Infineons virtuelle Superfab

Trotz der Krisen gut in der Spur

10. November 2020, 08:49 Uhr   |  Heinz Arnold

Trotz der Krisen gut in der Spur
© Infineon

Dr. Reinhard Ploss, CEO Infineon: »Wir bauen nicht nur eine neue Fab in Villach sondern eine standortübergreifende virtuelle Super-Fab.«

Spurlos ist das Corona-Jahr an Infineon nicht vorbei gegangen: Das Ergebnis fiel um 50 Prozent. Doch ist Infineon bisher erstaunlich gut durch die Krise gekommen und die Cypress-Übernahme liegt im Plan.

Wie berichtet kommt Infineon 2020 auf einen Umsatz von 8,6 Mrd. Euro (um Cypress bereinigt 7,7 Mrd. Euro), was um 7 Prozent über dem von 2019 liegt. Das Betriebsergebnis sank von 1,2 Mrd. Euro auf 580 Mio. Euro 2020. Dennoch bezahlt infineon auch für dieses Jahr eine Dividende. Die Operators, die die Produktion durch ihren bedoneren Einsatz aufrecht erhalten haben, bekommen einen Bonus für dieses Jahr.

»Ein gelungenes Geschäftsjahr, das zeigt, dass unser Geschäftsmodell stabil ist«, sagt Vorstandsvorsitzender Reinhard Ploss. Deshalb wurden zwar an einigen Stellen harte Sparmaßnehmen getroffen – darunter Einstellungsstopp und Verschiebung von Lohnerhöhungen – was insgesamt 2020 zwischen 100 und 150 Mio. Euro brachte, aber es wird auch weiter investiert, um für steigende Nachfrage, vor allem im Sektor der Leistungshalbleiter, gerüstet zu sein.

So befindet sich der Bau der neuen 300-mm-Fab in Villach in Plan. Zwar würden jetzt auch andere Wettbewerber in 300-mm-Fabs investieren, »wir haben aber einen erheblichen Vorsprung, den wir jetzt ausbauen.« Da erinnert er sich lächelnd daran, als Infineon vor Jahren bekannt gegeben hatte, Leistungshalbleiter auf 300-mm-Wafern fertigen zu wollen. »Damals hieß es noch, das sei kompletter Unfug, jetzt zeigt sich, dass wir ein gutes Händchen hatten.« Der Start der Produktion ist für Ende 2021 vorgesehen.

Doch geht die Strategie von Infineon geht weit über die eine Fab hinaus: »Wir bauen nicht nur eine neue Fab in Villach sondern eine standortübergreifende virtuelle Super-Fab«, sagt Ploss. Damit meint er, dass die neue Fab identisch zu der in Dresden ausgelegt sein wird. Dass es funktioniert hat Infineon bereits bewiesen: während der Fertigung hat Infineon das Fertigungssystem der bestehenden 300-mm-Fab in Villach auf die 300-mm-Fab in Dresden übertragen. Jetzt wird es möglich, die Bedarfe zwischen den Fabs hin- und herzuschieben, um die einzelnen Werke optimal auszulasten. Ein Softwaresystem wird in der Lage sein, Prognosen der Bedarfsentwicklung zu geben zu geben. »Mit der virtuellen Super-Fab setzen wir einen neuen Maßstab bezüglich Geschwindigkeit, Qualität und Flexibilität für die Fertigung von Leistungshalbeitern«, freut sich Ploss.

Neue 300-mm-Fab in Villach im Plan

Dass an den Investitionen für die neue Fab in Villach und der Fertigung von Leistungshalbleitern auf 300-mm-Wafern nicht gespart werden soll, hat seinen Grund: Trotz Corona stehen die Zeichen weiter auf Wachstum für die Leistungshalbleiter: Ein Drittel des weltweiten Energiebedarfs wird schon heute in Form von Elektrizität bereitgestellt, Tendenz steigend. Die ICs von Infineon sind überall dabei: Von den Erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne, die den Strom erzeugen, über den Transport bis zu den Ladestationen und in den Endgeräten sorgen sie dafür, dass die Energie entlang der gesamten Wertschöpfungskette effizient erzeugt, verteilt, bereit gestellt und in den Geräten genutzt wird. Dazu kommt das IoT, das Ploss als den »wichtigsten Technologietrend unserer Zeit« bezeichnet. Dafür bietet Infineon die Sensoren, die die digitalen Daten für die Controller liefern, die wiederum die Steuersignale an die Aktuatoren ausgeben. Zudem sind die Geräte unter sich und mit der Cloud vernetzt.

Der Automobilmarkt befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel, hier stehen aber ebenfalls alle Zeichen auf Wachstum für Infineon: Die Autos werden elektrifiziert, sie fahren zunehmend autonom und sie werden vernetzt, die E-Mobilität bekommt neue Schub: Das Interesse der Verbraucher in Europa und Deutschland steigt. »Im September wurden in Deutschland vier Mal mehr E-Fahrzeugen zugelassen als im Vormonat«, sagt Reinhard Ploss. »Jedes Zehnte neu zugelassene Auto hat einen Elektromotor.« Davon profitiert Infineon: Allein im neuen ID.3 von VW sind 50 Halbleiter von Infineon verbaut. Der Wert der Halbleiter im E-Auto steigt gegenüber Verbrennern um 80 Prozent, drei Viertel davon machen Leistungshalbleiter aus. »Wir haben früher als der Wettbewerb investiert, das zahlt sich jetzt aus«, so Ploss. Infineon verfüge über das breiteste Produkt- und Technologie-Portfolio in diesem Sektor und es gebe eine klare Roadmap für den weiteren Ausbau.

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2. SiC ist ein Kernelement für den Erfolg

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