Industrie 4.0 und Internet of Things

Digitale Goldgräberstimmung

19. Juli 2016, 15:49 Uhr | Karin Zühlke

Fortsetzung des Artikels von Teil 2

Selbstkannibalisierung als Option

EBV
Erich Brockard, EBV »Wichtig ist, dass die Daten­sicherheit – bzw. Security – in den Soft- und Hardware-Designprozess eingebunden wird.«
© EBV

»Besetzen Sie die Schnittstelle zwischen Produkt und Endkunde!« rät er, und zwar bevor es andere tun. Einige Unternehmen haben genau das bereits getan, wie Ulrich Ahle berichtet, zuständig für die Industrie-4.0-Aktivitäten von Atos. »Sie stellen zusätzlich zu ihren Produkten gekoppelte digitale Services bereit oder stellen ihre Geschäftsmodelle innovativ auf „outcome based Services“ um.« Dabei bekommen nach Aussage von Ahle Smart-Service-Plattformen eine wachsende Bedeutung: »Wer diese Plattformen dominiert, wird in Zukunft die digitalen Kontrollpunkte für Smart Services besitzen.« Outcome based Services sind das eigentlich Revolutionäre an der digitalen Transformation, denn sie leiten einen grundlegenden Paradigmenwechsel ein: den Wandel vom traditionell produktgetriebenen Verkaufsmodell hin zum Service-orientierten.

Das stellt bestehende Produktentstehungsprozesse und Vertriebsmodelle und damit ganze Unternehmensstrategien auf den Prüfstand. »Prüfen Sie, welche Eigenschaften neuer Produkte – etwa Datenzentriertheit, Intelligenz, Vernetzbarkeit, Kommunikationsfähigkeit, Individualisierbarkeit, Erweiterbarkeit – für Ihr bestehendes Produktportfolio umsetzbar sind«, empfiehlt Dowling. »Denken Sie über klassische Branchengrenzen hinweg, und finden Sie die für Ihr Produkt geeigneten Partner.« Im Zuge dieser Neuausrichtung sollten Firmen laut Dowling auch das Risiko nicht scheuen und neue Wege auch auf Kosten des Bestandsportfolios gehen: »Nutzen Sie die Möglichkeit zur Selbstkannibalisierung als strategische Option, und definieren Sie ihre eigene Rolle in den entstehenden Wertschöpfungsnetzen.«

Security ist kontrollierbar!

Bestehende „Ordnungen“ und Denkweisen komplett über den Haufen zu werfen, ist aber nicht so einfach. Im Feld herrscht daher noch viel Verunsicherung – auch oder vor allem in punkto Cybersicherheit: »Es geht darum, die CEOs dieser Unternehmen zu erreichen und kritische Aspekte zu besprechen, wie etwa die Datensicherheit. Mit der richtigen Herangehensweise wird sie kontrollierbarer. Wichtig ist, dass die Datensicherheit bzw. Security in den Soft- und Hardware-Designprozess eingebunden wird«, sagt Erich Brockard, Director Application Central Europe bei EBV Elektronik. Setzen die Entwicklungsingenieure bei Security also mehr auf Soft- als auf Hardware? »Die landläufige Meinung ist, Software koste nichts oder weniger als Hardware. Aber Software bietet nicht den Schutz, den eine Hardeware-Lösung bringt. Zudem sind bereits für 50 Cent/Stück günstige Krypto-Chips erhältlich.« Auch in Bezug auf die Sicherheit der Daten selbst, sprich Security unter dem Aspekt Big Data, gibt es nach Meinung von Brockard eine probate Lösung: »Man hat auch die Möglichkeit einer Hybrid-Cloud, also einer Vorverdichtung von Daten.«

Schlussendlich dürfte eines klar sein: An Industrie 4.0 bzw. der digitalen Transformation führt kein Weg vorbei: Denn »wer Industrie 4.0 verschläft, hat vielleicht morgen kein Unternehmen mehr«, fasst Johann Weber zusammen, CEO von Zollner Elektronik.


  1. Digitale Goldgräberstimmung
  2. Mittelstand lernt vom Mittelstand
  3. Selbstkannibalisierung als Option
  4. John Deere / IBM: Traktorfertigung 4.0

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