Bosch investiert in KI

»Prozessoren für E-Autos wandeln sich grundlegend!«

22. Februar 2021, 09:40 Uhr   |  Heinz Arnold

»Prozessoren für E-Autos wandeln sich grundlegend!«
© Recogni

Bosch investiert in die KI-Inferenzplattform von Startup Recogni, um die Entwicklung von ADAS zu beschleunigen und die Leistungsaufnahme drastisch zu reduzieren.

Recogni entwickelt eine KI-gestützte Inferenzplattform für autonome Fahrzeuge und ADAS-Anwendungen (Advanced Driver-Assistance Systems). Der energieeffiziente Prozessor und die Software zur visuellen Erkennung ermöglichen Echtzeit-Verarbeitung der Bildströme mehrerer hochauflösender Kameras gleichzeitig. Damit soll das System in die Lage versetzt werden, Objekte während des Fahrens in Echtzeit zu erkennen – bei vergleichsweise geringer Leistungsaufnahme.

Energieeffizienz ist im ADAS-Umfeld das entscheidende Kriterium: Denn die derzeitigen Computersysteme in Autos benötigen sehr viel Strom – was die Reichweite von Elektroautos drastisch reduzieren kann. Das will die 2017 im Silicon Valley gegründete Recogni ändern: Die Stromaufnahme soll durch eine geschickte Kombination aus KI, ASICs und Systemsoftware deutlich reduziert werden.

RK Anand, Chief Executive Officer von Recogni, hat sich nichts weniger vorgenommen als »das weltweit leistungsstärkste KI-Inferenzsystem mit dem geringsten Energieverbrauch zu entwickeln.«

Das Modul von Recogni besteht aus passiv gekühlten Bildsensoren, einem externen Sensor und dem Herz des Systems, dem Inferenz-Chip mit integriertem Seicher. Bei einer Rechenleistung von 1000 TOPS (Tera Operations pro Sekunde) nimmt der Inferenzchips 8 W auf. Das sei laut Recogni um zwei Größenordnungen besser als alles, was derzeit auf dem Markt erhältlich wäre. Das Modul kann bis zu drei unkomprimierte Datenströme mit jeweils 8 bis 12 MPixel bei 60 Frames pro Sekunde analysieren und in typischen Bilderkennungssituationen eine Recheneffizienz von 70 Prozent erzielen.

Im Rahmen des Benchmark ResNet 50 kommt das Modul auf 92.106 Bildklassifikationen pro Sekunde, bei RetinaNet-101-800 erreicht es 1.750 Interferenzen pro Sekunde und auf R(2+1)D erkennt es 833 Personen. Das Modul ist zwar noch nicht in der Stückzahlproduktion, laut Anand wurden aber bereits Proof of Concept mit mehreren Automotive-Kunden durchgeführt. Der Trick besteht darin, dass der Inferenz-Chip direkt am CMOS-Bildsensor sitzt – also am Edge – und damit die zentralen Recheneinheiten entlastet.

Dass die Firma das Potenzial hat, seine Ziele zu erreichen, davon ist Ingo Ramesohl, Geschäftsführer von Robert Bosch Venture Capital GmbH (RBVC), überzeugt: »Die außergewöhnlich hohe Leistungseffizienz von Recognis Lösung hat das Potenzial, die aktuelle Prozessor-Landschaft für automatisiertes Fahren grundlegend zu verändern.« Die KI-gestützte Inferenzplattform, die das Unternehmen entwickelt, könne den Einzug von ADAS-Funktionalitäten in E-Autos und das autonome Fahren beschleunigen.

Deshalb beteiligt sich RBVC an der neuen Finanzierungsrunde, über die Recogni unter Führung von WRVI Capital 48,9 Millionen Dollar erhält. Weitere neue und bestehende Investoren sind der Mayfield Fund, Continental, Toyota AI Ventures, BMW iVentures, FluxUnit und DNS Capital. Die A-Finanzierungsrunde im Juli 2019 hatte Recogni 25 Mio. Dollar gebracht.

Dass der Startup innerhalb relativ kurzer Zeit einen hohen Betrag an Investorengeldern einsammeln konnte, ist zu einem guten Teil der Tatsache zu verdanken, dass viele Mitarbeiter von Recogni in der Szene bekannt sind und bei renommierten Unternehmen wie Intel/Mobileye Juniper Networks, Kumu Networks, Sun Microsystems, Silicon Graphics, Xsigo Systems, NavVis und Cisco an Entwicklungen beteiligt waren.

Laut Research and Markets wird die Größe des globalen ADAS-Marktes von 27 Milliarden Dollar im Jahr 2020 auf 83 Milliarden Dollar im Jahr 2030 wachsen. Recogni hat die Chance, mit seiner kamerabasierten Sensordatenverarbeitung an diesem Wachstum zu partizipieren: von der Unterstützung von Sicherheitsfunktionen bis hin zum autonomen Fahren.

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