Kommunikation im Industrie-4.0-Shopfloor: Etappensieg für Hermes?

Der Hermes-Standard und seine Initiatoren haben mit der IPC-Anerkennung einen wichtigen Meilenstein für die Digitalisierung der Elektronikfertigung erreicht. Was heißt das für die Konkurrenz JARA?

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Die IPC hat den De-facto-Standard “Hermes” offiziell als nächste Generation des veralteten SMEMA-Standards, IPC-SMEMA-9851, anerkannt.

Hermes ist ab sofort IPC-HERMES-9852. Damit haben die Hermes-Gründer, die vorwiegend aus Europa stammen, auch einen entscheidenden Etappensieg im Wettbewerb um die Vorreiterrolle bei der M2M-Kommunikation im Shop-Floor gegenüber der japanischen Konkurrenz JARA errungen.

Die IPC (Association Connecting Electronics Industries) ist eine weltweite Handels- und Standardisierungsorganisation mit Sitz in den USA, die sich mit den Belangen der Elektronikfertigung befasst und dazu Industriestandards veröffentlicht. Die IPC-Standards gelten als Benchmark in der Elektronikindustrie; diese Tatsache dürfte auch dem Hermes-Protokoll Rückenwind verleihen.

The Hermes Standard wurde Anfang 2017 von führenden SMT-Maschinenbauern ins Leben gerufen, darunter ASM Assembly Systems, Rehm, Viscom und Asys. Er basiert auf einem Zusammenschluss von über 20 Maschinenbauern, vorwiegend aus Europa. Die Fertigungsindustrie setzte damit in Eigeninitiative um, was Standardisierungs-Vereinigungen jahrelang verschlafen haben: Sie hat den SMT-Shopfloor ins Indus­trie-4.0-Zeitalter gehoben. SMT-Fertigungslinien bestehen aus unterschiedlichen Anlagen – meist Druckern, Bestückungsmaschinen, Lötanlagen, Inspektionsgeräten und Transportbändern –, die oft von verschiedenen Herstellern stammen.

Produktionsinformationen und Kommunikationsprotokolle der verbundenen Maschinen sind bei jedem Hersteller unterschiedlich. Dieses Problem kann eine einheitliche Schnittstelle wie Hermes lösen. Der Hermes-Standard ist ein offenes, nicht proprietäres und herstellerunabhängiges Protokoll auf Basis von TCP/IP und XML für die Kommunikation zwischen Maschinen in SMT-Linien. Es bietet flexible Datenstrukturen für den nahtlosen Austausch aller wichtigen Arten von Leiterplatten-Daten wie Dimensionen und unterschiedlichen ID-Typen. Dadurch ist es möglich, jede zu montierende Leiterplatte zu verfolgen, ohne dass Barcodes oder andere ID-Tags an jeder Maschine wiederholt gelesen werden müssen.

Die Hermes-Initiatoren unterstrichen stets ausdrücklich, dass sich alle SMT-Maschinenbauer an Hermes beteiligen können, die Interesse an einer Mitarbeit haben. Schließlich brauche Industrie 4.0 Partnerschaften, erklärte Günther Lauber, CEO von ASM Assembly Systems. Allerdings sind weitreichende Kooperationen unter SMT-Maschinenbauern im hart umkämpften Wettbewerbsumfeld traditionell schwierig und der Hermes-Zusammenschluss europäischer Firmen markierte diesbezüglich schon einen Meilenstein.

Aber letztlich ist es nicht gelungen, die Kooperation auch auf die weltweit wichtigen japanischen SMT-Maschinenhersteller zu transferieren. Vorbehalte japanischer Firmen gegenüber Quasi-Standards aus anderen Regionen sind nicht nur aus der Elektronikfertigung bekannt. ASM Assembly Systems, Fuji Machine und Panasonic sind die führenden Bestückungsmaschinen-Hersteller und je nach Kontinent und Markterhebung hat einer der drei die Nase vorne. Es verwundert also im Grunde kaum, dass sich die japanischen Konkurrenten nicht mit ASM Assembly Systems auf ein einheitliches Protokoll verständigen konnten/wollten.