Best Practices

Durch Industrie 4.0 zur Ressourceneffizienz

24. Juli 2017, 16:15 Uhr | Hagen Lang
Ressourceneffizienz durch Industrie 4.0
Sechs betriebliche materielle Ressourcen (links) in sechs Entwicklungsstufen der Datenerfassung und -analyse (rechts).
© VDI ZRE/ Fraunhofer IPA

Industrie 4.0 und Ressourceneffizienz haben für die meisten KMU wenig miteinander zu tun. Die Studie »Ressourceneffizienz durch Industrie 4.0« des Fraunhofer IPA im Auftrag des VDI Zentrums Ressourceneffizienz (VDI ZRE) zeigt auf 270 Seiten Best-Practice Beispiele und oft unerwartete Synergien.

IPA-Projektleiter Ivan Bogdanov kennt von Unternehmen die Themen Kundenzufriedenheit, Prozessstabilität oder Produktivität als Begründung für den Einzug von Industrie 4.0. Gerade im Maschinenbau, der Kunststoff- und Elektronikindustrie »werden einerseits viele Ressourcen verbraucht, andererseits sind die ausgewählten Branchen bei Industrie 4.0 besonders weit«, so Bogdanov.

Die größten Chancen liegen in der intelligenten Datenerfassung und –verknüpfung, sowie der Verknüpfung smarter Sensorik und intelligenter Steuerungskonzepte, mit der Energieverbräuche gesenkt, Materialqualität und –menge sowie die Rohstoffqualität optimiert werden können.

Anhand von zehn Fallbeispielen haben die Forscher »Fortgeschrittene, Experten und Vorreiter in Sachen Industrie 4.0 identifiziert, deren Maßnahmen analysiert und die Auswirkungen auf die Ressourceneffizienz herausgearbeitet«, berichtet Bogdanov.

Best Practices
Die Studie stellt Best-Practice-Beispiele aus verschieden Digitalisierungsstufen vor. Quelle: »Ressourceneffizienz durch Industrie 4.0 – Potenziale für KMU des verarbeitenden Gewerbes«
© VDI ZRE/ Fraunhofer IPA

Zu den Best-Practice- Beispielen gehört z.B. der Druckluftsystemhersteller Mader, der durch intelligentes Druckluftmanagement, basierend auf Echtzeitdaten, seinen Kunden einen transparenten Einblick per App in deren Druckluftanlagen ermöglicht. Mader steigert damit nicht nur die Produktivität, sondern auch die Ressourceneffizienz. »Wir stellten zum Beispiel fest, dass solche Informationen viele Verschwendungen zunächst einmal aufdecken und eine sehr gute Basis bilden, um die Ressourceneffizienz zu steigern«, bestätigt Bogdanov. In einem anschließenden Workshop mit der Industrie und der Fachtagung wurden die Erkenntnisse weiter diskutiert und vertieft.

Industrie 4.0 ist bei KMU zwar bekannt, aber noch nicht ausreichend verbreitet, weiß Bogdanov: »Viele Unternehmen verfügen nicht über die nötigen IT-Standards, haben ein Informationsdefizit oder keine Investitionssicherheit«. Die Politik könne die Verbreitung mit der Förderung des Breitbandausbaus und der Schaffung von Informationssicherheit unterstützen.

Bislang erheben die Unternehmen auch kaum Daten über den Verbrauch ihrer Industrie 4.0-Technologien. Bogdanov kritisiert: »Da keine Informationen über die Aufwände vorliegen, lässt sich auch der Nutzen nicht bilanzieren«.

»Digitalisierung muss immer aus dem eigenen Bedarf heraus kommen. Es bringt nichts, blind in Digitalisierungsmaßnahmen zu investieren, ohne die Effekte auf die Ressourcen kalkuliert zu haben«, schließt der Wissenschaftler.


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