Smart Cities

»Das sind die Bausteine für intelligente Städte«

13. Dezember 2022, 12:03 Uhr | Kathrin Veigel
Infosys Smart Cities
Smarte Städte sind auf intelligente Technologien angewiesen.
© metamorworks/Adobe Stock

Ohne die entsprechenden Technologien sind Smart Cities nicht möglich. Um welche es sich dabei genau handelt und wie sich diese intelligenten Technologien auf unser Leben in der neuen smarten Welt auswirken, erläutert im Interview Gopikrishnan Konnanath von Infosys.

SmarterWorld: In welche Richtung glauben Sie, werden sich Smart Cities und der Markt für intelligente Technologien entwickeln?

Gopikrishnan Konnanath: Wir gehen davon aus, dass Smart Cities in den kommenden Jahren einem Marktplatz oder Playstore mit Hunderten von Anwendungen für die Öffentlichkeit ähneln werden, mit einer starken Orchestrierungsplattform, um diese vielfältigen Anwendungen und Lösungen zu verwalten.

Welche Art von intelligenter Technologie hat aus globaler Sicht das größte Potenzial, sich durchzusetzen?

Was die Technologien mit dem größten Erfolgspotenzial betrifft, so werden kombinierte Lösungen in Smart Cities implementiert, die den Bewohnern einen Mehrwert bieten. In der Regel sind diese Applikationen unabhängig und eigenständig, wobei zwischen den Systemen gewisse Abhängigkeiten bestehen. Die digitalen Technologien, die die Lösungen in den Smart Cities vorantreiben, sind das Internet der Dinge, 5G oder LPWAN, Rechenzentren, Cloud, Netzwerke, Cybersicherheit, Sensoren, Edge-Geräte, KI/ML, Blockchain und AR/VR, um nur einige zu nennen. Bei vielen dieser Projekte handelt es sich um CapEX-Investitionen (Anm. d. Red.: Capital Expenditures umfassen alle längerfristigen Investitionen in die Vermögenswerte eines Unternehmens. Ziel der Investitionen ist, die Produktion und Produktivität zu erhöhen, um so die Umsätze und Gewinne zu steigern).

Die neuen Technologien versprechen den Menschen viele Vorteile. Wie sehen diese konkret aus?

Die Bürger profitieren künftig zum Beispiel von autonomen Autos, die für mehr Verkehrssicherheit und besseren Transport sorgen. Ein durchdachtes Ökosystem für Elektrofahrzeuge kann die Nachhaltigkeit fördern und AR/VR Fernoperationen unterstützen. Des Weiteren sind intelligente Netze zur Unterstützung der Energiewende sowie intelligente Kameras für mehr Sicherheit von Vorteil. Robotische Prozessautomatisierung fördern Smart-City-Plattformen, Chat Bots verbessern den Kundenservice.

Welche Technologien werden Ihrer Meinung nach den größten Einfluss auf unser tägliches Leben haben?

Da ist zunächst das Internet der Dinge (IoT) zu nennen. Es ermöglicht die Digitalisierung aller analogen Systeme und hilft dabei, das gesamte System intelligenter und vernetzter zu gestalten. Es integriert Maschinen, Sensoren, Geräte, Gebäude und Versorgungseinrichtungen. Daten aus dem IoT helfen Stadtverwaltungen bei der besseren Planung von Dienstleistungen, Infrastrukturen und Einrichtungen. Ein Beispiel sind intelligente Zähler in Versorgungsunternehmen (Wasser und Strom), um besser auf die Nachfrage reagieren zu können, oder Verkehrssensoren und -kameras, die beim Verkehrsmanagement helfen.

Außerdem ist die Konnektivität sehr wichtig. Sie muss zuverlässig und belastbar sein. Fortgeschrittene Anwendungsfälle erfordern eine schnellere und breitere Konnektivität, wobei Technologien wie 5G, LPWAN, LoRA, WiFi, Fiber to Curb/Home zum Einsatz kommen.

Ein anderer wichtiger Aspekt in diesem Zusammenhang ist die Public-Cloud-Infrastruktur. Es ist nötig, sich künftig von Rechenzentren zu lösen, die sich im Besitz einzelner Abteilungen befinden. Daher suchen Regierungen jetzt nach einer gemeinsamen Infrastruktur, die durch die Nutzung der Cloud zu einer Kostenoptimierung und Rationalisierung der Infrastruktur führt.

Und schließlich werden Softwareplattformen in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Eine Smart-City-Plattform wird höchstwahrscheinlich eine gemeinsame Plattform sein, die von verschiedenen Abteilungen genutzt wird und standardisierte APIs und Datenmodelle enthält. Plattformen, die flexibel und agil bei der Einführung neuer Anwendungen/Dienste agieren, werden viel schneller laufen. Dazu wird sich die Zeit bis zur Bereitstellung dieser neuen Dienste bzw. Anwendungen drastisch verkürzen. Die Plattformen ermöglichen die Orchestrierung von Anwendungen und Arbeitsabläufen sowie die Zusammenstellung neuer Dienste. Sie sind dann in der Lage, Behörden für G2G-, G2B- und G2C-Dienste problemlos miteinander zu verbinden.

Welche Schlüsseltrends und -technologien haben das größte Potenzial für den Erfolg der Smart Cities?

Das lässt sich nicht so einfach beantworten. Denn auch hier gibt es eine Reihe von Trends, die ein großes Potenzial für den Erfolg der intelligenten Städte haben.

Dazu gehören folgende:

  • Demokratisierung der Daten: Es wird eine Vielzahl von Anwendungen für die verschiedenen Anwendungsfälle geben, die jeweils eine große Menge an Daten erzeugen. Die Art und Weise, wie diese Daten zwischen den Anwendungen, verschiedenen Regierungsstellen, Universitäten und Forschungsinstituten ausgetauscht werden können, wird ein wichtiger Trend in der Zukunft sein.
  • Sicherheit der Daten: Das ist ein sehr wichtiger und kritischer Aspekt von Smart Cities. Das Vertrauen der Öffentlichkeit ist der Schlüssel zur Akzeptanz. Ein robuster Entwurf gewährleistet Datensicherheit, Datenschutz und Datensouveränität. Vorangetrieben wird dies durch die Einhaltung von Vorschriften, Regelungen und Richtlinien.
  • Monetarisierung: Intelligente Städte bewegen sich auf ein selbstfinanziertes Modell zu. Die Investitionen werden eher in CapEX-Projekte wie Telekommunikationsinfrastruktur, Datenkonnektivität, Rechenzentren usw. fließen. Einzelne Anwendungen werden jedoch durch Einsparungen oder durch Dienstleistungsgebühren generierten Cashflow angetrieben.
  • Automation: Angesichts der steigenden Anzahl von Anwendungen und Diensten, die den Bürgern angeboten werden, sind Effizienzsteigerungen und Kostensenkungen nur durch Automatisierung zu erreichen. Dies sollte Folgendes enthalten: Einsatz von Bots oder Chatbots für die Selbstbedienung und IVR, die vollständig automatisiert sind; Einsatz von Robotic Process Automation (RPA) für Serviceanfragen und Vorfälle, um Effizienz und Geschwindigkeit zu steigern.

Was meinen Sie, welche neuen Technologien die Smart-City-Lösungen ergänzen werden?

Das ist eine sehr gute Frage. Intelligente Städte basieren auf dem Konzept der Integration von mehreren Systemen, von Menschen, Ökosystemen und schließlich Technologie. Möglich macht dies das IoT. Die aufkommenden Technologien, die die Smart City-Lösungen ergänzen werden, sind meiner Meinung nach AR/VR, Blockchain, Digital Twins, 5G und schließlich das Metaverse.

Infosys Gopikrishnan Konnanath
Gopikrishnan Konnanath ist Global Head for Engineering Services und Blockchain bei Infosys.
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Der Autor

Gopikrishnan Konnanath
ist Global Head for Engineering Services und Blockchain bei Infosys. Er ist Teil des Senior Leadership Teams und dafür verantwortlich, das Unternehmen gegenüber Kunden, Investoren, Regierungen und anderen Stakeholdern zu vertreten. Er verfügt über mehr als 25 Jahre Berufserfahrung im Bereich der Technologiebereitstellung mit einer außergewöhnlichen Erfolgsbilanz bei der Gründung und Skalierung von Geschäftseinheiten innerhalb von Infosys. Bevor er die Position des Global Head for Engineering Services übernahm, war er Global Head for Enterprise Applications Services bei Oracle und zusätzlich für die Entwicklung und Stabilisierung von Blockchain-Services bei Infosys verantwortlich. 


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