Yaskawa

Von Japan in die Mitte Europas

13. März 2020, 10:20 Uhr   |  Andreas Knoll

Von Japan in die Mitte Europas
© Yaskawa

Bruno Schnekenburger, Yaskawa Europe, neben einem Bild des neuen Roboterwerks in Slowenien: »Der neue Produktionsstandort in Slowenien macht uns als japanisches Unternehmen europäischer.«

Der japanische Automatisierungs- und Robotik-Konzern Yaskawa hat im vergangenen Jahr ein Roboterwerk im slowenischen Kočevje eröffnet. Welche Strategie das Unternehmen mit dem neuen Standort und generell in der Robotik verfolgt, erläutert Bruno Schnekenburger, President und CEO von Yaskawa Europe.

Frage: Auf welchen Faktoren beruht die Entscheidung Ihres Unternehmens für Slowenien als Standort seines neuen Roboterwerks?

Bruno Schnekenburger: Slowenien hat eine sehr zentrale Lage in Europa, auch im Blick auf die Märkte in Ost- und Südosteuropa. Das Land hat mit dem Handelshafen in Koper einen wichtigen Zugang zum Meer. Wir pflegen enge Verbindungen zur Universität der slowenischen Hauptstadt Ljubljana, die einen Lehrstuhl für Robotik unterhält, von der wir auch einen Teil unserer Mitarbeiter rekrutieren können. Außerdem hat die slowenische Regierung geplant, ab 2020 die Bahnverbindung von Ljubljana bis Kočevje, die wenige hundert Meter von unserem Standort entfernt endet, sowohl für Personen- als auch für Güterverkehr wieder in Betrieb zu nehmen. Das ermöglicht unseren aus Richtung Ljubljana kommenden Mitarbeitern die tägliche Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln und uns den Warentransport von und zur Roboterfabrik über die Schiene.

Schon seit über 20 Jahren haben wir in Slowenien einen Standort für das Design und den Bau von Robotersystemen. Mit den dortigen Mitarbeitern haben wir nur gute Erfahrungen gemacht. Unsere Fertigungstiefe am Standort in Kočevje ist sehr groß; so findet unter anderem auch die Bearbeitung der Gussteile direkt bei uns im Hause statt. Und nicht zuletzt: Der Standort in Slowenien macht Yaskawa als japanisches Unternehmen europäischer, und wir können nun, auch durch unser lokales Roboterentwicklungs-Team, unseren Kunden einen exzellenten und schnellen Service bieten.

Welche Roboterbaureihen produziert Ihr Unternehmen in Slowenien?

Gebaut werden in Slowenien unsere aktuellen Industrieroboter der Serie „Motoman GP“ (General Purpose). Unsere kollaborativen Roboter der Baureihe „Motoman HC“ bauen wir in Slowenien momentan noch nicht; wir konzentrieren uns auf die Modelle, die in Europa derzeit am stärksten nachgefragt werden, und zwar in den Gewichtsklassen von 7 kg bis 225 kg Nutzlast, die für eine Vielzahl von Anwendungen geeignet sind, etwa Materialhandhabung, Lichtbogenschweißen, Punktschweißen oder auch Montage.

Fertigen könnten wir in Kočevje aber grundsätzlich alle unsere Robotermodelle, solange der lokale Bedarf dafür gegeben ist. Das bedeutet, dass auch unsere kollaborativen Modelle dort gefertigt werden können, sobald wir es als wirtschaftlich erachten. Momentan bietet das neue Werk eine Produktionskapazität von 10.000 Robotern pro Jahr, wobei das Gelände, das wir im Jahr 2017 erworben haben, eine Verdopplung der Produktionsfläche zulässt.

Welche Bedeutung hat die kollaborative Robotik in der Strategie Ihres Unternehmens?

Bei heutigen Robotern handelt es sich um universelle Automatisierungswerkzeuge für die Herstellung und Handhabung vieler verschiedener Produkte. Praktisch jeden Tag kristallisieren sich neue Anwendungen heraus.

Laut dem IFR World Robotics Report entfallen etwa 2 bis 3 Prozent der Nachfrage nach Robotern in Europa derzeit auf kollaborative Roboter, mit stark steigender Tendenz. Generell sind kollaborative Roboter in der direkten Mensch-Roboter-Interaktion – MRK-4-Modus – aber relativ langsam, sodass wir sie nicht als alleinige Lösung sehen, um mit Menschen zu interagieren. Unsere zur Mensch-Roboter-Kollaboration fähigen Hybrid-Modelle können langsam und folglich Hand in Hand mit dem Menschen arbeiten, aber auch schnell, also in voller Industrieroboter-Geschwindigkeit, betrieben werden.

Nur wenn ein Mensch sich im Arbeitsbereich des Roboters aufhält, was über entsprechende externe Sensorik wie Scanner oder Trittmatten erkannt wird, fährt der Roboter sicher in eine langsamere kollaborative Geschwindigkeit. Somit können unsere HC-Roboter schnell und dennoch zaunlos arbeiten.

Seite 1 von 2

1. Von Japan in die Mitte Europas
2. Hybrid-Industrieroboter ohne Schutzzaun

Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenAuf Linkedin teilenVia Mail teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Roboter sollen demografischen Wandel ausgleichen
Der Switch macht den Determinismus
Web-basierte Planung von vernetzten Fabriken
Open Source IDE für branchenspezifische Web-Entwicklung

Verwandte Artikel

YASKAWA Europe GmbH