Die digitale Transformation im Blick: Innovationen für die Fabrik der Zukunft

Fortsetzung des Artikels von Teil 2.

Datentransfer für IoT-Anwendungen

Zum Einsatz kam Stage-Gate etwa bei der Entwicklung von Single-Pair-Ethernet, einer Technik, die Lapp zu den zentralen Voraussetzungen für die Fabrik der Zukunft zählt: Dort wächst die Zahl der Datenverbindungen zwischen Maschinen rasant. Immer mehr Anlagen werden mit Sensoren ausgestattet, Stichwort: IoT. Die von ihnen generierten Daten dienen unter anderem Predictive-Maintenance-Anwendungen.

Vor allem der Einsatz von Industrial Ethernet steigt durch den Vernetzungs-Boom enorm. Nun senden aber die meisten Sensoren nur kleine Datenmengen – beispielsweise Druck- und Temperaturwerte. Eine schnelle Cat.6A-Leitung ist für eine derart niedrige Datenrate völlig überdimensioniert. Genau für solche Anwendungen sind Single-Pair-Ethernet-Leitungen konzipiert. Sie haben nur ein Aderpaar statt der sonst üblichen vier. Damit lassen sich bis zu 1 Gbit/s übertragen. Dies reicht nicht nur für viele Anwendungen aus, sondern Single-Pair-Ethernet-Leitungen sind auch dünner und kostengünstiger als Cat.6A-Leitungen.

U. I. Lapp Bildquelle: © Bild: U. I. Lapp

Mit dem Innovation-for-Future-Prozess unterstützt Lapp die Entwicklung transformativer und disruptiver Innovationen.

»Diese Lösung ist eine Weiterentwicklung bestehender Leitungen – die Entwickler haben weder technisches Neuland betreten noch die Basis für ein neues Geschäftsmodell geschaffen«, stellt Guido Ege fest. »Deshalb war der Stage-Gate-Innovationsprozess hier genau richtig.« Die ersten Leitungen dieses Typs hat Lapp auf der Hannover-Messe 2019 gezeigt.

Mehrwert durch intelligente Kabeltrommel

Eine weitere Innovation, die Lapp im FutureLab in Hannover präsentierte, ist die „Smart Cable Drum“, die intelligente Kabeltrommel. Sie misst die Zahl der Umdrehungen beim Abspulen des Kabels, woraus eine Software errechnet, wie viele Meter Kabel noch auf der Trommel sind. Die Technik – eine mechatronische Einheit mit Umdrehungszähler und einem Funkmodul – hat Lapp gemeinsam mit der Schildknecht AG entwickelt.

Noch ist das Geschäftsmodell für die Smart Cable Drum unklar. Denkbar sind verschiedene Varianten: So ist es möglich, den Kunden zu informieren, wenn ein bestimmter Bestand unterschritten wird. Er kann dann entscheiden, ob er nachbestellen will. Zweite Variante: Die Software löst eine Nachbestellung automatisch aus. Aber auch ein Pay-per-Use-Modell ist möglich. »Den größten Vorteil würde wohl die automatisierte Variante bringen«, sagt Guido Ege. »Außerdem würde sie beide Seiten entlasten, den Kunden und Lapp.« Die Voraussetzung dafür: »Der Kunde muss bereit sein, sich enger an seinen Lieferanten zu binden. Ein weiteres Anwendungsmodell ist etwa durch die Integration eines GPS-Moduls denkbar, um damit eine Diebstahl-Warnfunktion zu realisieren. Sie könnte vor allem beim Einsatz von Großtrommeln auf Baustellen interessant sein.«

Entscheidend ist: Was genau wollen und brauchen die Kunden – und wofür sind sie bereit, Geld in die Hand zu nehmen? »Der wichtigste Teil des Innovationsprozesses ist deshalb, das Produkt zur Marktreife zu entwickeln und dazu passende Geschäftsmodelle zu kreieren«, resümiert Guido Ege. »Dazu werden wir mit Kunden das System testen und deren Wünsche einbeziehen.«