Sie sind hier: HomeThemenSmart ComponentsE-Mechanik

In Zukunft ohne Kompressor: Energieeffiziente Kühlung im Rechenzentrum

Fortsetzung des Artikels von Teil 4.

Wie wird die Kühlung von Rechenzentren in zehn Jahren aussehen?

»Datacenter werden in zehn Jahren zu fast 100% von Freikühlsystemen gekühlt, die mechanische Kompressorkühlung wird zumindest in Mitteleuropa nach und nach abgelöst«, sagt Norbert Keil. Getrieben werde dies von sicherlich noch weiter steigenden zulässigen Lufttemperaturen für die Kühlung der IT-Systeme.

In den verbleibenden Kältemittel-Kreisläufen werde vermehrt mit natürlichen Kältemitteln gearbeitet. Antriebe würden stufenlos regelbar und somit exakt an den aktuellen Kühlbedarf der IT anpassbar werden. Einzelne Leuchtturmprojekte mit speziellen und hoch innovativen Kühllösungen wie Warmwasser-Direktkühlsysteme würden jedoch die breite Masse der Projekte mit bewährter, möglichst unkomplizierter und damit hochverfügbarer Kühltechnik nicht groß beeinflussen.

Auch Peter Koch von Emerson sieht die Kompressortechnologie allmählich aussterben, im Wesentlichen durch den ASHRAE-TC9.9-Standard. »Damit werden die empfohlenen und erlaubten Temperaturen, unter denen IT-Ausstattung betrieben werden kann, stetig nach oben gehen.« Lediglich geringe Teillasten wie USV-Batterien oder Bandlaufwerke würden dann aufgrund der dort geforderten niedrigeren Temperaturen noch mit Kältemaschinen versorgt werden müssen, glaubt Koch.

Bernd Hanstein bezeichnet aus Rittal-Perspektive vor allem die Nutzung der Abwärme, die in großen Mengen in Rechenzentren anfällt, als echtes Trendthema. Wie auch Peter Koch erwartet er bei den Server-Herstellern eine Erweiterung des Temperaturbereichs – sprich: Server funktionieren weiterhin optimal, selbst wenn die Zulufttemperatur höher oder auch niedriger ausfällt.

In der Nutzung von Abwärme aus dem Rechenzentrum sieht Hanstein weiteres Einsparpotenzial und führt die Fachhochschule Münster als Beispiel an: »Die Abwärme dient zur Beheizung der Hörsäle, was sich im Umkehrschluss positiv auf die Gesamt-Energiebilanz der Fachhochschule auswirkt und eine Senkung der Energiekosten zur Folge hat.« Nicht zuletzt misst Hanstein der technischen Weiterentwicklung von Kühlgeräten mit Fokus auf Effizienzsteigerung große Bedeutung zu.