Fallstrick: Lötabfall

Zinnabfälle rechtssicher entsorgen

13. März 2018, 09:30 Uhr   |  Anja Zierler

Zinnabfälle rechtssicher entsorgen
© MTM NE-Metalle

Baugruppenfertiger sind so lange für ihre Zinnabfälle haftbar, bis diese ihre nach § 5 des Kreislaufwirtschaftsgesetzes (KrWG) geregelte Abfalleigenschaft verlieren.

In Deutschland sind Baugruppenfertiger für Abfälle bis zum Ende der Entsorgungskette haftbar. Umso wichtiger ist eine rechtssichere Abfallentsorgung.

Aus den Augen, aus dem Sinn: Dieses Sprichwort könnte bei der Entsorgung von Zinnabfällen für Baugruppenfertiger schnell zu juristischen Konsequenzen führen. Denn Abfallerzeuger sind laut Kreislaufwirtschaftsgesetz auch für ihre Lotabfälle haftbar, wenn ein Dritter diese unsachgemäß entsorgt. Erst wenn die Materialien ihre Abfalleigenschaft verlieren, erlischt diese Verpflichtung. Dem Neulot-Lieferanten die Altlote zukommen zu lassen birgt deshalb Rechtssicherheitsrisiken. 

Worauf sollten Baugruppenfertiger also beim Umgang mit Abfällen achten? »Wichtig ist, die Altlote sortenrein zu trennen, um eine hohe Rücklaufquote zu erreichen und den Abfall möglichst effektiv zu verwerten«, erklärt Dan Mutschler, Geschäftsführer von MTM NE-Metalle. Der Zulieferer von Loten arbeitet mit rund 300 Tonnen Lotabfällen im Jahr und ist nach eigener Aussagen damit europaweit der größte Dienstleister für Recycling von Altloten. »Zwar ist es möglich, einfach alle Lotabfälle zu mischen, aber das ist weder ökonomisch noch ökologisch vernünftig, weil es die Wiederaufbereitung deutlich erschwert.« 

Recyclingexperte MTM NE-Metalle

Abfallerzeuger sind laut Kreislaufwirtschaftsgesetz auch für ihre Lotabfälle haftbar, wenn ein Dritter diese unsachgemäß entsorgt.
Baugruppenfertiger müssen deshalb beim Umgang mit Abfällen beachten, die Altlote sortenrein zu trennen.  Zwar ist es möglich, einfach alle Lotabfälle zu mischen, aber das ist weder ökonomisch noch ökologisch vernünftig, weil es die Wiederaufbereitung
Dan Mutschler, Geschäftsführer von MTM NE-Metalle: »Viele selbst ernannte Entsorger bieten weder ausreichend abfallrechtliche Kenntnisse noch verfügen sie über Umwelthaftpflichten, geschweige denn über genügend Haftungskapital für den Schadensfall.«

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Um die unterschiedlichen mikrolegierten Lote mit Zusätzen wie Nickel, Germanium, Silber, Wismut und Phosphor sinnvoll zu trennen, sind metallurgische Fachkenntnisse nötig. Bei diesen Herausforderungen übernimmt MTM NE-Metalle die Materialanalyse mit Spektrometern und RFA-Geräten. Dadurch lassen sich die Lotabfälle richtig kategorisieren und entsprechende Recyclingvorgänge wählen. »Es ist nicht ungewöhnlich, dass wir durch unsere Materialanalyse dem Baugruppenfertiger Indizien für Verunreinigungen im Fertigungsprozess geben können, die dieser bis dahin so noch gar nicht erkannt hat«. 

Ein kaum durchschaubarer Dschungel

Aber auch der Transportweg spielt in der umweltfreundlichen Entsorgung von Loten eine wichtige Rolle. »Bei der Beauftragung eines Dritten muss der Baugruppenfertiger die regionalen, nationalen und – sollte es sich um einen Anbieter aus dem Ausland handeln – die internationalen Statuten zu Rate ziehen«, so Mutschler. »Das ist ein gewaltiger Dschungel an logistischen und gesetzlichen Problemen, der für Ungeübte kaum zu durchschauen ist.«

Weil Lotabfälle außerdem teilweise gefährliche Stoffe enthalten, ist die Transportsicherheit auf dem Weg besonders wichtig. Sollte es zu einem Transportschaden kommen, können die Abfälle aus einfachen Verpackungen, wie Kartonagen, austreten und die Umwelt verschmutzen. Um das Altlot von der Erzeugung bis zur finalen Aufbereitungsstätte rechtssicher und gefahrlos befördern zu können, sind geeignete Behälter nötig. MTM NE-Metalle liefert deshalb werkstoffspezifisch Fässer für Lagerung und Transport. Dazu zählen Eimer, Hobbocks und Fässer mit 9 bis 216 Liter Volumen. Zusätzlich bietet das Unternehmen Hilfen zum Handling an – wie kleine Kräne –, um das Material richtig zu verladen.

Schulungen sensibilisieren die Mitarbeiter

»Zwar sind viele Betriebe auf die Fertigung von Baugruppen spezialisiert und kennen sich mit der entsprechenden Elektronik und DIN-Normen aus. Das Thema Abfallwirtschaft spielt jedoch nur eine untergeordnete Rolle«, sagt Mutschler. Mit Schulungen will MTM NE-Metalle Mitarbeiter im Umgang mit Altloten trainieren. Die Experten gehen dabei auf Abfallrecht, Nachweisverordnungen und Verpackungsvorschriften ein. Sie übermitteln Kenntnisse über die Pflichten der Baugruppenfertiger bei der Wahl des Entsorgers und der Dokumentation. Zusätzlich werden die Mitarbeiter auf die Hintergründe aufmerksam gemacht, was beim Recycling der Materialien geschieht und worauf sie bei Lagerung und Transport achten sollten. »Dahinter stecken komplexe logistische und auch physikalische Prozesse, die man auf den ersten Blick nicht vermutet.« 

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