist damit sehr viel leistungsfähiger als herkömmliche pneumatische Ventilantriebe. Damit ruft die Dynamic-Shockwave-Technologie ähnliche Dynamiken hervor wie der Piezo-Antrieb.

Städtler_Jürgen Bildquelle: © Vermes

Jürgen Städtler, CEO von Vermes: »Bei unseren Ventilen mit DST sind wir ungefähr um den Faktor 2 bis 3 leistungsfähiger als mit dem klassischen pneumatischen Ventil.«

Bei unseren Ventilen mit DST sind wir ungefähr um den Faktor 2 bis 3 leistungsfähiger als mit dem klassischen pneumatischen Ventil. In Zahlen gesprochen: DST-angetriebene Ventile gehen mit 700 Schuss pro Sekunde an den Start – also mehr als das Doppelte von pneumatischen Ventilen –, liegen aber trotzdem weit unter dem, was unsere Piezoventile schaffen.

Warum haben Sie die Technologie patentiert?

Vor allem auf dem chinesischen Markt wird rigoros kopiert. In China haben wir inzwischen zehn bis zwölf Copycats, also Firmen, die uns nachahmen. Bevor dies wieder geschieht, wollen wir möglichst viele Ventile mit der Dynamic Shockwave Technology ausstatten und auf den Markt bringen. Denn selbst mit Patent ist es immer sehr aufwändig, gegen Copycats vorzugehen, und es dauert lange, bis man die Fälschung endgültig vom Markt hat. Glücklicherweise unterstützt uns dabei aber CCTC mit seinen Anwälten.

CCTC ist der chinesische Investor, der Vermes 2017 übernommen hat. Wie ist Ihr Fazit knapp 1,5 Jahre später?

Ja, die Übernahme hat sich als sehr positiv für die Firma gezeigt. Uns war vorab wichtig, dass uns die Muttergesellschaft nichts diktiert, sondern wir gemeinsam eine Strategie festlegen, wie sich Vermes weiterentwickeln soll – mit viel Input-Möglichkeiten von Vermes selbst. Und ich muss wirklich sagen:

Bei allen Entscheidungen, die wir hier in Deutschland treffen, unterstützt uns die Muttergesellschaft – aber auch in anderen Bereichen, wie eben angesprochen zum Beispiel bei den Plagiaten. Alleine gegen Copycats auf dem chinesischen Markt vorzugehen – das könnten wir gar nicht stemmen. Außerdem schulen sie unsere Lieferanten und machen Marktanalysen in China. Auch das wäre hier von Deutschland aus schwer zu handhaben.

CCTC lässt Ihnen also Freiheiten und mischt sich nicht ein? Für ein asiatisches Unternehmen recht ungewöhnlich.

Ja, ich bekomme natürlich auch mit, wie schwierig es bei anderen Unternehmen mit chinesischen Muttergesellschaften laufen kann. Bei uns trifft das jedenfalls bis jetzt überhaupt nicht zu. Und aus meiner jetzigen Sicht ist es auch nicht abzusehen, dass sich das ändern wird. Natürlich ist es nicht leicht, über einen längeren Zeitraum in die Zukunft zu blicken. Aber aktuell ist es wie eine rosige Liebe zwischen zwei jungen Menschen, die heiraten und optimistisch sind, dass alles klappt.