HMS Industrial Networks: Industrie-4.0-/ IIoT-Retrofit – aber wie?

Wenn es darum geht, Produktionslinien und Anlagen auf Industrie 4.0 und IIoT vorzubereiten, betrifft dies derzeit häufiger das Retrofit bestehender Anlagen als die Ausstattung neuer. Was ist nun beim Industrie-4.0-/IIoT-Retrofit zu beachten?

Bild: Andreas Knoll – Markt&Technik Bildquelle: © Bild: Andreas Knoll – Markt&Technik

Mit Hilfe des IIoT-Gateways »eWON Flexy 205« von HMS lassen sich Daten aus SPSen, Robotern oder anderen Prozessgeräten herausholen und weiterleiten.

Thilo Döring, Geschäftsführer von HMS Industrial Networks Deutschland, und sein Vorgänger Michael Volz, mit dem eigenen Unternehmen Volz Consulting unter anderem für HMS tätig, geben Auskunft.

Markt&Technik: Inwieweit ist ein Industrie-4.0-/IIoT-Retrofit bestehender Maschinen oder Anlagen überhaupt sinnvoll?

Thilo Döring: Industrie-4.0-/IIoT-Retrofit wird lange ein wichtiges Thema bleiben. Zunächst werden nämlich die meisten IIoT-Applikationen Retrofit von Bestandsanlagen sein. Die Anzahl der Bestandsanlagen, die für ein Retrofit in Frage kommen, ist in absehbarer Zeit wesentlich größer als die Anzahl der neu installierten Anlagen, die von vornherein auf das IIoT vorbereitet werden.

Wenn es möglich ist, Bestandsanlagen mittels Retrofit für das IIoT zu optimieren, ist dies auf jeden Fall anzuraten. Retrofit eröffnet nämlich die Chance, langsam zu beginnen und erstmal ein kleines Subsystem entsprechend auszustatten. Daraus kann man lernen und die nötigen Schlüsse ziehen. Entscheidend ist zudem, welche Daten wofür genutzt werden sollen. Sobald dies feststeht und die ersten Erfahrungen gut sind, kann man das Gesamtsystem „IIoT-ready“ machen.

Ist es auf längere Sicht nicht kostengünstiger und effizienter, die gesamte Maschine oder Anlage zu erneuern und alles komplett auf dem aktuellen Stand zu haben?

Döring: Generell gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder die von Ihnen skizzierte, also die Anschaffung einer komplett neuen Maschine, oder zu versuchen, aus der bestehenden Maschine durch Einsatz modernerer Automatisierungstechnik mehr herauszuholen. Die Modernisierung der Steuerungstechnik und die Einbindung in die Datenkommunikation ist für existierende Maschinen auf jeden Fall deutlich kostengünstiger, als gleich eine neue Maschine anzuschaffen. Wenn ich mit mehr Intelligenz die Zuverlässigkeit und Effizienz einer bereits abgeschriebenen Maschine verbessern kann, amortisiert sich die Investition schnell und es lassen sich zusätzliche Wertschöpfungspotentiale erzielen.
 

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Thilo Döring, HMS Industrial Networks »Wenn es möglich ist, Bestandsanlagen mittels Retrofit für das IIoT zu optimieren, ist dies auf jeden Fall anzuraten.«

Die Evaluierungen im Vorfeld eines Indus­trie-4.0-/IIoT-Retrofits zeigen oft, dass die Produktion nicht optimal organisiert ist. Es gilt, die Laufzeiten und Stillstandszeiten der Maschinen zu analysieren, um entsprechende Schlüsse zu ziehen. Sind mehrere baugleiche Maschinen im Einsatz, bietet sich auch ein Benchmarking an: Wie werden die Maschinen genutzt? Was unterscheidet das Ablaufkonzept der einen Maschine von dem der anderen?

Welche Einzelschritte sollten Unternehmen konkret gehen, wenn sie ein Industrie-4.0-/IIoT-Retrofit bestehender Maschinen oder Anlagen in Erwägung ziehen?

Michael Volz: Als erstes geht es darum, Projektziele zu definieren und dabei nicht gleich nach den Sternen zu greifen, sondern das Naheliegende zu betrachten. Anfangs ist es sinnvoll, kleine Schritte zu gehen, zunächst nur eine Maschine nachzurüsten und erst dann fortzufahren. Ein großes Augenmerk sollte darauf gelenkt werden, die richtigen Partner zu finden für Connectivity und Datenanalyse. Und entscheidend ist, folgende Fragen für sich zu beantworten, bevor das Projekt richtig in Gang kommt: Welche Daten brauche ich? Wie bekomme ich sie? Wie mache ich die Analyse? Wie erhalte ich daraus die entsprechenden Schlussfolgerungen? Was kann ich aus den Daten gewinnen und welche Wertschöpfung kann ich auf deren Basis erreichen? Wenn diese Fragen beantwortet sind, kann es losgehen – sofern ich das nötige Personal dafür habe.