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Kaum Digitalisierung im Gesundheitswesen: Deutschland hinkt hinterher

In einer internationalen Vergleichsstudie zur Digitalisierung im Gesundheitswesen im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung wird Deutschland Vorletzter (von 17 Untersuchten). Aber nicht nur die Politik trägt Verantwortung. Auch die Unternehmen des Gesundheitssektors fanden zu keinem gemeinsamen Ziel.

Die Sendestation fungiert als Hub, der die medizinischen Geräte mit dem Mobilfunknetz verbindet, sowie u.a. die Eingabe der allgemeinen Befindlichkeit ermöglicht. Bildquelle: © Christoph Soeder/dpa

Schon das für digitales Gesundheitswesen gebräuchliche Wort »Telemedizin« erinnert mit seiner Achtziger-Jahre-Herkunft an die Zeit von Teletext und Teleshopping und signalisiert, dass in diesem Sektor seitdem nicht mehr viel in Deutschland passiert ist.

Spitzenreiter-Länder besitzen eine effektive Strategie, politische Führung in der Sache und eine nationale Koordinationsstelle. Bei den führenden Ländern wie Estland, Kanada, Dänemark, Israel und Spanien ist die digitale Technologie Alltag in Praxen und Kliniken. Rezepte werden dort digital übermittelt und Gesundheitsdaten der Patienten in elektronischen Akten gespeichert, auf die Ärzte und Kliniken direkt zugreifen können.

In Dänemark und Estland können die Patienten die Untersuchungsergebnisse und weitere Daten nicht nur online einsehen, sondern auch die Zugriffsmöglichkeiten für Ärzte und weitere Behandelnde verwalten. Israel und Kanada praktizieren umfangreich Ferndiagnosen und Fernbehandlung per Video.

Die Studie der Forschungsgesellschaft empirica aus Bonn im Auftrag der Bertelsmann Stiftung besteht aus zwei Teilen: einem Digitalisierungs-Index, für den Experten aus den untersuchten Ländern jeweils zu rund 150 Kriterien Einschätzungen abgegeben haben, und einer detaillierteren Analyse von fünf für Deutschland in dem Feld besonders interessanten Gesundheitssystemen.

»So verschieden die Systeme auch sind, jetzt können wir Erfolgsfaktoren erkennen, von denen Deutschland lernen kann«, so Thomas Kostera, Studienleiter bei der Bertelsmann Stiftung. Eine effektive Strategie, politische Führung und eine nationale Koordinationsstelle, die sukzessive die Digitalisierung fördere, seien wichtige Voraussetzungen für einen Digitalisierungsprozess. Deutschland hat als eines von nur zwei untersuchten Ländern keine koordinierende »Agentur für digitale Gesundheit«, die z.B. technische Standards und Datenformate definiert.

»Die Politik hat in der Vergangenheit die Verantwortung für die digitale Transformation an die Selbstverwaltung im Gesundheitswesen delegiert«, führt Thomas Kostera aus. »Hier haben sich die Akteure lange Zeit gegenseitig blockiert. Es ist noch nicht gelungen, alle Verantwortlichen hinter einem gemeinsamen Ziel zu versammeln.«