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Single-Pair-Ethernet: »Eine Schlankheitskur für die Datenübertragung«

Fortsetzung des Artikels von Teil 1.

Was muss ein Hersteller seinen Kunden bieten?

Für welche Einsatzbereiche eignet sich die SPE-Verkabelung besonders?

Das Konzept der reduzierten Verkabelung stammt ursprünglich aus dem Automobilbau. Hier spielen Kosten und vor allem das Fahrzeuggewicht eine große Rolle. Lange Übertragungsstrecken oder enorme Bandbreiten sind nicht notwendig. Es entstehen aber bei SPE generell mehrere Standards für unterschiedliche Anwendungsfälle – wie in der Industrieautomation: Wann immer Leitungslängen von bis zu 1000 Metern gefordert sind oder Übertragungsraten von bis zu 1 Gbit/s ausreichen, eignet sich das SPE. Das gilt für die klassische Sensor-/Aktor-Verkabelung, aber auch für Anwendungen in der Prozessindustrie. Im Hinblick auf Preissensibilität, Kompaktheit und Länge der Kabeltrassen eignet sich das SPE aber auch ideal für die Gebäudeautomatisierung.

Ein einzelnes Aderpaar ist dünner und empfindlicher als vier oder acht Paare. Spielt der Schutz der Leitung dann keine größere Rolle als bei der klassischen Verkabelung?

Beim SPE wird es unterschiedliche Ansätze für den IP-Schutz geben. Im Feld kommen selbstverständlich isolierte Leitungen und geschützte Steckverbinder zum Einsatz. Der Vorteil ist hier, dass sich in einer einzigen Leitung bis zu vier Abnehmer kombinieren lassen. Damit können Anwender die bestehende Infrastruktur bei unserem Konzept weiterhin nutzen. Zusammen mit anderen Industriepartnern verfolgen wir hier einen systemischen Ansatz, was bei der Markteinführung große Vorteile bietet. Bei gleichbleibender Leitungsdicke vervierfacht sich quasi die Anzahl der möglichen Kommunikationsteilnehmer.

Und im Büroumfeld?

Auch im IP20-Umfeld werden die Leitungen isoliert. Insofern gilt der gleiche Vorteil wie im Feld. Einzelne Verbindungen wie beispielweise zu Bedienterminals in Büroräumen können selbstverständlich auch als einzelnes Aderpaar unter Putz verlegt werden. Dann können die Verkabelungskosten reduziert und mit kompakteren Trassen geplant werden.

Was muss – sieht man vom SPE einmal ab – ein Hersteller von Rundsteckverbindern seinen Kunden heute und morgen bieten?

Der Automatisierungsmarkt ist ein internationaler Markt. Geräte, Maschinen und Anlagen werden weltweit vertrieben und nicht nur im Heimatmarkt. Damit spielt die globale Verfügbarkeit eine wichtige Rolle. Phoenix Contact hat daher schon in den 1980er- und 1990er-Jahren Produktionsstandorte in den USA, China und anderen wichtigen Ländern aufgebaut. So können wir Produktionskapazitäten flexibel verschieben und lokale Märkte direkt bedienen.

Was verlangen diese Märkte?

Hersteller müssen ihren Kunden Lösungen bieten, die ortsunabhängig höchste Ausfallsicherheit gewährleisten. Entweder, weil sie normiert sind und daher frei substituiert werden können. Oder weil sie technologisch kompatibel zu anderen Lösungen sind. Neben der wirtschaftlichen Sicherheit spielt die Verfügbarkeit und Transparenz entlang der Beschaffungskette eine zunehmend große Rolle. Das Online-Shopping hat unser Kaufverhalten und unseren Anspruch an den Lieferanten massiv verändert. Heute erwarten wir, dass wir mit wenigen Klicks bestellen, den Verlauf unserer Bestellung verfolgen und alle Artikeldaten einfach downloaden können.

Wenn man die Komplexität elektrotechnischer Daten betrachtet, wird deutlich, dass hier noch viel Standardisierungsarbeit notwendig ist und Prozesse noch konsequenter aus Kundensicht betrachtet werden müssen.