Renesas Electronics

»Nicht mehr Fast Follower, sondern führendes Unternehmen«

13. Oktober 2020, 14:08 Uhr   |  Iris Stroh

»Nicht mehr Fast Follower, sondern führendes Unternehmen«
© Renesas

Dr. Sailesh Chittipeddi, Renesas Electronics: »Unsere Wachstumstreiber sind trotz Covid-19 zum Großteil intakt. In manchen Märkten sind die Bedarfe sogar gestiegen, was sich positiv auf die Umsätze der IIBU auswirkt.«

Renesas Electronics schafft ausgerechnet in einem schwierigen Marktumfeld die Wende. Einen entscheidenden Beitrag leistet die IoT and Infrastructure Business Unit (IIBU).

Wir sprachen mit Dr. Sailesh Chittipeddi, heutiger Executive Vice President und General Manager der IIBU bei Renesas Electronics sowie ehemaliger Executive Vice President, Global Operations und CTO von Integrated Device Technology.

Frage: 50 Prozent des Umsatzes von Renesas kommt aus der IIBU; mit Blick auf die Gewinne steht die Business Unit sogar noch besser da. Covid-19 hat die Automotive Solution Business Unit (ABU) von Renesas wie die gesamte Automobilindustrie hart getroffen. Wie sieht es mit der IIBU aus?

Dr. Sailesh Chittipeddi: Die bereits Anfang des Jahres beschriebenen Megatrends, die das Wachstum in der IIBU treiben, haben weiterhin ihre Gültigkeit, daran hat auch Covid-19 nichts geändert.

Worum geht es bei diesen Megatrends?

Vereinfacht formuliert geht es bei allen diesen Trends um Daten. Der erste Trend ist die zunehmende Fragmentierung bei Datenzentren hin zu Virtualisierung, Memory Cluster und Processing Cluster, was die Rolle der Vernetzung entscheidend macht. Dazu kommt der Anlauf von 5G und der letzte Trend besteht darin, dass immer mehr Intelligenz in die Endpunkte wandert. Diese drei Trends haben auch jetzt noch ihre Gültigkeit.

Bei Datenzentren reden wir bei Renesas nicht von Prozessoren, sondern von Komponenten für den Datenfluss zwischen Speicher und CPU, sprich: Memory-Interface-Produkte. Mit diesen Komponenten erzielen wir einen großen Umsatzanteil im Infrastrukturbereich; dazu kommen Komponenten für Digital Power, Timing sowie optische Komponenten. Beim Thema Timing, aber auch bei den optischen Komponenten war IDT schon immer stark, wobei das Geschäft mit optischen Komponenten für uns erst dann wirklich interessant wird, wenn auf 200/400-Gigabit-Ethernet migriert wird.

Der Anlauf bei 5G bezieht sich derzeit nur auf Sub-6-GHz, aber dafür haben wir HF-, Timing- sowie optische Komponenten. Darüber hinaus werden wir in diesem Jahr noch ICs auf den Markt bringen, die auf die Power-Anwendungen bei 5G abzielen.

Und wenn es um KI im Edge und am Endpunkt geht, dann sind unsere MCUs und MPUs das Kerngeschäft in diesem Segment. Wir haben unsere Roadmap im MCU/MPU-Bereich neu ausgerichtet. Ende letzten Jahres beispielsweise haben wir ARM-basierte Mikrocontroller aus der RA-Familie auf den Markt gebracht. Dazu kommen MPUs, mit denen wir von der Motorsteuerung bis hin zu Grafik- und Kameraanwendungen alles abdecken können. Die RZ-Familie, insbesondere der RZ/V2M, wandert primär in Videoanwendungen, und hier zeichnen sich diese Produkte durch die niedrigste Leistungsaufnahme aus. Das heißt, der Entwickler erhält ein Produkt mit einer Rechenleistung auf GPU-Niveau, aber zu einem Bruchteil der Kosten und mit einem Bruchteil der Leistungsaufnahme.

Wie sehen derzeit die Umsatzanteile in den verschiedenen Applikationsbereichen der IIBU aus?

Das Industriesegment ist mit einem 40-prozentigen Anteil immer noch das größte Umsatzsegment für die IIBU, IoT trägt bereits 35 Prozent bei und auf den Infrastrukturbereich entfallen 25 Prozent.

Aber der Infrastrukturbereich zeichnet sich bereits heute durch deutlich höhere Wachstumsraten aus, sodass sich der Anteil zugunsten dieses Segments verändern wird. Wir gehen davon aus, dass wir in diesem Bereich in Zukunft stärker als der Marktdurchschnitt wachsen werden, getrieben durch neue Produkte, die es uns erlauben, den Content in diesem Bereich zu erhöhen. Auf dem Industrie- und IoT-Markt dürfte unser Wachstum dem Marktdurchschnitt entsprechen.

Beruht ein Großteil des Infrastruktur-Geschäfts auf dem Ex-IDT-Geschäft?

Ex-IDT und Ex-Intersil, wobei ein Teil auch auf Renesas-Produkten wie Low-Latency- und High-Bandwidth-Speicherprodukte sowie ASICs beruht.

ASICs erfahren derzeit eine Renaissance; Renesas war hier mal ein großer Player, ist dann aber wie fast alle aus dem Geschäft ausgestiegen. Wie beurteilen Sie das ASIC-Geschäft heute?

In der Vergangenheit haben wir jedes ASIC-Geschäft gemacht, egal welche Margen damit verbunden waren. Das hatte früher zu einer ungesunden Kultur geführt. Ich bin überzeugt, dass es durchaus gute Möglichkeiten für ASICs gibt, man muss aber die richtigen Projekte machen.

Stimmt, das ASIC-Geschäft erlebt derzeit eine Wiederbelebung, und die Zeiten, in denen die ASIC-Preise am Boden waren, sind definitiv vorbei. In ausgewählten Bereichen haben wir einzigartige Kompetenzen – und hier werden wir auch ASICs realisieren, aber eben nur die, die wirtschaftlich sinnvoll sind. Wir machen übrigens heute schon 7-nm-ASICs für Security-Kunden. Ich bin mir sicher, ähnliche komplexe Designs werden folgen.

Wobei ich anmerken möchte, dass im Industriebereich beispielsweise der Trend eher in Richtung Standardkomponenten geht. Früher haben wir für diesen Markt viele ASICs entwickelt, heute gehen wir verstärkt auf ein MPU-getriebenes Modell über.

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1. »Nicht mehr Fast Follower, sondern führendes Unternehmen«
2. Das Kerngeschäft von Renesas
3. Differenzierungsmerkmale
4. "Deeper and Broader"

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