Intelligenter Brandschutz

KI erstickt Feuer schon im Keim

19. Mai 2021, 15:12 Uhr   |  Heinz Arnold

KI erstickt Feuer schon im Keim
© Guardian Technology

Das KI-basierte Löschsystem von Guardian Technology in Aktion.

Der Allgäuer Start-up Guardian Technologies bringt KI in den Brandschutz. Das Feuer kann erkannt und gelöscht werden, bevor es größeren Schaden anrichtet.


Feuer erkennen und löschen – was Menschen nach kurzer Zeit beherrschen, fällt Maschinen bis heute sehr schwer. Bis ein Rauchmelder einen Brand erkannt hat, steht oft schon der halbe Raum in Flammen. Systeme, die Hitze erkennen, springen erst bei relativ hohen Temperaturen an. Dabei könnte ein intelligentes System Feuer bereits im Keim ersticken, so wie es auch ein Mensch kann.

»Im Kern muss ein Computer in der Lage sein, ein Feuer zu sehen, so wie wir auch«, erklärt Stanislav Malorodov von Guardian Technologies. Dafür brauche es eine Kamera und eine Software, die eine Flamme oder Glut erkennen kann. »Dann ist das Löschen Formsache, weil ein solches System den Brand im Raum genau lokalisieren und einfach mit einem entsprechenden Mittel ersticken kann«, ergänzt Jack Bolz-Mendel.

Das würde Geld sparen und Menschenleben retten. Die Ausgaben der deutschen Versicherer für Feuerschäden steigt konstant an. Zuletzt wurden 1,2 Mrd. Euro im Jahr ausgeschüttet. Über 6.000 Menschen wurden durch Feuer und Rauch verletzt.

Digitale Branderkennung

Doch wie kann ein Computer zuverlässig die verschiedenen Formen von Feuer erkennen? »Wir verwenden dafür einen eigenen Sensor, der im Nahinfrarotbereich arbeitet und der den gesamten Raum hochauflösend abdeckt«, erklärt Bolz-Mendel. Das Bild, das dieser Sensor liefert, gleicht ungefähr dem einer Wärmebildkamera, ist allerdings viel präziser. »Außerdem ist die Technologie günstiger«, so Malorodov. Sobald ein Feuer entsteht, taucht es auf dem Bild klar auf und kann gelöscht werden.

»Zunächst muss die KI verifizieren, ob es sich dabei wirklich um einen Brand handelt – und nicht um eine Täuschung oder ein Teelicht – und dafür muss es trainiert werden«, beschreibt Bolz-Mendel den Prozess. Wie jede künstliche Intelligenz lernt das System anhand diverser Parameter, um welche Art von Brand es sich handelt. »Dabei können natürlich auch Regeln festgelegt werden«, erklären die Gründer. In einem Labor beispielsweise kann das System rigoros jedes Feuer erkennen und löschen – in den eigenen vier Wänden soll der Kamin aber trotzdem weiter brennen dürfen.

Bald in Serienreife

Das System wurde über vier Jahre entwickelt und hat die Prototypenphase bereits verlassen. »Wir bereiten jetzt die Finalisierung des Systems und die Zulassung als Sonderlöschanlage vor und werden diese auch erfolgreich bestehen«, so die Gründer. Außerdem bestehe reges Interesse von klassischen Brandschutz-Herstellern. »Es wird nicht mehr lange dauern, bis sicherer Brandschutz durch KI für jeden Menschen erhältlich und erschwinglich sein wird«, versprechen Bolz-Mendel und Stanislav Malorodov.

Die größte Stärke des Systems wird im Bestandsschutz sein, um hier Mängel einfach, schnell und vergleichsweise kostengünstig beseitigen zu können und nachhaltig Kosten zu senken. Erste Projekte seien wohl schon in wenigen Monaten umsetzbar, so die Gründer.

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