Große IoT-Sensor-Mesh-Netzwerke: »Die Zukunft gehört den batteriebetriebenen Sensornetzwerken«

Das Wireless-Protokoll „NeoMesh“ des dänischen Unternehmens NeoCortec basiert auf dem bewährten Mesh-Protokoll und verspricht eine einfache Integration neuer Netzwerkknoten, um so den Aufbau großer, autonomer und dynamischer IoT-Netzwerke zu ermöglichen.

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Thomas Steen Halkier, NeoCortec: »In einem Low-Power-Mesh-Netzwerk müssen alle Komponenten Low Power sein. Bei uns funktioniert das, weil alle Nodes in unserem Netzwerk dezentral sind und Router-Funktionalität haben. Und erst das ist echtes Low Power.«

Markt&Technik: Zur electronica 2014 haben Sie Ihre NeoMesh-Technologie erstmals vorgestellt. Damals erlebte die Idee der Mesh-Netzwerke einen wahren Hype und Ihre Lösung schien zunächst eine von vielen zu sein. Dennoch erregte vor allem die Skalierbarkeit auf bis zu 64.000 Knoten Aufmerksamkeit. Wie hat der Markt Ihre Lösung aufgenommen?

Thomas Steen Halkier: Im Großen und Ganzen wie erwartet. Im Bereich Wireless-Sensor-Konnektivität gibt es viele verschiedene Lösungen. Jede hat ihre Vorteile, und da muss man sehr präzise seine eigenen Stärken hervorheben und auch viel technisches Wissen vermitteln. Wir haben es hier mit neuen Technologien zu tun, und wir sehen eine wichtige Aufgabe darin, zu vermitteln, was der Entwickler eigentlich wissen muss, um sich für die beste Technologie in seiner spezifischen Anwendung zu entscheiden. Die Kunden kommen oft aus Bereichen, in denen sie sich nie zuvor mit der Frage nach Funktechnologien beschäftigen mussten. Beispiele aus dem Katastrophenschutz, dem Gebäude-, Kirchen- oder auch Wald-Monitoring oder dem Smart Farming fallen mir ein. Besonders wichtig für uns sind Partnerschaften. Beispielsweise hat Schildknecht, ein deutscher Spezialist für Industriefunk, sein Produktprogramm mit einem Sensor-Gateway für NeoMesh erweitert, und unserer südafrikanischer Partner CST Electronics hat sein eigenes Sensor-to-Cloud-System „IoT Core“ entwickelt. Wichtig ist aber auch der Vertrieb. Aktuell wird unser Portfolio über Unitronic vertrieben, und in Kürze wird RS Components als Vertriebspartner hinzukommen.

Warum gibt es eigentlich so viele verschiedene Mesh-Technologien?

Es gibt einfach nicht die perfekte Lösung für alle Anwendungen. Applikationsspezifisch können ganz unterschiedliche Ansätze sinnvoll sein.

Alle werben mit den gleichen Schlagworten und Argumenten. Was macht Ihre Lösung so besonders? Wodurch unterscheidet sie sich gegenüber dem Mitbewerb?

NeoMesh ist dynamisch, das heißt: Nodes in einem Netzwerk können die Position ändern und trotzdem finden die Daten ihren Weg vom Sensor zum Gateway – ganz automatisch. Dazu kommt die Skalierbarkeit: Ein Netzwerk kann mit wenig Aufwand auf bis zu 64.000 Nodes ausgebaut werden – neue Nodes binden sich automatisch in das Netzwerk ein. Damit wird dem Entwickler das Etablieren der Konnektivität überaus leicht gemacht. Ein weiterer wichtiger Unterschied zu anderen Technologien: Unsere Lösung ist ein ECHTES Low-Power-Netzwerk. Ich weiß, das behaupten alle, aber tatsächlich gibt es meist einen Haken: In einem Low-Power-Mesh-Netzwerk müssen alle Komponenten Low Power sein. Bei unseren Mitbewerbern müssen allerdings immer einige zentrale Nodes „on“ sein, weil sie eine spezifische Router-Funktionalität haben – und das wiederum ist nicht Low Power. Bei uns funktioniert das aber, weil alle Nodes in unserem Netzwerk dezentral sind und Router-Funktionalität haben. Und erst das ist echtes Low Power.

Wo liegt der Trade-off? Anders gefragt: Welche Nachteile birgt Ihre Technologie?

NeoMesh eignet sich nicht für hohe Datenraten und für Anwendungen, in denen es auf kurze Latenzzeiten ankommt, beispielsweise in Smart-Lighting-Applikationen.

Hat sich die Technologie, das Protokoll so durchgesetzt, wie Sie sich das vorgestellt haben?

Ja und nein. In den skandinavischen Ländern sehen wir viel Interesse, unter anderem bei Ingenieurbüros. Der Grund dafür: Mit NeoMesh ist das Netzwerk und die Kommunikation schnell und relativ einfach aufgebaut. Das bedeutet, dass die Entwickler nur wenig Zeit brauchen, um die Infrastruktur zu etablieren. Sie können sich stattdessen ganz auf die Applikation konzentrieren. Das erleichtert den Ingenieurbüros die Kalkulation: Der Zeitaufwand für die Konnektivität wird überschaubar und lässt sich recht genau kalkulieren.

Auf der anderen Seite: Wir arbeiten gezielt daran, deutsche Unternehmen und insbesondere Ingenieurbüros anzusprechen, weil es unserer Meinung nach in Deutschland ein großes Potenzial gibt. Viele deutsche Entwickler sind auch an unserer Technologie interessiert und sehen die Vorteile. Aber es scheint, als ob man in Deutschland generell ein bisschen langsamer und vorsichtiger an das Konzept Wireless IoT-Sensor-Networks herangeht. Daher setzen wir darauf, weiterhin unsere deutschen Interessenten über wichtige Aspekte der Wireless-Technologie zu informieren, unter anderem durch Whitepapers, die sich gezielt mit relevanten Themen wie etwa Stromverbrauch und Zuverlässigkeit befassen.

Welche Hürden galt es zu überwinden?

Das vielerorts noch fehlende Wissen. Wir machen jetzt eine ganze Reihe von „Instructional Videos“ und machen es damit den Entwicklern leicht, ein NeoMesh-Sensor-Netzwerk zu bauen und unsere Technologie so effizient wie möglich zu nutzen. Zudem nehmen wir an Messen und Konferenzen teil, um Wissen über NeoMesh zu vermitteln.

Mussten Sie Anpassungen am ursprünglichen Konzept machen?

Nein, grundlegend ist unsere Technologie richtig. Daran wird sich nichts ändern.

Welche Aussichten bietet die Technologie für die Zukunft?

Die Zukunft gehört den batteriebetriebenen Sensornetzwerken. Da sind wir uns sicher. Im Vergleich zu Netzwerken mit Netzstromversorgung hat Batteriebetrieb signifikante Vorteile. Ein dänischer IoT-Experte erklärt das so: „Ein Haupttreiber des IoT sind die niedrigen Kosten. Ich denke, dass der groß angelegte Rollout von IoT durch kostengünstige Geräte, kostengünstige Plattformen und kostengünstige Konnektivitätslösungen ermöglicht wird. Ein netzbetriebenes Gerät erfordert eine In­stal­lation, und wenn man ein durchschnittliches Gehalt in Europa betrachtet, liegt es bei etwa 20 Euro pro Stunde. Dieser Betrag wird schnell vergleichbar mit den Gerätekosten selbst. Außerdem müssen Sie Kabel ausrollen, den Netzstrom in verschiedenen Situationen installieren und alle diese Geräte anschließen. Ihre Kosten werden also schnell steigen, auch weil die Elektronik, die das Gerät selbst versorgt, ebenfalls teuer ist. Meiner Meinung nach unterstützt das gesamte Low-Cost-Paradigma des IoT die drahtlose, batteriebetriebene Konnektivität.“

Welches Potenzial steckt für Ihr Unternehmen darin? Anders gefragt: Wo sehen Sie NeoCortec in fünf Jahren?

Wir sind sicher, dass NeoMesh so viele technologische Vorteile bringt, dass wir uns in den kommenden Jahren noch mehr konsolidieren werden, auf unseren wichtigsten Märkten in Europa und Südafrika.