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Interview mit Embedded-Spezialisten: »In Indien ist der Mangel an Ressourcen genauso spürbar«

Fortsetzung des Artikels von Teil 1.

"...Entscheidungen werden in Zukunft ganz anders gefällt."

Wie sehen die internationalen Expansionspläne aus?

Garz: Wir bauen USA sehr stark auf und haben eine Niederlassung in Minneapolis – mit großem Erfolg und deutlich siebenstelligen Umsätzen. Auch dort supporten wir die Kunden und müssen technologisches Know-how zur Verfügung stellen. Das kann durch Videokonferenz oder Besuch vor Ort erfolgen.

Der deutsche Mittelständler tendiert hingegen eher zum persönlichen Gespräch vor Ort.

Garz: Ja das stimmt. Es ist nach wie vor so, dass Applikationssoftware tatsächlich ein Geschäft ist, wo ein Auswahlkriterium die örtliche Nähe ist – auch wenn das weniger wird. Es gibt dabei durchaus regionale Unterschiede. In Hamburg spielt das weniger eine Rolle, da man schon seit hunderten Jahren gewohnt ist, global zu sourcen. Ich finde beides nicht verwerflich, es hat beides seine Vor- und Nachteile.

Ließ: Unsere Kunden sind überwiegend aus dem Maschinenbau, und der ist traditionell stark in Süddeutschland. Wenn Sie im Bereich der Automobilzulieferung sind, dann zwingt Ihnen der Automobilhersteller Ihren Standort ein Stück weit auf – er will seinen Lieferanten in seiner Nähe wissen.

Wird sich das in Zukunft ändern?

Garz: Viele Entscheider sind noch in unserem Alter, die Mikrocontroller sind nun mal in den Achtzigern aufgekommen. Da sind dann viele Firmen gegründet sowie Elektroniker und IT-ler ausgebildet worden, die jetzt die Entscheidergeneration bilden. Es findet eine Überalterung statt, und dann wird es einmal einen Generationswandel geben und danach werden Entscheidungen ganz anders gefällt. Die sind es gewohnt, bei Amazon zu kaufen, und lokale Nähe spielt eine andere Rolle als bei der jetzigen Entscheidergeneration. Das ist Spekulation, aber ich glaube, dass es in diese Richtung gehen wird.

Wie sieht das in anderen Ländern aus?

Garz: Da hab ich keinen globalen Überblick. In dem kleinen Ausschnitt, den ich sehen kann, ist es nicht sonderlich anders. Unser Kundenkreis ist nicht Silicon Valley – nur bedingt –, und da ist es vollkommen anders. In den Industrien, in denen wir tätig sind, wie Medizin-, Labortechnik, Gastronomieelektronik, ist es nicht ganz so dynamisch, da sind doch viele Entwickler und Entscheider eher im Alter 50+.

Woher kommt das?

Garz: In unserer Nachfolgegeneration wurde nicht mehr mit der Modelleisenbahn gespielt. Es kamen die Computer und die wurden vielfach nicht zum Programmieren benutzt. Der Bezug zur Hardware ist in Deutschland verloren gegangen – in Taiwan sieht das völlig anders aus.

Jetzt gibt es eine Art Renaissance durch Raspberry Pi und IoT, wo Hardware auch wieder ein bisschen sexy ist und die Leute sich wieder damit auseinander setzen. Mit den ganzen 20 Jahren dazwischen ist die Hardware gar nicht im Fokus. Das iPhone hat auch schon ein bisschen geholfen, da haben sich die Leute mal wieder für Technik begeistert, die außerhalb vom PC ist. Durch die ganzen Maker-Boards ist das jetzt noch stärker geworden.

Ließ: Schön ist die Kombi, wenn Sie Software-Ingenieure finden, die dann noch eine gewisse Hardware-Affinität haben – das ist perfekt. Darauf legen wir besonderen Wert, da auch unsere Kundschaft sehr hardwarenah entwickelt. Da brauchen wir einfach Leute, die das entsprechende Grundverständnis mitbringen. Der theoretische Ansatz, ein Programm zu entwickeln, ist wichtig und richtig – aber das Verständnis für die Hardware, gerade im Bereich Maschinenbau oder Medizintechnik, ist sehr hilfreich, damit der Programmierer die Hintergrundkenntnisse hat, um zu verstehen, was das Produkt und der Kunde benötigt.