CEO-Roundtable

Die großen Herausforderungen für die Elektronikbranche

11. November 2020, 09:05 Uhr   |  Heinz Arnold

Die großen Herausforderungen für die Elektronikbranche
© WEKA Fachmedien

Die Teilnehmer des CEO-Roundtable auf der electronica virtual 2020: Jean-Marc Chery, STMicroelectronics, Gunther Kegel, Pepperl+Fuchs, Kurt Sievers, NXP, Reinhard Ploss, Infineon, (im Uhrzeigersinn). In der Mitte Moderator Joachim Hofer vom Handelsbaltt.

Die Corona-Krise war ein Schock, aber sie ist zu managen – so der Tenor in der CEO-Runde auf der electronica virtual. 2021 dürfte schon wieder Wachstum bringen. Viel entscheidender wird der Kampf um die globale technologische Vorherrschaft werden.

Die Corona-Krise war plötzlich da. Jean-Marc Chery, President und CEO von STMicroelectronics, erinnert sich noch heute an den Tag, als er die entscheidende E-Mail bekam: der 27. Januar 2020. Damals erfuhr er, dass viele Arbeiter nicht mehr ins Werk in Shenzhen zurückkehren durften. »Da war mir klar, dass es jetzt ernst wird.« Sofort wurde ein Krisen-Team gebildet, um sich um die Standorte weltweit zu kümmern und zuallererst für die Gesundheit der Mitarbeiter zu sorgen. »Glücklicherweise wissen wir als Halbleiterhersteller sehr gut, wie Kontaminationen verhindert werden!«

So ähnlich hat es auch Dr. Reinhard Ploss, CEO von Infineon, erlebt. Die Gesundheit der Mitarbeiter zu schützen und für die entsprechenden Hygienemaßnahmen zu sorgen war auch die erste Aufgabe der Taskforce, die Infineon bildete. »Das war aber glücklicherweise nicht sehr schwer für uns, wie sich herausstellte.« Vor Viren sicherere Orte als die Reinräume von Fabs dürfte es auf der Welt kaum geben. »Ich war vor allem tief beeindruckt, wie die Mitarbeiter das geschafft haben«, so Ploss.

 

Gunther Kegel, Pepperl+Fuchs: »2021 wird im Zeichen des Kampfes um die technologische Vorherrschaft zwischen China und den USA stehen, das wird viel schwieriger als Corona.«
© WEKA Fachmedien

Gunther Kegel, Pepperl+Fuchs: »2021 wird im Zeichen des Kampfes um die technologische Vorherrschaft zwischen China und den USA stehen, das wird viel schwieriger als Corona.«

Auch NXP musste die Fabs nicht schließen und hatte nur damit zu kämpfen, dass teilweise Mitarbeiter nicht zur Arbeit erscheinen konnten. Als die größere Herausforderung sieht er heute, dass das Engagement und die Kooperation der Mitarbeiter aus dem Homeoffice heraus aufrecht erhalten werden konnte. »Die Arbeit aus dem Homeoffice bedeutet eine signifikante Veränderung«, so Sievers. Als Glück im Unglück betrachtet er, dass die erste Welle China bereits im ersten Quartal traf: »Davon konnten wir lernen und die Erfahrungen im zweiten Quartal im Rest der Welt nutzen.«

Ganz ähnlich wie große Halbleiterhersteller hat auch der Mittelständler Pepperl+Fuchs reagiert: »Wir haben Anfang Februar gesehen, dass die Situation ernst wird, und eine Taskforce gebildet, die sich um die Hygiene- und die übrigen Maßnahmen in unseren Werken weltweit gekümmert hat«, sagt CEO Gunther Kegel. Auf diese Weise konnte das Unternehmen die Produktion in den Werken weltweit aufrechterhalten.

Jean-Marc Chery, STMicroelectronics: »Die großen Herausforderungen wie Reduzierung des CO2-Ausstoßes können nur global gelöst werden. Jetzt durch wirtschaftliche Entkopplung auf die Innovationsbremse zu treten, wäre kontraproduktiv.«
© WEKA Fachmedien

Jean-Marc Chery, STMicroelectronics: »Die großen Herausforderungen wie Reduzierung des CO2-Ausstoßes können nur global gelöst werden. Jetzt durch wirtschaftliche Entkopplung auf die Innovationsbremse zu treten, wäre kontraproduktiv.«

Optimismus nach dem Schock

„Wohin entwickelt sich die Elektronikbranche in Zeiten von Covid-19 und danach?”, lautete die übergreifende Frage, unter der der CEO-Roundtable der electronica virtual 2020 stattfand. Unter den Teilnehmern herrscht neun Monate nach dem Schock wieder Optimismus vor: »Im Moment sieht es so aus, als kommen wir besser aus der Krise heraus als gedacht«, freut sich Kurt Sievers, President und CEO von NXP. Das spürt auch Gunther Kegel, CEO von Pepperl+ Fuchs: »Seit Juni geht es wieder aufwärts.«

Weil nach Ausbruch der Krise an reguläres Forecasting und Planung nicht mehr zu denken war, hatte Pepperl+Fuchs fortan nur mehr in Szenarien geplant. »Ein Szenario ging von der Erholung im vierten Quartal aus. Das ist glücklicherweise eingetreten«, so Kegel. Alle CEOs sind optimistisch, dass 2021 wieder ins Wachstum zurückkehrt, auch wenn noch nicht so ganz sicher ist, ob es ausreicht, die Verluste von 2020 auszugleichen oder ob dies noch länger dauert.

Seite 1 von 2

1. Die großen Herausforderungen für die Elektronikbranche
2. Wo die eigentliche Drohung liegt

Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenAuf Linkedin teilenVia Mail teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Smartphones in weniger als 10 Minuten laden
Berührungsloses Wafer-Handling
Die IC-Hersteller investieren Rekordsummen
176-Layer-NAND-IC

Verwandte Artikel

INFINEON Technologies AG Neubiberg, Infineon Technologies AG, STMicroelectronics GmbH, Pepperl + Fuchs GmbH