Es ist Zeit für digitale Transformation

Warum Unternehmen gerade jetzt digitaler werden sollten

25. August 2020, 18:52 Uhr   |  Christian Banse

Warum Unternehmen gerade jetzt digitaler werden sollten
© Fraunhofer CCIT

Christian Banse, Fraunhofer CCIT: »Die aktuelle Situation hat das Potential, unsere Gesellschaft in eine nachhaltige, digitale und „kognitive“ Zukunft zu bringen.«

Die Coronavirus-Krise hat viele Unternehmen zu einer Hauruck-Digitalisierung gezwungen. Diesen Schwung gilt es, beizubehalten und zugleich zu systematisieren. Aber wie sollten sie dabei vorgehen, um den größtmöglichen Effekt zu erzielen?

In diesen Tagen zeigt sich, dass die deutsche Wirtschaft nach der Coronavirus-Krise nicht mehr dieselbe sein wird. Viele Betriebe haben sich in den letzten Wochen und Monaten unter Druck selbst „digitalisiert“ - oft mit Erfolg, wie unter anderem der meist reibungslose Wechsel zu virtuellen Kommunikations-Tools zeigt. Sehr wahrscheinlich wurden aber aus dem ersten Impuls heraus auch Entscheidungen getroffen, deren langfristige Folgen erst noch in Ruhe bewertet werden müssen.

Digitaler Nachholbedarf in Europa

Insgesamt hat sich gezeigt, dass Deutschland und die globale Ökonomie nach wie vor noch unzureichend in Sachen Digitalisierung aufgestellt sind. Die nötige Infrastruktur oder Dienste wie Kollaborations-Tools waren zunächst vielerorts gar nicht vorhanden und mussten eilig beschafft werden. Gleichzeitig waren selbst große Anbieter wie Microsoft dem Ansturm auf ihre Tools nicht gewachsen. Die gewählten Produkte kommen größtenteils aus den USA und wurden eingesetzt, ohne sich weitreichende Gedanken über deren Einsatzzweck und Einsatzlimitationen zu machen. Einige Anbieter standen wegen schlechter Sicherheitspraktiken und fragwürdiger Datenschutzbedingungen vermehrt in der Kritik. Eine ernstzunehmende Konkurrenz aus Deutschland oder Europa sucht man bisher leider vergeblich.

Viele Unternehmen und Betriebe haben in den letzten Wochen die Grundlagen geschaffen, gestärkt in eine digitalisierte Zukunft zu gehen. Die flächendeckende Einführung von Homeoffice, auch in Bereichen der Verwaltung, sowie die Digitalisierung bisher auf Papier beruhender Dienste hat enormes Effizienzpotenzial. Es gilt nun, dieses Potenzial zu nutzen, den „digitalen Schwung“ mitzunehmen und konkret zu identifizieren, welche Mehrwerte sich auf den jetzt gelegten Grundlagen erzeugen lassen. Mit den von Politik, Wirtschaft und Forschung angestoßenen Initiativen wie etwa GAIA-X und den International Data Spaces sind entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen worden. Diese gilt es nun zu nutzen und weiter auszubauen.

Datensouveränität auch in der Cloud

Datensouveränität und moderne Cloud-Infrastrukturen sind dabei kein Widerspruch. Es gilt vielmehr, konsequent auf intelligente Plattform-Lösungen zu setzen, die mittels Confidential Computing, standardisierter APIs oder Provider-unabhängiger Open-Source-Techniken wie Kubernetes ebenfalls für digitale Souveränität und semantische Interoperabilität auf Public-Cloud-Infrastrukturen sorgen können. Nur so lässt sich sicherstellen, dass diese Infrastrukturen eine solide Basis für eine sichere Datenwertschöpfungskette bilden.

Denn diese Plattformen sowie die daran angebundene Sensorik und mehrwertige KI-Anwendungen werden das kognitive Internet der Zukunft bilden. In der datenzentrierten Welt können die Eigentümer der Daten selbst bestimmen, mit wem sie diese austauschen sowie zu welchen Zwecken und unter welchen Bedingungen die Daten nutzbar sind. Mit Hilfe kognitiver Internet-Techniken wird es möglich sein, unabhängig vom Einsatzort in Edge, IoT oder Cloud, Nutzungsbedingungen schon bei der Entstehung der Daten in der Sensorik mit an die Daten zu heften und diese Verarbeitungsrichtlinien in der gesamten Wertschöpfungskette – auch über Unternehmensgrenzen hinweg – durchzusetzen. Dies ermöglicht Unternehmen die Wahrnehmung ihrer digitalen Souveränität und versetzt sie gleichzeitig in die Lage, sicher und einfach Dienste und Daten mit anderen Unternehmen in einem digitalen Ecosystem zu teilen.

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2. Strategisch nachjustieren

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