5G-Standardisierung: »Nichts überstürzen, sondern simulieren und testen«

Nach den vielen 5G-Produktankündigungen und Technologie-Demonstrationen sowie der Veröffentlichung der ersten 5G-Spezifikationen durch die 3GPP warnt der Messtechnik-Hersteller Keysight davor, den Normungsprozess ähnlich wie bei 3G und 4G ohne Not übermäßig zu beschleunigen.

Kalyan Sundhar, Keysight: »Die Schaffung einer realistischen Testumgebung könnte die Lücke zwischen den Standards schließen, ohne die Komplexität zu schaffen, die wir bei 3G und 4G gesehen haben.« Bildquelle: © Keysight

Kalyan Sundhar, Keysight: »Die Schaffung einer realistischen Testumgebung könnte die Lücke zwischen den Standards schließen, ohne die Komplexität zu schaffen, die wir bei 3G und 4G gesehen haben.«

Eine Verlangsamung und Zeitverzögerung würde nach Ansicht von Keysight zu einem tragfähigeren Standard führen – und letztendlich zu besseren, nachhaltigeren Produkten, die den Verbrauchern wirklich ein ganz neues Erlebnis bieten.

»Trotz der erfolgreichen Demonstrationen von Carriern und Herstellern mobiler Geräte ist der 5G-Standardisierungsprozess noch längst nicht abgeschlossen«, erklärt Kalyan Sundhar, Vice President for Mobility, Virtualization and Applications Products bei Keysight Technologies. »Die Dezember-Ankündigung der 3GPP enthält Spezifikationen für die Verbindung zwischen Funkmast und Gerät, während die Spezifikationen für die Netzwerkdienste – also für die Technologie, die IoT, automatisiertes Fahren, Augmented Reality und weitere Anwendungen überhaupt erst ermöglicht – noch nicht fertig gestellt sind. Die aktuellen Prognosen deuten auf einen Veröffentlichungstermin im Juni hin.«

Die Lehren aus 3G und 4G berücksichtigen

Mit der Warnung vor übereilten Standardisierungsprozessen erinnert Keysight an die Erfahrungen der Branche mit der Normung von 3G und 4G. Überstürzte Prozesse hätten hier erhebliche Komplexität und Ineffizienzen geschaffen. 3G konzentrierte sich auf Sprache, ohne jedoch die unvermeidliche Explosion der Mobilfunkdaten zu berücksichtigen. Die ursprünglichen 3G-Standards R99 und R4 basierten auf ATM-Transport, und erst R5 wurde auf IP umgestellt. Dieser Übergang erforderte eine engere Interaktion mit höheren Ebenen, was zu Timing-Problemen führte. Gleichzeitig verursachten proprietäre Protokolle wie NBAP und RRC, die zwischen dem Endgerät und der Basisstation liegen, erhebliche Interoperabilitätsprobleme zwischen verschiedenen Netzelementen, was wiederum das Routing weiter erschwerte und enorme Ineffizienzen verursachte. 

»Eine Beschleunigung der Standardisierung von 5G würde ein ähnliches Maß an Komplexität schaffen, das sich lediglich auf andere Weise manifestiert«, gibt Sundhar zu bedenken. »Dabei muss eine Verlangsamung des Standardisierungsprozesses die große Dynamik von 5G überhaupt nicht einschränken. Die Schaffung einer realistischen Umgebung für Tests könnte die Lücke zwischen den Standards schließen, ohne die Komplexität zu schaffen, die wir bei 3G und 4G gesehen haben.«

Die im Dezember 2017 vereinbarten Normen beinhalten die Wiederverwendung der existierenden 4G-Infrastruktur und fokussieren auf Bereiche, in denen Änderungen nötige sind, um größere Bandbreiten und Anwendungen mit geringer Latenz zu bewältigen. Dies ermöglicht allen Marktteilnehmern einen schrittweisen Ansatz beim Einsatz von 5G und erlaubt es den Gremien, sich angemessene Zeit für die Entwicklung der restlichen Standards zu nehmen, ohne die Entwicklung von 5G zu behindern.