Smart Farming: Landwirtschaft wird effektiver und umweltfreundlicher

Die Digitalisierung der Landwirtschaft erleichtert den Landwirten die Arbeit und hilft der Umwelt. Smart Farming hat aber seinen Preis.

Eine Drohne fliegt vor einem Traktor über einem Getreidefeld. Mit digitaler Technik sollen gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: den Landwirten die Arbeit erleichtern und den Umweltschutz verbessern. Bildquelle: © Fabian Sommer/dpa

Eine Drohne fliegt vor einem Traktor über einem Getreidefeld. Mit digitaler Technik sollen gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: den Landwirten die Arbeit zu erleichtern und den Umweltschutz zu verbessern.

GPS-gesteuerte Maschinen, Drohnen im Steillagen-Weinbau, Sensoren für exaktes Düngen oder Bewässern – gerade in der in der Landwirtschaft schreitet die Digitalisierung schnell voran. Der Landmaschinen-Riese John Deere etwa, der sein europäisches Entwicklungszentrum in Kaiserslautern hat, sieht in der digitale Revolution die Chance, Ernteausfälle verringern, Ressourcen und die Umwelt zu schonen und Pflanzenschutzmittel zu sparen. Bei allen Vorteilen verändert sie das Berufsbild des Landwirts stark, birgt auch Risiken und stößt bisweilen an ganz praktische Grenzen.

»Ich sehe in der Digitalisierung der Landwirtschaft große Chancen sowohl für den Arbeitsalltag der Landwirte als auch für die umwelt- und klimaschonende Bewirtschaftung der Äcker«, sagt der rheinland-pfälzische Landwirtschaftsminister Volker Wissing (FDP). Seine Amtskollegin auf Bundesebene, die Rheinland-Pfälzerin Julia Klöckner (CDU), betont, die Digitalisierung sei kein Selbstzweck, sondern könne Zielkonflikte lösen, ermögliche eine nachhaltigere Erzeugung von Lebensmitteln. Nachwuchsprobleme könnten gelindert werden – »nicht nur, weil Arbeitskraft und Ressourcen eingespart werden, sondern weil Acker und Stall heute Hightech sind. Das macht das Berufsbild für die Generation Smartphone attraktiv.«

Digitale Steuerung und digitales Datenmanagement sind zentrale Begriffe des Smart Farming. Dafür wurde am Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) in Bad Kreuznach die GeoBox-Infrastruktur entwickelt. In ihr laufen behördliche Daten zu Boden, Wetter, Erosion, Schädlingen, Feldumrissen oder topographischen Gegebenheiten zusammen und werden Landwirten bereitgestellt – nach dem Open-Source-Prinzip, also grundsätzlich kostenlos. Die Bauern können die Daten schlagbezogen – also auf einzelne Teilflächen bezogen – nutzen und bald auch in einen vom DLR entwickelten Messenger einbinden. Die Agrarministerkonferenz beschloss kürzlich in Mainz, dass das Angebot für die bundesweite Nutzung erweitert werden soll.

DLR: Vom analogen Berater zum Datendienstleister

DLR-Dienststellenleiter Michael Lipps sagt: »Wir sind weg gekommen vom analogen Berater auf dem Feld hin zum Datendienstleister.« Warnungen vor Hagelschlag oder Pilzinfektionen würden in Zeiten des sich wandelnden Klimas immer wichtiger, sagt Herwig Köhler, der beim DLR Abteilungsleiter der Technischen Zentralstelle ist. Geodaten ermöglichten präzises Steuern von Landmaschinen, um Felder bestmöglich ausnutzen und Abstandsvorgaben etwa an Gewässern einzuhalten. »Früher fuhr der Landwirt Pi mal Daumen, heute GPS-gesteuert«, sagt Lipps.

Gerade im Gemüsebau komme es stark darauf an, exakt zu fahren  und die Flächen auszunutzen, sagt Wolfgang Schneider, der beim DLR Experte für Digitalisierung ist. Hier gebe es eine hohe Durchdringung mit moderner Technik, fast jeder Traktor habe hier genaue GPS-Empfänger. In Sonderkulturen wie dem Obst- oder Weinbau sind laut DLR eher Sensoren zur lokalen Steuerung der Geräte oder zur Ausrichtung der Breite wichtig. Sensoren erkennen Pflanzen und öffnen nur exakt über ihnen Düsen zum Besprühen mit Pflanzenschutzmitteln, erkennen die Blütendichte an Obstbäumen und steuern deren Ausdünnung.

Auch der Traktor von Landwirt Christian Glahn aus Zweibrücken wird satellitengestützt gesteuert, beim Sprühen von Pflanzenschutzmitteln, der Bodenbearbeitung oder dem Aussäen. Er spare so etwa 1 Prozent an Saatgut, erklärt Glahn. Bei einem 100-Hektar-Betrieb sei das durchaus etwas. »Davon kann man in Urlaub fahren.« Auch könne er dank Technik gerade Reihen fahren, das reduziere den Verschleiß, spare Zeit und Diesel.  

Funklöcher machen Smart Farming unmöglich

Glahns System lenkt die Maschine bis auf etwa 20 Zentimeter genau über den Acker, wie er erklärt. Es gehe noch genauer mit einer SIM-Karte im Traktor, via Mobilfunk sorge ein Korrektursignal dafür, dass bis auf etwa zwei Zentimeter genau gefahren werde. Dafür brauche es den Mobilfunkstandards 2G, doch der sei bei ihm nicht flächendeckend verfügbar.

Lipps vom DLR geht einen Schritt weiter: »Wo ich digitale Landwirtschaft will, brauche ich 5G. Das wird eine Herausforderung.« Überhaupt ein Netz würde Landwirt Markus Bamberger mit seinen Flächen nahe Steinhardt im Kreis Bad Kreuznach helfen. »Was nutzt die ganze Technik, wenn sie nicht funktioniert«, sagt er. Während er auf der Höhe Empfang habe, gehe in tieferen Lagen nichts mehr.

Zudem kostet die neue Technik ganz ordentlich. »Das kann Betrieben das Genick brechen«, sagt Lipps. Sinnvoll sei der gemeinsame, überbetriebliche Einsatz von Maschinen. Das sei an sich eine gute Sache, meint Bauer Elmar Kremer aus Buch im Hunsrück. Doch dann müsse man sich darauf verlassen können, dass Maschinen pfleglich behandelt würden und bei Bedarf einsatzbereit seien. Er hat schon einen GPS-gesteuerten Schlepper getestet, gekauft hat er ihn noch nicht, das sei eine »ganz schöne Investition«. Erleichterung erhofft er sich auch durch die digitale Dokumentation etwa der Düngemittelmenge.

Nach Einschätzung Köhlers vom DLR lohnt sich smarte Technik vor allem auf großen Flächen und kann die Industrialisierung der Landwirtschaft vorantreiben. Landwirte müssten darauf achten, nicht alle Daten und Erfahrungswerte kostenlos in Clouds preiszugeben und so großen Investoren zugänglich zu machen. »Das ist das Kapital der Landwirte», sagt Köhler. «Doch das erkennen viele nicht.« Auch Minister Wissing betont: es sei wichtig, dass Landwirte Herr über ihre Daten blieben.