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Interview mit Embedded-Spezialisten: »In Indien ist der Mangel an Ressourcen genauso spürbar«

Manfred Garz, Managing Director von Garz und Fricke, und Sven Ließ, Director von e-GITS, ziehen nicht nur eine erste Bilanz der Akquisition der Firma e-GITS durch Garz&Fricke, sondern erklären auch, wie eine Generationslücke zu füllen ist.

Manfred Garz (links) und Sven Ließ Bildquelle: © WEKA Fachmedien

Manfred Garz (links) und Sven Ließ

Frage: Wie sind die ersten hundert gemeinsamen Tage gelaufen?

Manfred Garz: Sie sind sehr gut gelaufen. Wobei wir bei beiden Unternehmen noch viele Zusatzprojekte nebenbei haben, wie das Bauprojekt bei Garz&Fricke, an dem fast alle Abteilungen beteiligt sind. Zudem ist die Auftragslage hervorragend und wir haben daher nicht so viele Kapazitäten auf die Integration verwenden können, wie man sich das wünschen würde. Aber das ist mal grundsätzlich eine gute Ausgangssituation, da wir viel zu tun haben.

Wie läuft es bei e-GITS?

Garz: e-GITS ist auch alleine ein gut aufgestelltes Unternehmen, das so auch funktioniert. Die Übernahme ist ja nicht daraus entstanden, dass es einen besonderen Handlungsbedarf gab. Das Unternehmen hat seinen eigenen Kundenkreis und wir wollen das bestehende Geschäftsfeld auch so weiterführen. Daher haben wir bei der Integration nicht die Notwendigkeit, extrem schnell zu sein. Aber wir haben schon eine ganze Menge gemacht.

Sven Ließ: Es gibt jetzt schon gemeinsame Projekte, die realisiert werden, sowie andere, die man identifiziert hat und in naher Zukunft gemeinsam umsetzen wird. Daher hat sich diese Geschichte recht gut angelassen.

Ist eine eigenständige Produktpalette für e-GITS geplant?

Ließ: Wir sind mehr ein Dienstleister und weniger ein Produktlieferant im klassischen Sinne. Wir erstellen keine Software-Produkte – aber das könnte ein Thema werden, wenn es um die Cloud-Lösungen geht. Man kann sicherlich vieles aus unserem Portfolio nutzen, wo es sich möglicherweise lohnt, ein Produkt daraus zu machen. Im Bereich Maschinenbau und Digitalisierung haben wir interessante Lösungen. Hier gäbe es die Möglichkeit, einem Panel-PC einen Software-Baukasten beizulegen, um die Einstiegshürde für Neukunden niedrig zu halten.

Garz: An Ideen mangelt es nicht – da haben wir noch zwei, drei andere, die wir nicht unbedingt veröffentlichen wollen - aber das ist letztendlich eine Ressourcenthematik. Wir müssen den Entwicklerstamm ausbauen – das passiert jetzt nun nicht mit unendlicher Geschwindigkeit. Auf der einen Seite muss man sie erstmal bekommen, auf der anderen Seite muss man sie auch sinnvoll in das Team integrieren.

Das Know-how und das Qualitätsniveau der vorhandenen Mitarbeiter sind enorm hoch und das muss man auch halten. Das kann man nicht einfach mit Studenten direkt von der Uni machen, die muss man nach und nach mit Projekten heranführen und letztlich intern schulen. Daher ist man nicht gut beraten, wenn man zu schnell vergrößert.

e-GITS hat ja auch eine Niederlassung in Indien. Bekommt man dort ebenfalls die Leute zäher?

Ließ: Ja, der Markt hat sich in Indien sehr verändert. Das ist nichts im Vergleich zu dem, was wir vor rund 18 Jahren vorgefunden haben – da war der Arbeitsmarkt ganz anders strukturiert. In Indien ist der Mangel an Ressourcen genauso spürbar, wie es in Deutschland der Fall ist. Es ist machbar, gute Leute zu finden, aber nicht einfach so auf die Schnelle. Die indischen Mitarbeiter wissen auch, was ihr Marktwert ist. Früher war es sehr günstig, nach Indien zu gehen, das hat ja auch viele Firmen veranlasst, nach Indien zu gehen. Heute sind die Gehälter aber teilweise auch schon auf europäischem Niveau. Man kann sicher auch heute noch für kleines Geld programmieren lassen, dann ist aber die Frage, ob man die Qualität bekommt, die man möchte.

Garz: Die Hälfte der e-GITS-Mitarbeiter sitzt in Indien und hat einen anderen technologischen Fokus – dort steht Softwaretest und Qualitätssicherung im Mittelpunkt. Wir werden beide Standorte ausbauen, denn jedes Team hat seine Stärken, und die sollen weiter verbessert werden.