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Interview mit Sigfox-Deutschland-Chef: »Sigfox revolutioniert die Logistik-Branche!«

»Das Tracking von Hunderttausenden von Sensoren ist auf Basis von Sigfox wirtschaftlich möglich, das haben Alps, DHL und Sigfox gezeigt«, so Aurelius Wosylus, Deutschland-Chef von Sigfox. Jetzt stehe Sigfox der Weg in das industrielle Tracking offen.

Aurelius Wosylus, Sigfox: »Dem Projekt mit DHL, einem der weltweit größten Logistik-Dienstleister, kommt eine Leuchtturm-Funktion zu, denn es zeigt, dass Sigfox technisch und wirtschaftlich in der Lage ist, Milliarden von Sensoren kosteneffizient zu Bildquelle: © Sigfox

Aurelius Wosylus, Sigfox: »Dem Projekt mit DHL, einem der weltweit größten Logistik-Dienstleister, kommt eine Leuchtturm-Funktion zu, denn es zeigt, dass Sigfox technisch und wirtschaftlich in der Lage ist, Milliarden von Sensoren kosteneffizient zu vernetzen, um Industrie 4.0 in den unterschiedlichsten Branchen zu realisieren.«

Frage: DHL hat sich für Sigfox entschieden und wird ihre Rollbehälter, mit denen die Pakete in den eigenen Logistikzentren und in den Warenlagern der Kunden weltweit verteilt werden, mit Trackern auf Basis der Sigfox-LPWAN-Technik verwenden. Ist das der Durchbruch für Sigfox?

Aurelius Wosylus, Chief Sales Officer Germany: Es ist nicht das größte Projekt von Sigfox bisher, aber es setzt ein deutliches Zeichen: Wir können die Logistik-Branche revolutionieren. Denn jetzt hat sich der größte Logistik-Dienstleiser in Deutschland für Sigfox entschieden, um seine internen Abläufe zu optimieren. Das hat in der Logistikbranche für großes Aufsehen gesorgt. Denn es geht schon lange nicht mehr ums Ausprobieren: Die Unternehmen können sich jetzt ausrechnen, was sie investieren müssen und was sie hinterher sparen können, wenn sie Sigfox einsetzen, um ihre Gegenstände für das Tracking zu vernetzen.

Wie viele Tracker mit Sigfox-Technik sind derzeit bei DHL schon in Betrieb?

Es dürften mittlerweile schon viele Tausend sein, pro Woche werden Tracker im fünfstelligen Bereich ausgeliefert. Insgesamt sollen 250.000 Tracker an den Rollbehältern der DHL installiert werden. Unser Plan ist es, dies bis Ende 2019 abgeschlossen zu haben.

Wann hatte DHL begonnen, sich für diese Technik zu interessieren?

Vor zweieinhalb Jahren wurden die ersten Absprachen getroffen, dann folgten die ersten Tests und als alles zur Zufriedenheit lief, hat DHL die endgültige Entscheidung getroffen, das Sigfox-System zu installieren. Denn es ist allen drei Partnern – Alps, DHL und Sigfox – gelungen, die Kosten für das System im Laufe des Projekts um Größenordnungen senken. Stellhebel waren höher integrierte Halbleiter und der Aufbau einer Fertigung, die massenproduktionstauglich ist. Das unterstreicht, wie wichtig Partnerschaften im Tracking- und allgemein im Industrie-4.0-Umfeld sind.

Ausschlaggebend waren also die Kosten?

Die Kosten spielen selbstverständlich die zentrale Rolle. Ein Unternehmen wie DHL führt detaillierte Return-on-Investment-Kalkulationen durch. Es kommt darauf an, wieviel investiert werden muss und wie viel nach welcher Zeit wieder zurückfließt. Das lässt sich auf Basis der Sigfox-Technik sehr gut kalkulieren. Ein weiterer interessanter Aspekt ist, dass es jetzt nicht mehr nur um reine Optimierungen geht, die Technik eröffnet auch neue Möglichkeiten für neue Geschäftsmodelle.

Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit im Projekt?

Alle drei Partner – Alps, DHL und Sigfox – haben gemeinsam das Projekt arbeitsteilig entwickelt. Jeder konnte sehen, wie das Projekt insgesamt voranschritt und dass die Partner auf ihren jeweiligen Sektoren gut vorangekommen sind, so dass sich schließlich alle drei darauf festlegen konnten, das Projekt zur Serienreife zu bringen. Auf eine völlig neue Technik zu setzen, bedeutet immer ein gewisses Risiko, über die Stufen des Projektes blieb es aber stets überschaubar.

Was waren die übrigen ausschlaggebenden Gründe für die Entscheidung zugunsten von Sigfox?

Nur ein Beispiel: Wir konnten die Flächenabdeckung allein in Deutschland auf über 84 Prozent steigern. Das zeigte: Wir reden nicht über Netzausbau, wir haben ihn schon größtenteils gemacht und arbeiten am weiteren Ausbau und der Verdichtung. Die globale Ausrichtung, ein einheitliches Netz, keine Roaming-Gebühren – auch das waren ganz wesentliche Punkte.

Wie lange halten die Batterien in den Trackern?

Das war ein weiterer ausschlaggebender Faktor: Berechnet ist die Lebensdauer der Batterien im System auf circa sieben Jahre. Im Laufe des Projektes ist es uns gelungen, die Stromaufnahme immer weiter zu drücken, was auch eine der größten Herausforderungen für uns war. Inzwischen sind wir bei der vierten Generation der Tracker angelangt, die reale Lebensdauer der Batterien kann nach unseren Schätzungen 20 Jahre und mehr erreichen, je nach Intensität der Nutzung. Auch das hat die Partner überzeugt, aufs richtige Pferd gesetzt zu haben.

Worin besteht die Rolle von Alps?

Wir haben vom Start des Projekts mit Alps einen soliden Partner mit einem Jahresumsatz von 8,5 Mrd. Dollar im Jahr 2017 gefunden, der sich in der Produktion von Systemen in hohen Stückzahlen auskennt. Alps verfügt über tiefgehende Erfahrungen im Sektor der Automobilindustrie und ist ohne weiteres in der Lage, die Tracker an die Anforderungen der Logistik-Branche anzupassen.
250.000 Einheiten zu produzieren ist ja keine Kleinigkeit. Das kann nur eine Firma leisten, die über die entsprechenden Ressourcen verfügt. Alps ist als Spezialist für die Entwicklung von elektromechanischen Geräten für die gesamte Projektierung der Hardware, für die Integration der Firmware und für die damit verbundenen Logistikaufgaben zuständig, bis hin zu der Frage, wie sich die Tracker am besten an die Rollbehälter anbringen lassen. Sie müssen sich einerseits kostengünstig, andererseits aber auch so montieren lassen, dass sie über ihre gesamte Lebenszeit fest verbunden bleiben. Da kamen die umfangreichen Erfahrungen aus der Automobilindustrie sehr gelegen. Darüber hinaus eröffnete sich für Alps die Gelegenheit, in einen neuen Markt vorzudringen.

Welche Aufgaben hat Sigfox in der Partnerschaft übernommen?

Wir waren für die Projektkoordination zuständig und haben die Verbindung aller Beteiligten hergestellt. Vom Halbelter-Hersteller STMicroelectronics bis zu den IT-Spezialisten von Alps und DHL. Die beteiligten Unternehmen sprechen auf ihren Ebenen jeweils recht unterschiedliche Sprachen. Missverständnisse bis hin zur Verständnislosigkeit können die Folge sein. Wir sind damit vertraut und können dafür sorgen, dass die Beteiligten sich untereinander verstehen. Und wir sorgen dafür, dass die Kommunikation über das Sigfox-Netz reibungslos funktioniert.

Wie wird es Ende des Jahres weitergehen, wenn die 250.000 Tracker installiert sind?

Es gibt viele weitere Bereiche, in denen man Sigfox-Technologie zu Anbindung von Dingen aller Art noch einsetzen kann. Ich möchte hier gar nicht darauf eingehen, welche Einsatzbereiche es bei DHL noch geben könnte. Reden wir einfach über Firmen mit verteilten Liegenschaften und verteilten Assets aller Art und über Hersteller, die ihre Produkte bei 100.000 Kunden weltweit verteilt haben. Da erkennen Sie das Potenzial von Sigfox sehr genau, wenn es um Überwachungs- und Nutzungserfassungsfunktionen geht.

Das Projekt wird also über die Logistikbranche hinaus auch in andere Branchen ausstrahlen?

Ja. Neben den traditionellen Logistik-Unternehmen wie DHL gibt es auch weitere Akteure, die die Öffentlichkeit gar nicht in erster Line als Logistikfirmen wahrnimmt, die aber eng damit verbunden sind. Etwa wenn es darum geht zu recyclen oder Verpackungen mehrmals zu verwenden. Immer wenn etwas mehrmals verwendet werden soll, ist es gut, zu wissen, wo es sich gerade befindet und welchen Belastungen es bisher ausgesetzt war. Dann kommt sofort Sigfox wieder ins Spiel, denn über die Sigfox-Vernetzung lassen sich auch die Abläufe hinsichtlich CO2-Vermeidung und Ressourcenschonung optimieren. Da kommt uns die aktuelle Diskussionen rund um Umweltschutz und CO2-Reduktionen entgegen und deshalb sehe ich hier noch sehr viel Potenzial. Das gleiche gilt für alle übrigen industriellen Anwendungen, die sich jetzt für Sigfox auftun.