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Interview mit Embedded-Spezialisten: »In Indien ist der Mangel an Ressourcen genauso spürbar«

Fortsetzung des Artikels von Teil 2.

... KI ganz wichtiger Punkt bei der Digitalisierung

Hat diese Generations- und Know-how-Lücke auch Vorteile?

Garz: Insgesamt kommt es dem Garz&Fricke-Geschäftsmodell total entgegen, weil wir im Unterschied zu vielen Wettbewerbern sehr komplette Systeme dem Kunden anbieten. Also kein Standardformfaktor-Board, wo sich der Kunde ein Träger-Board selber entwickeln muss oder will, sondern wir verkaufen fast ausschließlich Gesamtlösungen.

Ganz viele der Kunden haben einen Mangel an Projektleitern mit Erfahrung vom ganzheitlichen System. Die würden es gerne selbst entwickeln, haben auch Argumente dafür, aber überhaupt nicht die Ressourcen. Dann kommt noch die Time to Market dazu, und damit entsteht der Druck, schneller in den Markt zu gehen, als es die eigenen Ressourcen hergeben. Und dann entscheiden sie sich gerne für unsere Systeme, weil sie das geringere Risiko haben und die Ressourcen nicht benötigen. Dadurch sind der Ingenieurmangel und die Überalterungstendenz für uns sehr hilfreich.

Ließ: Und da ergänzen wir uns ein Stück weit gut, da wir einen ähnlichen Ansatz auf der Anwendersoftware-Seite haben und nicht nur die reine Entwicklung anbieten, sondern schon im Vorfeld Beratung anbieten und auch Spezifikationen für unsere Kunden erstellen, die aus Ressourcen-Engpässen es nicht stemmen können. Wir entwickeln und unterstützen auch bei dem Thema Qualitätsmanagement und bieten oben drauf auch noch – wenn der Kunde es möchte – ein Training an. Das ist so kundenspezifisch, dass es zu dem Produkt passt. Somit ist es leichter möglich, dem Kunden das Produkt später in die Eigenverantwortung zu übergeben.

Garz: Das war auch Treiber für unseren Wunsch, ein Applikationssoftware-Unternehmen zu akquirieren, weil viele Kunden die Schnittstelle zwischen Applikationssoftware und -hardware einfach nicht haben möchten, weil sie das Projektrisiko scheuen und daher alles aus einer Hand haben wollen.

Wie stehen die Kunden neuen Technologien gegenüber?

Garz: Was haben festgestellt, dass es eine ganze Menge von Ideen in den Köpfen unserer Kunden gibt, die sich sehr gut mit künstlicher Intelligenz lösen lassen würden – oder alles, was man als AI oder Big Data so bezeichnet. Machine Learning ist vielleicht der beste Begriff dafür. Es gibt aber wahnsinnig wenig Know-how, um solche Projekte auf die Schiene zu setzen. Das sind sehr vage Ideen, es gibt aber nur sehr wenige Spezialisten, die in der Lage sind, so ein Projekt umzusetzen.

Das müsste ja den Outsourcing-Partnern in die Hände spielen.

Ließ: Ja, deshalb geben wir auch Gas in diese Richtung. Wir haben bei uns interne Sessions, ab und zu auch mit Kunden, bei denen es um das Thema KI geht und wo entsprechende Proof-of-Concepts entwickelt werden, um sich an die Thematik heranzutasten – was ist heute bereits möglich mit den verschiedenen Konzepten, die es schon gibt, die ja relativ mächtig sind. Da kratzen wir gerade erst an der Oberfläche. Im gesamten Konzept der Digitalisierung ist die KI ein ganz wichtiger Punkt.

Des Weiteren beschäftigen wir uns auch mit anderen neuen Technologien wie z.B. Blockchain und schauen, wo es Bezugspunkte zum täglichen Geschäft gibt – was kann man im Sinne des Kunden für Methoden nutzen, die es frei verfügbar auf dem Markt gibt. Da ist viel Potenzial drin und da wollen wir up to date bleiben. Dazu gehört es auch, einen Raspberry Pi auszupacken und eine günstige Kamera anzuschließen und gewisse Problemstellungen zu realisieren – eine effiziente Möglichkeit.