Interview mit Turck Duotec: »Wir müssen antizipieren, was der Kunde in Zukunft braucht«

Fortsetzung des Artikels von Teil 1.

Konkurrenz aus Asien

Spüren Sie Konkurrenz aus Asien?

Das ist ein Problem für viele europäische Unternehmen. In Asien gibt es eine starke staatliche Subventionierung, damit können die Asiaten Produkte zu extrem niedrigen Preisen anbieten. Und das zu immer besserer Qualität. Hier heißt es für uns, nah am Kunden und früh im Entwicklungsprozess involviert zu sein und innovative, vor allem aber maßgeschneiderte Lösungen anzubieten.

Turck Duotec ist Teil der Turck-Unternehmensgruppe. In einigen Bereichen überschneidet sich das Portfolio. Kommt es da nicht zu Konkurrenz?

Nein, im Gegenteil. Wir kooperieren sehr gut. Wir nutzen Synergien und sind damit in der Lage, dem Kunden die für ihn bestmögliche Lösung auszuarbeiten. Turck beispielsweise ist mit seinen Standardprodukten bei den Automobil-OEMs in der Fabrikautomation sehr gut unterwegs. Wenn es dann um spezialisiertere Lösungen im Fahrzeug selbst geht, nehmen die Kollegen uns mit ins Boot, sodass wir dem Kunden gemeinsam exakt die Lösung anbieten können, die für seine Applikation optimal passt.

Dennoch ist jedes Unternehmen ein eigenes Profit-Center …

Ja, aber immer mit dem Fokus auf die perfekte Gesamtlösung für den Kunden. Nichtsdestotrotz haben wir in den vergangenen Jahren viel über Schnittmengen nachgedacht und neue Kompetenzzentren gegründet, in denen alle Turck-Firmen mit ihren ganz eigenen Kernkompetenzen vertreten sind. Es geht um eine koordinierte Entwicklung und den intensiven Austausch über Technologien. In diesem Zusammenhang wird Wissensmanagement immer wichtiger. Wir sind noch mitten im Prozess, haben aber schon sehr gute Ansätze definiert.

Kommen wir zurück zur Sensorik. Welche Marktsegmente werden das Sensorik-Geschäft von Turck Duotec maßgeblich beeinflussen?

Eine sehr hohe – und weiterhin wachsende – Nachfrage erfahren wir aus dem Bereich der Mobilität. Der Dieselskandal, Hybrid- und Elektroantriebe, autonomes Fahren – all das erzeugt einen hohen Handlungsdruck für die Hersteller. Sie müssen sich zunehmend mit den Themen Sensorik und Leistungselektronik beschäftigen. Wie erwähnt fehlt aber oft das Experten-Know-how, was die Hersteller wiederum bei uns finden. Das hat übrigens auch deutliche Auswirkungen internationaler Ausprägung. Alle Player – so auch wir – müssen zunehmend global agieren, ihren internationalen Footprint ausbauen und die weltweiten Märkte lokal bedienen.

Wie gehen Sie das an?

Wir schauen uns die wachstumsträchtigsten Märkte an und positionieren uns dort lokal. So haben wir beispielsweise 2017 unsere Fertigung in Mexiko gestartet.

Welche Märkte neben der Automobilindustrie bergen in Sachen Sensorik weiteres Zukunftspotenzial für Turck Duotec?

Großen Bedarf sehen wir in der Medizintechnik, der Gebäudeautomation und in der Beleuchtungsindustrie, die sich ebenfalls zunehmend in Richtung Sensorik entwickeln wird. Auch künstliche Intelligenz wird ein spannendes Thema für uns. Europa und Deutschland sind in diesem Bereich durchaus sehr aktiv, man sieht es nur nicht sofort. Auch hier suchen Kunden bei uns Unterstützung bezüglich Sensorik und Embedded-Design. Gerade bei diesen Zukunftsthemen kommt es darauf an, vieles vorzudenken, zu antizipieren, was der Kunde in einigen Jahren brauchen wird, und ihm entsprechende Lösungen und den lokalen Support anzubieten.

Ihre Strategie für die Zukunft?

Wir wollen unsere Kunden in den Dingen unterstützen, die sie selber nicht können. Elek­tronik ist ein riesiger Blumenstrauß, man kann – fast – alles machen. Und wir könnten – fast – alles produzieren, aber wie gesagt: Es ist wichtig, sich zu fokussieren.