Raspberry Pi, Microbit und viel Neues

Das erste Farnell-Jahr im Avnet-Konzern

30. Januar 2018, 14:01 Uhr   |  Karin Zühlke

Das erste Farnell-Jahr im Avnet-Konzern
© Markt & Technik

Ralf Bühler, Farnell: »Natürlich machen wir uns Gedanken, wie es weitergehen kann, was mit Pi außer im Maker-Umfeld noch realisiert werden könnte. Die Diskussionen auch mit großen OEMs gehen dahin, ob es möglich ist, eine Computing-Plattform mit Pi zu realisieren, anstatt Eigenentwicklungen zu treiben.«

Ralf Bühler, Chief Sales & Marketing Officer von Farnell, berichtet über Farnells Rolle im Avnet-IoT-Ökosystem, die Zukunft des Raspberry Pi und die Erfolgsgeschichte des „Education-Computers“ Microbit.

Markt&Technik: Farnell ist seit Herbst 2016 Teil von Avnet. Sie sind schon einige Jahre bei Farnell und kennen jetzt beide Seiten – wie lautet Ihr Fazit?

Ralf Bühler: Wir sind jetzt Teil eines großen Konzerns und damit in der Lage, anders zu investieren als eine Einzelgesellschaft. Farnell hat durch die Integration massiv an Wertschöpfung zugelegt. Durch das Investment von Avnet konnten wir unsere Lagerbestände deutlich erhöhen – weltweit um etwa 25 Prozent. Wir haben zum einen in die Breite investiert, zum anderen in die Verfügbarkeit; insbesondere in Zeiten der Materialverknappung waren und sind wir dadurch in der Lage, die Verfügbarkeit für unsere Kundenbasis zu sichern. Davon haben wir in der Umsatzentwicklung sehr schön profitiert und wachsen in Europa in diesem Geschäftsjahr im guten zweistelligen Prozentbereich.

Insofern lautet mein Fazit: Wir sind mit der Entwicklung sehr zufrieden.

Farnell baut momentan an einem neuen großen Lager in England – was hat es damit auf sich?

Das Gebäude wird derzeit im Umfeld des bisherigen Lagers im Raum Leeds gebaut und wird etwa dreimal so groß sein wie das bisherige Lager. Mit der Fertigstellung rechnen wir etwa in zwei Jahren. Als High-Service-Distributor haben wir den Druck, die Logistikkompetenz für Klein- und Kleinstbestellungen immer weiter zu erhöhen. Dazu zählen auch Value-Added Services wie das Re-Reeling für die Maschinenbestückbarkeit.

Gab es Überlegungen, das Lager aufgrund des Brexits aus UK in die EU zu verlagern?

Ja, das haben wir diskutiert. Aber aufgrund unserer Logistik-Anwendungen und der Tatsache, dass es niemals ein vollautomatisiertes Lager werden wird, erschien uns der Standort die beste Lösung, weil wir hier sehr erfahrenes Personal haben. Das hätten wir an einem anderen Ort von Null auf wieder aufbauen müssen. Wir haben nach wie vor viel manuelle Handhabung integriert aufgrund der Kleinmengenbestellungen und dabei ist das Know-how der Mitarbeiter essenziell.

Inwieweit profitieren die Kunden durch die Übernahmen von Farnell vom neuen Avnet-Gesamtangebot?

Wir haben dieses Jahr gute Fortschritte gemacht, dem Kunden das gesamte Ökosystem zu vermitteln – nicht nur den Kunden auf der Avnet-Seite, die nun von uns kleine Stückzahlen beziehen können, sondern auch in der umgekehrten Richtung, indem wir den Premier-Farnell-Kunden jetzt das großvolumige Geschäft von Avnet anbieten können. Das Angebot wird in Europa sehr gut angenommen. Es gibt bereits einige Großkunden, die diese gesamte Wertschöpfungskette nutzen.

Avnet ist sehr bestrebt, das Gesamt-Ökosystem weiter auszubauen. Flankierend dazu haben wir unsere Communities deutlich erweitert. Unser Ziel ist, die gesamte Kette zu stärken. Dazu müssen die Aktivitäten bis zu einem gewissen Grad aber auch konzertiert ablaufen.

Welche Rolle spielt das Thema IoT dabei?

IoT ist ein guter Technologieträger und der rote Faden für unser Ökosystem, weil es auf der einen Seite das Enablement von Makern und Startups betrifft und auf der anderen Seite auch die großen Firmen, die sich Gedanken machen, wie sie IoT in ein klassisches bestehendes Produkt implementieren können.

IoT ist ein sehr großes Feld. Wo sehen Sie die Ansatzpunkte für Farnell und das Ökosystem?

Wir sehen, dass heute IoT-Produkte 18–24 Monate und mehr von der Idee bis zur Marktrealisierung benötigen. Die Hardware lässt sich relativ einfach generieren, aber es gibt sehr viele weitere Aspekte zu berücksichtigen wie das Thema Datensicherheit und die Frage: „wie bringe ich die Daten in die Cloud?“ Auch sind Daten alleine bekanntlich noch kein Geschäftsmodell. Wir wollen die Zeit von der Idee zur Marktreife solcher Produkte verkürzen, indem wir weitreichende Systeme anbieten, auf denen sie ihre Ideen aufsetzen können. Darüber hinaus unterstützen wir aber auch Firmen, die eigene Entwicklungen realisieren wollen.

Seit Herbst vergangenen Jahres gibt es den IoT-Hub von Farnell – was genau ist der IoT-Hub?

Bisher hatten wir eine Community, in der die User sich gegenseitig unterstützen konnten; auf der anderen Seite haben wir unsere Shopseite, wo die Kunden Produkte kaufen können. Dazwischen war eine Art Vakuum. Wir haben uns daher mit der Frage beschäftigt, wie wir die Infos von beiden Seiten so geordnet bekommen, dass sie für Kunden auch schlüssig auffindbar sind. Im Zuge dessen haben wir unseren IoT-Hub ins Leben gerufen, um interessante Aspekte aus der Community und interessante Produktkomponenten zusammenzuführen.

Ein weiterer Aspekt zu diesem Thema ist unser Maker-Service, um Startups den Zugang zum professionellen Markt zu erleichtern, indem wir Entwicklungspakete zur Verfügung stellen.

Sie sprechen viel vom gesamten Ökosystem. Bleibt das Farnell-Branding erhalten oder kommt ein Re-Brand im Avnet-Stil?

Avnet hat in Europa eine Historie von Multi-Brand-Strategien. Wir sind nach wie vor eine eigene globale Entity im Avnet-Konzern. Die Marke „Premier Farnell“ bleibt in Europa und global bestehen, weil wir der Überzeugung sind, dass uns die Kunden mit dem Attribut „High Service“ verbinden, aber eine Avnet nicht zwangsweise für Kunden repräsentiert, was wir heute für Kunden repräsentieren. Insofern gibt es keine Notwendigkeit, unsern Markenauftritt zu ändern. Der Name ist überdies für die wenigsten Kunden relevant; für sie zählt, welchen Mehrwert sie aus dem Gesamtangebot haben.

Wir beschäftigen uns lieber damit, den Kundennutzen aus dem Avnet-Konzern zu maximieren: Wie können wir Lager zwischen den Unternehmungen besser verfügbar machen, wie können wir Kunden die Serviceaspekte besser zugänglich machen und wo können wir die Wertschöpfung für unsere Hersteller durch globale Kampagnen erhöhen – das sind Fragen, die uns bewegen.

Gibt es mit Avnet eine Zusammenarbeit bei Herstellerpartnerschaften?

Ein Großteil der Avnet-Linecard war natürlich aufgrund unseres breiten Portfolios schon bei uns unter Vertrag. Aber wir haben in den vergangenen zwölf Monaten auch neue Partner hinzugewonnen. Ein schönes Beispiel ist Xilinx. – Insgesamt haben wir eine gute Angleichung der Linecard gefunden, sodass es für Kunden auch möglich ist, die gesamte Wertschöpfung über unser Ökosystem zu bekommen, denn die funktioniert natürlich nur, wenn die Herstellerabdeckung möglichst homogen ist.

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1. Das erste Farnell-Jahr im Avnet-Konzern
2. Marktanteil von 60–70 Prozent

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