Kostenexplosion vermeiden

EOL ist nicht das Ende der Welt

27. November 2020, 09:08 Uhr   |  Von Ken Greenwood, Technical Sales Manager, Rochester Electronics

EOL ist nicht das Ende der Welt
© Rochester Electronics

Eine Produktionslinie von Rochester Electronics

Abkündigungen – und dann? Über nicht autorisierte Quellen oder auf den „grauen Markt“ beziehen? Lieber nicht, denn es gibt seriösen Alternativen!

Weil die Zeit zwischen Markteinführung und formalem End-of-Life (EOL) immer kürzer wird, müssen die IC-Hersteller sicherstellen, dass eine zuverlässige Quelle für „überalterte“ Komponenten zur Verfügung steht. Die Überalterung muss also strategisch geplant und gemanagt werden. Zu beachten sind dabei die folgenden Punkte:

  • Produktionsausfälle
  • Hohe finanzielle Verpflichtungen in Form von „Last Time Buy“-Lagerbeständen
  • Lagerhaltungskosten für langfristig bevorratete Komponenten
  • Erzwungenes Neudesign oder Neuzertifizierung von Produkten
  • Vorzeitiges EOL von Produkten und geringere Betriebslaufzeit

Alle diese Faktoren erhöhen die Risiken und Kosten, denen Unternehmen durch die Überalterung von Komponenten ausgesetzt sind.

Das Management der Überalterung muss bereits in der Designphase beginnen. Werden die Komponenten während der Entwicklung nicht schon in Hinblick darauf ausgewählt, wann die Hersteller die Produktion auslaufen lassen, kann ein vorzeitiges Neudesign oder eine Neuqualifizierung des Produkts erforderlich werden. Das Design und die Qualifizierung eines neuen Automobils, Flugzeuges oder Industriecontrollers dauern oft bis zu fünf Jahre. Hinzu kommt ein Produktionszyklus von fünf bis sieben Jahren und ein Kundendienst von sieben bis zehn Jahren. Zudem ist es nicht ungewöhnlich, dass bis zu 20 Jahre Versorgung mit Komponenten erforderlich sind.

Deshalb ist es wichtig, einen Lieferanten zu fragen, wie er die langfristige Verfügbarkeit tatsächlich sicherstellen will. Auf lange Sicht Lagerbestandsgarantien zu erhalten, ist schwierig, weil es zu Naturkatastrophen sowie zu Marktinstabilitäten und Akquisitionen kommen kann, die sich nicht vorhersehen lassen. Daher muss ein zuverlässiger Lieferant einen kontrollierten Übergangsprozess am Lebensende eines Produktes oder eine langfristig autorisierte Produktion nachweisen können. Hier einige wichtige Fragen, die der Komponentenlieferant beantworten sollte:

  • Sind die Schlüsselkomponenten des Designs, also die Mikrocontroller, die FPGAs und die ASICs umfassend dokumentiert?
  • Können die Designdateien (VHDL, Spice-Modelle, Testvektoren) in der Entwicklungsphase beibehalten und archiviert werden, um die Möglichkeit einer Neuentwicklung zu bieten, wenn das Unerwartete eintritt?
  • Enthält das Design urheberrechtlich geschütztes geistiges Eigentum? Falls dies der Fall ist, wird die Möglichkeit beeinträchtigt, solche Designs zu übertragen. Oder zumindest fallen Neulizenzierungen und Lizenzgebühren an.
Rochester Electronics
© Rochester Electronics

Der Test von ICs bei Rochester Electronics

Es kommt darauf an, die Kosten und Risiken zu kennen, die mit dem Überaltern verbunden sind. Die Auswirkungen sollten über entsprechende Modelle simuliert werden. Denn die Komponentenüberalterung geht weit über die reine Beschaffung hinaus. Weitere wichtige Überlegungen sind:

  • Muss der Projektplan erwartete Produktneudesigns während der Laufzeit enthalten?
  • Wie wird das für langfristig auf Lager gehaltene Komponenten gebundene Kapital ausgewiesen?
  • Welche Auswirkungen wird die Überalterung von Komponenten auf die Kundendienstverpflichtungen haben?

Um hohe Folgekosten durch Abkündigungen zu vermeiden, sollte Einkauf, Komponentenentwicklung, Design und Programmmanagement in Hinblick auf EOL geplant werden. Weil der Teufel im Detail steckt, muss die Kostenanalyse Komponente für Komponente erfolgen. Denn die unerwartete Überalterung eines 1-Cent-Transistors könnte ein Programm möglicherweise genauso abrupt stoppen, wie die Überalterung des Mikrocontrollers.

Proaktive Überwachung des Komponentenlebenszyklus

Durch die regelmäßige Überwachung der Komponenten kann der Benutzer eventuell auftretende Probleme vorhersehen. Es stehen gute Ressourcen wie I.H.S Parts Intelligence und BOM (Bill Of Materials) Intelligence zur Verfügung, die den Lebenszyklus, die Lieferzeit und die Spezifikationsänderungen einer Komponente während ihrer Lebensdauer verfolgen. Solche Tools bieten eine Lebenszyklusvorhersage und warnen bei der Ausgabe von Product Discontinuation Notices (PDNs).

Es gibt viele Komponentenverwaltungsdatenbanken, die einen PDN-Benachrichtigungsdienst bereitstellen können. Dazu gehören generische Verwaltungsdatenbanken, in denen Benutzern alle oder nur bestimmte Daten angezeigt werden. Auf diese Weise können Benutzer Stücklistenstrukturen (BOM-Strukturen) in die Datenbank laden und PDNs hervorheben, die sich auf die angegebenen Produkte auswirken. Jeder Hersteller hat sein eigenes PDN-Format, und es kann sich als sehr zeitaufwendig erweisen, alle betroffenen Teilenummern zu bewerten und zu protokollieren. Einige PDNs enthalten über 500 Teilenummern. Es gibt Versuche, Formate mit Initiativen wie SmartPDN zu standardisieren, deren Entwicklung jedoch noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird.

Für die Hersteller wird es immer schwieriger, den Überblick darüber zu behalten, welche PDNs sich auf ihre Produkte auswirken. Falls etwas übersehen wird, kann dies ein erzwungenes Neudesign für den Eigentümer des Gesamtsystems mit allen damit verbundenen Kosten zur Folge haben: Teilen die Unterlieferanten ihre Stücklisten? Verfügen die Unterlieferanten über angemessene Management-Prozesse für Überalterung? Dies sind wichtige Fragen, auf die es eine Antwort geben muss.

Seite 1 von 2

1. EOL ist nicht das Ende der Welt
2. Last-Time-Buy – was muss vorhergesehen werden?

Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenAuf Linkedin teilenVia Mail teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Die großen Herausforderungen für die Elektronikbranche
176-Layer-NAND-IC
20 Mio. Dollar für deutschen Start-up

Verwandte Artikel

Rochester Electronics