Interview mit Vision Engineering: »Wir haben den Nerv der Industrie getroffen«

Fortsetzung des Artikels von Teil 1.

Margen, Wachstum, Ziele - und ein völlig neuer Technologieansatz

Sind Sie mit den Margen zufrieden? Müssten Sie ja eigentlich, wenn Sie die einzigen mit der okularlosen Technologie sind…
In diesem Bereich sind wir in der Tat allein am Markt. Aber im klassischen optischen Stereomikroskop-Bereich und in der Messtechnik konkurrieren wir natürlich schon mit anderen. Aber auch hier wissen die Kunden die Vorteile unserer Geräte zu schätzen. In allen unseren Technologiebereichen gilt: Wir stehen zu unseren Produkten und zu unseren Preisen – und damit auch zu den Margen. 

Von welchem Marktsegment erwarten Sie weitere Wachstumsschübe?
Generell sehen wir derzeit eine leichte Stagnation im Markt. Das ist unter anderem der wirtschaftlichen und politischen Lage geschuldet. Nach zehn Jahren des Aufschwungs – von dem alle Märkte profitiert haben – befinden wir uns nun in einer Phase des Abwartens. Hier hilft uns unsere breitgefächerte Aufstellung und natürlich auch die neue Produktserie Deep Reality Viewer DRV – denn auch wenn einzelne Märkte aktuell schwächeln, zieht doch eines massiv an: die Digitalisierung. Die Kunden brauchen zunehmend die Vernetzung, um ihre Prozesse effizient zu gestalten. Das adressieren wir mit der neuen Plattform. 

Das DRV ist ein digitales, stereoskopisches 3D-Full-HD-Betrachtungssystem, in dem Sie die Vorteile der optischen, stereoskopischen und digitalen Technologien kombiniert haben. Welche Überlegungen haben zur Entwicklung des Systems geführt?
Wir haben uns die Frage gestellt, wo die Mikroskopie in Zukunft hingeht. Neben den Überlegungen zur detailreichen und hochaufgelösten Betrachtung der Prüflinge hatten wir dabei immer im Hinterkopf, dass Anwender im täglichen Job mit den Geräten komfortabel arbeiten können müssen. Darüber hinaus steigt natürlich auch die Forderung nach Vernetzung und Digitalisierung. All dieses Know-how haben wir bereits im Haus – wir brauchten es also nur noch zusammenzufügen. Entsprechend haben wir unsere Expertise aus dem Bereich der Stereomikroskopie – in Form unserer Lynx-EVO-Serie – mit der aus der digitalen Mikroskopie – der EVO-Cam-Serie – kombiniert und die Vorteile beider Systeme im neuen Produkt vereint. Daraus ist eine Produktserie entstanden, die hervorragende Stereo-3D-Bilder mit der Digitaltechnik verbindet.

Das ist erneut ein völlig neuer Technologieansatz. Mussten Sie viel Überzeugungsarbeit leisten?
Erst einmal ja. Von außen ist das Gerät kaum als Mikroskop erkennbar. Und auch die neue Technologie erschließt sich erst beim Hineinschauen. Dann allerdings kommt es immer zum „Wow-Effekt“. Wenn der Anwender erst einmal die gestochen scharfen 3D-Bilder vor sich auf dem Spiegel „schweben“ sieht, ist er überzeugt. Dann werden die Vorteile der neuen Technologie, in Verbindung mit einem extrem großen Sichtfeld auf Monitorgröße, sofort erkennbar.

Und um das Thema Ergonomie nochmal aufzugreifen: Mit dem neuen DRV erreichen wir hier ein nochmals höheres Level. Der Anwender kann entspannt in komfortabler Körperhaltung im für ihn angenehmen Abstand zum System sitzen. Nur wenn man sich frei bewegen kann, kann man Rücken- und Nackenschmerzen vorbeugen. Zudem wird die Hand-Augen-Koordination erleichtert, die für ein natürliches Arbeiten nötig ist. Ein weiterer Vorteil: Das Umgebungslicht fällt konstant in die Augen. Das heißt, die Pupillen müssen sich nicht öffnen und schließen wie beim Blickwechsel von der Laborumgebung in das Okular. Und Brillenträger profitieren davon, dass sie ihre Sehhilfen durchgängig tragen können.

Wer braucht ein solches Gerät? 
Jeder, der Wert auf 3D-Visualisierung ohne Einschränkungen legt und dabei nicht auf komfortables, ermüdungsfreies Arbeiten verzichten möchte. 

Werden Sie die bestehenden Produktserien weiterführen?
Definitiv ja. Denn jeder Kunde hat individuelle Anforderungen. Und wir haben dafür die passsende Lösung. Die neue Produktserie ist also kein Ersatz für die anderen Geräte. 

Welche Erwartungen knüpfen Sie an die Neuentwicklung?
Wir sind sicher, dass wir mit der neuen Plattform die aktuellen Marktbedürfnisse treffen. Im Zuge der Digitalisierung und Vernetzung wird es immer wichtiger, Bilder weltweit teilen zu können und sich damit ortsunabhängig zu machen. Kollegen in München und London könnten beispielsweise in Echtzeit mit zwei DRV-Systemen gleichzeitig die gleiche Komponente anschauen. Und das live und in Stereo-3D. Oder denken Sie an einen Reinraum – statt sich mehrfach an- und ausziehen zu müssen, könnte ein System im Reinraum stehen und eines im Forschungslabor. Der Markt ist also da, und ich denke, wir haben mit dem Deep Reality Viewer den Nerv der Industrie getroffen. 

Wie geht es nun weiter? Anders gefragt: Wie sieht Ihre Produkt-/Technologie-Roadmap aus?
Wir werden die DRV-Familie weiter ausbauen. Das erste Produkt ist der DRV-Z1. Im kommenden Jahr wird es eine Display-Version geben – eine Monitor-Variante, die auch externe Daten wie etwa Röntgen, CAD- und digitale Daten verarbeiten kann. 

Und Ihre Wachstumsziele für 2019?
Wir sind nicht auf schnelles Wachstum ausgelegt. Wir wachsen linear und organisch – und das ist unser erklärtes Ziel.