Bestand automatisch erfassen

Drohnen übernehmen Lagerinventur

Bei dem Forschungsprojekt »UAS Invent« kommt ein neues Drohnensystem des Kasseler IT-Unternehmens Doks Innovation zum Einsatz, das sich eigenständig um die Lagerinventur kümmert.
Bei dem Forschungsprojekt »UAS Invent« kommt ein neues Drohnensystem des Kasseler IT-Unternehmens Doks Innovation zum Einsatz, das sich eigenständig um die Lagerinventur kümmert.
© Kai Dorschner/Doks Innovation/dpa

Ein neues System auf Basis von Drohnen erfasst den Lagerbestand: Startplatz ist der Schreibtisch, die Dohne fliegt dann bis zu fünf Stunden durchs Lager und nimmt den Bestand auf.

Gang für Gang, Stellplatz für Stellplatz fliegen die Drohnen ab, keine Palette, kein Container, kein Gut bleibt unerkannt. So funktioniert das neue Drohnensystem von Doks Innovation aus Kassel.  

Bei dem vom Regionalmanagement Nordhessen unterstützten Forschungsprojekt »UAS Invent« kommt ein geschlossenes System zum Einsatz. Die vergleichsweise lange Flugzeit von fünf Stunden – bei herkömmlichen Drohnen liegt sie laut Carl Severin, Produktmanager Doks Innovation, bei 15 bis 20 Minuten – ermöglicht ein Begleitfahrzeug, »Rover« genannt. In dem Rover ist ein Akku integriert. Über ein Kabel ist die Drohne mit dem Fahrzeug verbunden. Der Rover fährt immer direkt unter der Drohne, während sie an den Regalen entlang fliegt und den Bestand in bis zu 14 Metern Höhe per Barcode erfasst. Die Ware im unteren Regalbereich, die von der Drohne wegen ihrer Mindestflughöhe von 1,50 Meter nicht erreicht werden kann, scannt das Begleitfahrzeug.

»Wenn der Akku des Rovers leer ist, dockt er eigenständig an eine Ladestation an«, erläutert Severin. Damit ist ein völlig selbstständiger Betrieb der Drohne zu jeder Tages- und Nachtzeit möglich. Das System kann vom Schreibtisch aus gestartet werden und beginnt eigenständig mit der Bestandserfassung. Es funktioniert laut Severin völlig unabhängig von sonstiger Infrastruktur wie GPS-Signalen oder Sendern: »Mit einer Kamera erstellt es eine eigene Karte des Lagers, an der es sich orientiert.«

Der Vorteil: Die Anwender könnten laut Severin die Leerlaufzeiten im Lager sinnvoll nutzen: »Weil die Technologie autonom funktioniert, kann sie auch nachts oder am Wochenende eingesetzt werden.« Die gesammelten Daten werden durch die eigens entwickelte Software ausgewertet. »Der Kunde erhält eine digitale dreidimensionale Kopie seines Lagers, ein sehr präzises Bild, das er aus allen Perspektiven betrachten kann.« So wisse er genau, welches Gut in welcher Stückzahl an welchem Ort liegt. Das spare Zeit, Kosten und Platz.

Ein Pilot des Systems wird bereits beim Projektpartner VW in Baunatal und Wolfsburg getestet. Auch in den Lagern des Melsunger Medizintechnik-Herstellers B. Braun und des Bad Hersfelder Buchlogistikers Libri soll die Technologie künftig zum Einsatz kommen. »Wir wollen mit dem System unsere Bestandsqualität steigern«, sagt André Oswald von Libri. Kundenaufträge könnten nicht bedient werden, wenn die bestellte Ware nicht zu finden sei. »Wir hoffen, künftig jeden Buchrücken scannen zu können, um zu sehen, ob er am richtigen Platz liegt.«

Die Sorge, dass die Drohne menschliche Arbeitskräfte ersetzen könnte, zerstreuen die Projektpartner. »Wir wollen mit dieser Technologie während der Nachtschicht Fehler gleich entdecken, wenn sie passieren«, sagt etwa Tanita Reed von B. Braun. Würden sie erst im Laufe der Jahresinventur entdeckt, bedeute das erheblichen Mehraufwand. »Es geht also um die Entlastung unserer Mitarbeiter.«


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