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Gleichstrom in der Produktion: »Die Nachfrage nach Information, Prototypen und Produkten steigt«

Der Kabelhersteller Lapp ist eines der Unternehmen, das den Trend weg von der reinen Wechselstrom-Topologie in den Fertigungshallen hin zu mehr Gleichstrom aktiv unterstützt. Guido Ege erklärt im Interview die Motivation.

Guido Ege, Lapp Bildquelle: © Lapp

Guido Ege, Lapp: Es entstehen erste DC-Inseln in der Produktion.

Wird sich in den nächsten Jahren in den Produktionshallen ein Wandel hin zu einer DC-Fertigung vollziehen?

Guido Ege, Leiter Produktmanagement und Entwicklung von Lapp: In bestimmten Bereichen, z.B. bei verketteten Produktionslinien oder großen Fertigungsanalgen der Automobilindustrie, wird es einen Wandel in puncto Energieübertragung und Energienutzung geben. Die möglichen Effizienzgewinne durch den Einsatz von Gleichstrom sind in diesen Anwendungen zum Teil enorm, weshalb sich ein Umstieg sowohl aus wirtschaftlicher als auch aus ökologischer Sicht lohnen kann. Ich gehe davon aus, dass nach und nach sogenannte DC-Inseln entstehen werden und dass es künftig eine Koexistenz aus Wechselstrom- und Gleichstrom-Applikationen in der Produktion geben wird.

Das bedeutet aber auch, dass einige Bereiche der Fertigung von diesem Gleichstrom-Trend auch auf längere Sicht hin unangetastet bleiben.

Bei neuen Anlagen ist es für den Kunden natürlich sehr attraktiv und eine Überlegung wert, auf DC zu setzen. Jedoch wird der Kunde sicherlich nicht seine gut funktionierenden Fertigungslinien umbauen oder gar verschrotten, um die Vorteile von Gleichstrom nutzen zu können. Daher kann und wird es keinen plötzlichen Bruch geben, vielmehr wird die DC-Technologie nach und nach in den Bereich der Prozessautomatisierung hineinwachsen. Das wird in manchen Bereichen schneller geschehen – beispielswiese in der Antriebstechnik – als in anderen Bereichen. Und es wird auch langfristig gesehen Applikationen geben, die nicht an ein DC-Netz angeschlossen werden.

Was sind die Vorteile einer DC-Industrie?

Der Hauptvorteil ist ganz klar die Energieeinsparung. Wenn wir alle Effekte zusammenrechnen, vom Wegfall der Verluste bei der Umwandlung bis hin zu einer besseren Nutzbarkeit, Speicherung und Rückgewinnung von Bremsenergie etwa bei Robotik-Anwendungen, ergibt sich ein Einsparpotenzial von bis zu 30 Prozent. Hochgerechnet auf große Fertigungslinien ist das natürlich eine Hausnummer. Darüber hinaus wird der Aufbau von Geräten und Maschinen einfacher, wenn diese keine AC-DC-Wandler mehr benötigen. Gleichzeitig ergibt sich eine bessere Netzstabilität gegenüber Wechselstromapplikationen durch die Nivellierung von Spannungsspitzen.

Ihr Unternehmen beschäftigt sich schon seit einiger Zeit mit den Vorteilen bzw. auch Herausforderungen der DC-Industrie. An welchem Punkt steht Lapp heute?

Tatsächlich haben wir das Thema bereits vor drei Jahren in unserem Unternehmen aufgegriffen. Als Weltmarktführer für integrierte Lösungen der Kabel- und Verbindungstechnologie betreiben wir ein sehr umfangreiches Technologie-Screening, um die Trends am Markt nicht nur zu unterstützen, sondern wenn möglich auch aktiv voranzutreiben. Dadurch haben wir uns früh mit dem Thema Niederspannungsgleichstrom beschäftigt. Und in diesem Zusammenhang sind wir auf das Gleichstrom-Forschungsprojekt „DC-Industrie“ aufmerksam geworden, an dem sich Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen sowie Forschungsinstitute beteiligt haben.

Worum ging es bei diesem Forschungsprojekt?

Das Ziel war es, die Hypothese der Energieeinsparung durch die DC-Technologie zu beweisen. Als Mitglied dieses Projektes ist Lapp zum Beispiel der Frage nachgegangen, wie sich die Isolationsmaterialien von Kabeln unter Niederspannung verhalten. Vor Kurzem ist nun das Folge-Forschungsprojekt „DC-Industrie2“ gestartet, bei dem es darum geht, die Gleichstromversorgung einer gesamten Produktionsanlage abzubilden. Wir von Lapp werden wieder bestmöglich dazu beitragen, neue Erkenntnisse für den Bereich der Kabel herauszuarbeiten.