Die Lieferkette von morgen

Nachhaltig und mit ethischen Werten vereinbar

15. Dezember 2020, 10:33 Uhr   |  Johannes Abrams

Nachhaltig und mit ethischen Werten vereinbar
© OpenText

Johannes Abrams, OpenText: »Eine nachhaltige und ethisch verantwortungsvolle Lieferkette wird immer wichtiger.«

Künftig wird es mehr denn je darauf ankommen, Lieferketten nachhaltig zu gestalten. Doch was macht eine »verantwortungsvolle« Lieferkette aus? Und worauf müssen Unternehmen achten, wenn sie ihr Lieferketten-Netzwerk mit einem Fokus auf Nachhaltigkeit auf- und ausbauen?

Effiziente Lieferketten tragen maßgeblich zu betrieblichen und geschäftlichen Erfolgen von Unternehmen jeder Größe bei. Die klassische Supply Chain hat im vergangenen Jahrzehnt viele Veränderungen durchgemacht, und die Beziehungen zwischen Unternehmen und ihren Partnern werden immer komplexer. Lieferketten sind nicht mehr nur Mittel zum Zweck, sondern multifunktional: Sie unterstützen die strategische Positionierung, fördern Unternehmensinitiativen und können für eine Verbesserung der Kundenzufriedenheit sorgen.

Heutzutage gehören zahlreiche Standorte von Lieferanten, Kunden, Fabriken und Lagerhäusern sowie der Transport von Produkten zu diesen komplexen Netzwerken. Sie umfassen Hunderte – wenn nicht sogar Tausende – von externen Lieferanten, Partnern und anderen Beteiligten, die unter dem zunehmenden Druck stehen, mit wirtschaftlichen, politischen und behördlichen Anforderungen Schritt zu halten.

Definitionssache: Die verantwortungsvolle Lieferkette

Neben diesen Anforderungen ist eine weitere Erwartungshaltung auf den Plan getreten: Der Geschäftsbetrieb und alle damit verbundenen Prozesse sollen nachhaltig sein und ethisch verantwortungsvollen Maßstäben gerecht werden. Heutige Verbraucher der Generation Z (Gen Z) und der sogenannten Millennials legen viel Wert auf die Herkunft und Herstellungsweise von Produkten, die sie kaufen. Laut einer Umfrage von Accenture hängt für 72 Prozent der deutschen Vertreter der Gen Z eine Kaufentscheidung davon ab, wie sehr die Marke ihren ethischen Werten und Überzeugungen entspricht. Diese Entwicklung zeigt, dass Unternehmen nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Lieferketten und alle zugrundliegenden Beziehungen und Prozesse auf die neuen, sich verändernden Verbraucherwerte und -erwartungen ausrichten müssen.

Die nachhaltige und ethische Lieferkette umfasst die Bereiche Umwelt, Wirtschaft und soziale Verantwortung und baut auf den folgenden Säulen auf:

•    Abschaffung von Kinder- und Sklavenarbeit sowie Ausbeutung
•    Sichere und hygienische Arbeitsverhältnisse
•    Faire Arbeitsbedingungen (adäquate, gleichwertige Bezahlung; geregelte Arbeitszeiten)
•    Gegen Bestechung und Korruption
•    Ethische Standards und Beschaffung
•    Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit

Entsprechend den neuen Erwartungen der Konsumenten müssen nachhaltige und ethisch verantwortungsvolle Prozesse zum absoluten Standard jeder Lieferkette werden. Dies setzt voraus, dass Unternehmen und Marken ihre Partner genau kennen. Es reicht jedoch nicht, nur zu wissen, welche Werte das direkte Umfeld vertritt und wie sich deren Prozesse gestalten. Unternehmen sollten zudem in Erfahrung bringen können, wie es um die Geschäftspartner ihrer eigenen Partner steht. Dieses Wissen kann ihnen zu einem erheblichen Wettbewerbsvorteil verhelfen. Gleichzeitig tragen sie die Verantwortung dafür, dass sämtliche Partner und Zulieferer des Supply-Chain-Netzwerks ebenfalls diesen Anforderungen entsprechen.

Die Verantwortung eines jeden: Warum »ethisch sein« wichtig ist

Angesichts der Komplexität globaler Lieferketten spielt Transparenz eine essenzielle Rolle, um als Unternehmen nicht Gefahr zu laufen, sich als ethisch verantwortungsvoll zu präsentieren, obwohl die Lieferkette ethisch nicht vertretbare Prozesse umfasst. Deshalb liegt die Verantwortung zur Umsetzung ethisch unbedenklicher Abläufe bei jedem „Kettenglied“ des Gesamtnetzwerks – einschließlich der Mitarbeiter, Lieferanten, Kunden und Geschäftspartner.

Die Globalisierung zwingt Unternehmen dazu, Produkte und Services immer preisgünstiger anzubieten. Sie hat zu einem Umfeld geführt, das wegen seiner globalen Ausmaße sehr vielschichtig und hinsichtlich etwaiger Regulierungsstandards äußerst vielfältig ist. Dies kann sich als Nährboden für unethische Praktiken herausstellen, weil die steigende Komplexität einen umfassenden Überblick über sämtliche Vorgänge erschwert. Gleichzeitig wächst jedoch die Zahl der informierten und bewusster handelnden Verbraucher, denen unethisches und nicht nachhaltiges Verhalten auffällt. Daher ist es unerlässlich, dass Unternehmen sich und ihre Prozesse für Außenstehende transparent präsentieren. Zeigen sie sich nicht aufmerksam genug gegenüber internen Vorgängen, so kann sich dies negativ auf Reputation, Kundenloyalität und Geschäftszahlen auswirken.

Eine nachhaltige und ethisch verantwortungsvolle Lieferkette stellt somit ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal (USP) dar und kann zu einem entscheidenden Faktor werden, wenn es um eine Kaufentscheidung oder die Loyalität zu einer Marke geht. Doch um von diesem USP profitieren zu können, müssen Unternehmen ein tiefgehendes Verständnis von den Prozessen ihrer (potenziellen) Geschäftspartner und Zulieferer erlangen – noch bevor eine erste Transaktion getätigt wird. Ohne diese Transparenz ist es fast unmöglich, die Leistung von Geschäftspartnern vor dem Hintergrund sich ständig weiterentwickelnder Markt- und Umweltregulierungen überwachen und etwaigen Negativeinflüssen entgegenwirken zu können.

Seite 1 von 2

1. Nachhaltig und mit ethischen Werten vereinbar
2. Prioritäten setzen für mehr Transparenz

Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen Auf Linkedin teilen Via Mail teilen

Verwandte Artikel

WEKA FACHMEDIEN GmbH