Oliver Konz, Würth Group

»Ich will alles auf Leiterplatte liefern, nur keine Halbleiter«

28. Februar 2020, 09:41 Uhr   |  Engelbert Hopf


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Umgang mit dem Thema Downsizing

Mit dem Thema Allokation eng verbunden ist das Thema Downsizing. Sie thematisieren das aktuell auch in Ihrer Werbekampagne. Wie gehen Sie mit dem Thema Downsizing um?

Zuerst einmal muss man festhalten, dass dieses Thema massiv von den japanischen Herstellern getrieben wurde und wird. Sie konzentrieren sich dabei vor allem auf den MLCC-Markt. Den Bereich der Induktivitäten betrifft das bislang weniger, da konnten wir bisher sehr gut gegenhalten. Wir argumentieren, dass Downsizing aus unserer Sicht technisch oft nicht notwendig ist. Und mit einer Lieferperspektive von zehn Jahren sorgen wir langfristig für Versorgungssicherheit bei den Kunden, wenn sie sich dafür entscheiden, weiter Baugrößen von 0603, 0805 oder größer einzusetzen.

Was bewegt Sie dazu, hier so offensiv gegenzuhalten?

Produkte haben einen Lebenszyklus. Und der sieht in der Konsumelektronik etwas anders aus als in den Bereichen Industrie und Automotive. Wir bestreiten nicht, dass Downsizing im Consumer-Elektronikbereich durchaus eine Notwendigkeit ist. Aber im Bereich Industrieelektronik und Automotive ist es unser Anspruch, mit Ausnahme der Halbleiter alles auf der Leiterplatte zu liefern. Wenn dies unser Geschäftsmodell ist, dann muss ich auch über die entsprechenden Konzepte verfügen, um dem Kunden Versorgungssicherheit garantieren zu können. Man könnte sagen, wir verkaufen Produkte mit eingebautem Obsolescence Management. Das schmeckt nicht jedem in der Branche. Immer wieder tauchen Fake Mails auf, wir würden irgendwelche Produkte abkündigen. Natürlich tun wir das nicht, wir stehen zu unserem Service-Konzept und schärfen es weiter.

In den letzten Jahren haben Sie das Wachstum von Würth Elektronik eiSos durch Akquisitionen, die Eröffnung neuer Entwicklungs- und Designzentren sowie neuer Lager vorangetrieben. Täuscht der Eindruck, dass diese Dynamik etwas nachgelassen hat?

Wir sind zu dem Schluss gekommen, unsere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten weiterhin vor allem auf den Standort Deutschland zu konzentrieren. Darum haben wir in Freiham bei München eine Fläche von 5000 m2 erworben und werden dort mit einer Investition von 50 Millionen Euro ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum errichten. Der erste Spatenstich erfolgt noch in diesem Jahr. Bezugsfertig wird der neue Standort spätestens 2021/22 sein. Dort haben wir dann genügend Platz für 250 bis 300 Mitarbeiter. In Garching beschäftigen wir aktuell rund 100 Mitarbeiter. In Abhängigkeit von der globalen Wirtschaftsentwicklung haben wir die Möglichkeit, den Standort in Freiham auf dem angrenzenden 5000-m2-Grundstück noch einmal zu doppeln.

Donald Trump hat gerade sein Impeachment-Verfahren überstanden und strebt eine zweite Amtszeit an. Wird er sich in einer möglichen zweiten Amtszeit anstelle von China verstärkt Europa zuwenden? Wie ist Ihre Einschätzung dazu?

Ich gehe davon aus, dass er die Bemühungen, die seiner „America First“-Kampagne zugrunde lagen, weiter fortgeführt. Ich gehe nicht davon aus, dass die Veränderungen, die sich die letzten Jahre am Weltmarkt vollzogen haben, rückgängig gemacht werden. Man muss einfach auch zugegeben, dass wir Europäer vom internationalen Freihandel einer globalisierten Welt stark profitiert haben. Durch die EU hatten wir Zugriff auf sehr unterschiedliche Lohnniveaus am Fertigungsstandort Europa. Die Frage ist, ob wir unser wirtschaftliches Schicksal weiterhin vor allem mit den USA verbinden oder ob die asiatischen Märkte für die europäische Wirtschaft nicht groß genug wären, um die Belange des US-Markts in den Hintergrund rücken zu lassen.

Hatten die Handelskonflikte der letzten Jahre Auswirkungen auf die Umsatzverteilung der Würth Elektronik eiSos?

Eigentlich ist genau das Gegenteil eingetreten. Unsere Umsätze in den USA haben sich stabilisiert, ja sogar erhöht. Aktuell entfällt nach wie vor ein Umsatzanteil von über 50 Prozent auf Europa. Auf die USA und Asien entfallen jeweils etwa 25 Prozent. Etwa 80 Prozent unseres Umsatzes steuert die Industrieelektronik bei, 20 Prozent Automotive. Für 2020 streben wir eine Umsatzsteigerung im Bauelementebereich auf über 900 Millionen Euro an.

Themenwechsel: Sie haben sich sehr früh in der Formel E als Sponsor engagiert. Zahlt sich dieses Engagement für Sie aus? Welchen Nutzen ziehen Sie aus diesem Sponsoring?

Wir waren Pioniere in diesem Bereich. Wir waren der erste Sponsor bei ABT. Wir waren nicht nur Sponsor, sondern auch Berater bei ABTs Einstieg in die Formel E. Wir haben es zusammen beispielsweise geschafft, das Gewicht der Bordbatterie von 24 auf 2 kg zu reduzieren. Auch die optimierte Kühlung der Leistungselektronik entspringt dieser Zusammenarbeit. Mit dem Erfolg kam dann Audi mit ins Boot. Viel von dem, was Audi in seinem E-Tron-Konzept umsetzt, basiert auf den Erfahrungen aus der Formel E. Inzwischen ist auch ein anderer deutscher Rennstall auf uns zugekommen, aber wir sind bei Audi geblieben.

Rennen in einer Stadt zu fahren eröffnet ganz neue Möglichkeiten gegenüber dem klassischen Rennbetrieb der Formel 1. Uns bietet das Sponsorship die Möglichkeit, international Kunden mit einem technisch anspruchsvollen Thema anzusprechen. In der Formel E gewinnt man eher mit Köpfchen als mit schierer Muskelkraft. Das gefällt mir!

Planen Sie 2020 weitere Akquisitionen oder den Einstieg in neue Produktsegmente?

Wir werden auch in Zukunft weder Relais noch Optokoppler anbieten. Bei allen anderen Produktgruppen sind wir für zukünftige Übernahmen oder Partnerschaften offen. Wir wollen dabei in Zukunft Japan stärker in unseren Fokus nehmen. Das Handelsabkommen mit Japan sollte uns die Möglichkeiten verschaffen, da in Zukunft mehr zu machen.

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