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Single-Pair-Ethernet: »Eine Schlankheitskur für die Datenübertragung«

Single-Pair-Ethernet (SPE) zählt als der große Trend in der industriellen Datenübertragung. 2019 stellen erste Steckverbinderhersteller wie Phoenix Contact dafür ihre Konzepte vor. Was sich hier tut und welche weiteren Trends zu erwarten sind, erläutert Dr. Christian Helmig von Phoenix Contact.

Phoenix, Dr. Helmig Bildquelle: © Markt & Technik

Dr. Christian Helmig, Phoenix Contact: »Individualität wird der neue Standard. «

Frage: Wie verändert der Datenbedarf der Smart Factory die industrielle Feld- und Geräteverkabelung?

Dr. Christian Helmig, Vice President der Business Unit Field Device Connectors: Dass der Datenbedarf enorm steigt, ist ja schon fast eine Binsenweisheit. Wenn aber mehr Daten von mehr Abnehmern über mehr Verbindungen übertragen werden, steigt zwangsläufig die Komplexität der Verkabelung. Kein Anlagenbetreiber will aber für 200 Geräte 200 unterschiedliche Schnittstellen verbinden und warten. Also wird die Normierung und Standardisierung immer wichtiger. Hersteller und Betreiber brauchen die Sicherheit, dass ihre Geräte und Anlagen ausfallsicher funktionieren und auch im Wartungsfall sofort wieder betriebsbereit sind. Bei Ausfallkosten in Millionenhöhe lässt sich kein Abnehmer mehr auf eine Single-Source-Lösung ein.

Was bedeutet das konkret für Steckverbinder-Hersteller wie Phoenix Contact?

Einerseits müssen wir Lösungen für ganz unterschiedliche Anwendungsgebiete finden – für die Fabrikautomation oder die Prozessautomation, für Anwendungen im Feld und für Bürogebäude und Rechenzentren. Andererseits müssen wir aber auch einen hohen Grad an Einheitlichkeit bieten – normierte Steckgesichter, die sich für unterschiedliche Aufgaben eignen. M12 ist das Paradebeispiel für diesen Spagat. Anfangs für die klassische Signalübertragung zwischen Sensor und Aktor eingesetzt, gibt es heute praktisch kein Anwendungsgebiet mehr, für das sich der Rundsteckverbinder nicht eignet. Selbst die parallele Übertragung von Daten und Leistung ist mit M12 möglich.

Das klingt, als wäre M12-Steckverbinder der Erfolgsgarant schlechthin.

Auch für M12 gilt: Eine Lösung für alles gibt es nicht. Auch Branchen wie die Photovoltaik bieten noch ein enormes Potenzial – zumal dort noch nicht im gleichen Umfang Standards existieren. Aber auch kompaktere Steckverbinder wie der M8 werden in Zukunft wichtiger, da auch die Geräte und Anlagen immer kompakter werden.

Wo spielt denn der M8 seine Stärken aus?

Überall da, wo standardisierte und robuste Schnittstellen gefragt sind, aber wenig Bauraum zur Verfügung steht. Natürlich vom Sensor kommend, für kleine Industrie-PCs, Bedienterminals, kompakte Motoren und Antriebe – aber auch Steuerungen direkt im Feld.

Und beim Single-Pair-Ethernet?

Absolut! Standardisiert, robust und kompakt – diese Eigenschaften des M8 passen hervorragend zum Single-Pair-Ethernet. Produktseitig stehen wir aber noch ganz am Anfang. Derzeit gilt es erstmal, gemeinsame Normen und Standards für die Steckgesichter zu verabschieden.

Was sind die Vorteile der reduzierten Datenverkabelung?

Dass die Verkabelung mit nur einem statt vier oder acht Aderpaaren weniger Platz benötigt, liegt auf der Hand. Geräteschnittstellen, Kabelsteckverbinder und Trassen können also kompakter ausgeführt werden, man bekommt auf den gleichen Bauraum viel mehr Schnittstellen für den steigenden dezentralen Kommunikationsbedarf. Das zahlt sich entlang der Wertschöpfungskette aus. Lager- und Logistikkosten können so ebenfalls reduziert werden. Da der Rohstoffeinsatz in der Herstellung geringer ist, fallen zudem die Anschaffungskosten im Vergleich geringer aus. Das Single-Pair-Ethernet ist wie eine Schlankheitskur für die Datenübertragung.