Knappheit bis Ende 2022

Steigende Lieferzeiten und einige Lichtblicke

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Rüdiger Zahn, Auris »Der weltweite Mehrbedarf wird durch erweiterte Produktionskapazitäten aufgefangen und wir werden zu marktgerechten Lieferzeiten zurückkehren.«
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Die Hersteller und Distributoren von frequenzgebenden Produkten geben sich alle Mühe, in angemessenen Zeiten liefern zu können. Dennoch herrscht teilweise Allokation, die Lieferzeiten und die Preise steigen.

Ich bin nun schon seit 30 Jahren in der Branche aktiv und habe schon viele Zyklen erlebt, aber so eine Situation wie derzeit noch nicht«, sagte Rüdiger Zahn, Geschäftsführer von Auris, gegenüber Markt&Technik. Die Lieferzeiten steigen schnell und auch die Nachfrage: »Wer bisher 1000 Stück bestellte, benötigt jetzt ein Mehrfaches davon.«

Auch Stefan Hartmann, Department Manager von Epson Europe Electronics, spürt den Mangel, wie er im Gespräch mit Markt&Technik erklärte: »Die diversen Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie haben Einfluss auf unsere eigene Produktion, auf die Produktion unserer Zulieferer sowie auf die Transportwege, sodass wir leider nicht 100 Prozent unserer Kapazität zur Verfügung haben. Deshalb haben sich die Lieferzeiten für die meisten Serien deutlich erhöht.« Für einige Serien bestehe sogar Allokation, der Bedarf übersteige also die weltweit verfügbare Fertigungskapazität nicht unerheblich. Zudem bestünden Lieferengpässe und Verknappung durch die gesamte Lieferkette und Zulieferinfrastruktur. »Natürlich helfen uns als führendem Hersteller für Taktgeber langfristige Lieferverträge, um diese Einflüsse zu minimieren«, so Hartmann.

Eine große Rolle hatte auch das Verhalten der Kunden zu Beginn der Corona-Pandemie gespielt: Im April, Mai und Juni vor einem Jahr waren sie verunsichert und bestellten zurückhaltend. »Dann kam ein starker Nachfrageanstieg, das hat die Situation so richtig verschärft«, sagt Roland Petermann von Petermann Technik.

PETERMANN-TECHNIK
Roland Petermann, Petermann Technik »Die Situation bringt uns neue Kunden, und die wollen wir langfristig halten, durch eine faire Preisstruktur und Lieferfähigkeit.«
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Rüdiger Zahn macht darauf aufmerksam, dass die weltweiten Quarz-Produktionslinien mehr Kapazitäten zur Verfügung hätten, als der Markt brauche. Weil die Anwender nach dem Ausbruch der Corona-Krise weniger bestellt hätten und im Herbst dann deutlich mehr, sei das empfindliche Verhältnis aus dem Gleichgewicht geraten. »Da reichen schon relativ kleine Schwankungen aus, um heftige Wirkungen auszulösen. Das war im vierten Quartal der Fall.«

Es komme aber laut Petermann noch etwas hinzu: »Viele Produkte wurden abgekündigt, vor allem weil die Gehäusehersteller ihre Angebotspalette bereinigt haben.« Zudem seien die Gehäuse generell knapp, besonders weil aus Asien während des Lockdowns weniger geliefert wurde. Das betreffe neben verschiedenen Keramikgehäusen auch die älteren Kunststoffgehäuse. Besonders knapp seien 32,678-kHz-Quarze im 3,2 mm × 1,5 mm großen Keramikgehäuse: »Hier liegen die Lieferzeiten vieler Marktteilnehmer bei 60 Wochen und länger.«

Das stellt auch Rüdiger Zahn fest: Die 3,2 mm × 2,5 mm großen Keramikgehäuse seien schon über die vergangenen Jahre die High-Runner gewesen. »Wir weichen teilweise auf die Typen mit Flächen von 2,5 mm × 2,0 mm und 2,0 mm × 1,6 mm aus.«

Nathalie Friebe, Chief Officer PR & Marketing von Red Frequency, sieht die Situation relativ entspannt: »Unsere Lieferzeit beträgt üblicherweise vier bis sechs Wochen. Momentan brauchen wir manchmal etwas mehr Vorlauf und bewegen uns zwischen sechs und acht Wochen. Vor allem bei Quarzoszillatoren können es zehn Wochen werden. Das ist aber das Maximum.« Es komme zwar vor, dass Anfragen abgelehnt werden müssten, die überwiegende Mehrheit könne aber beliefert werden.

Auch sein Unternehmen sei lieferfähig, sagt Roland Petermann, die Bestandskunden könnten relativ problemlos versorgt werden. Wer 1 Million Clock-Oszillatoren bestelle, der bekomme sie in sechs bis acht Wochen. Bei kHz-Oszillatoren könnten es acht bis zehn Wochen werden, für Oven Controlled Oscillators (­OCXOs) zwölf Wochen.

Also steigen die Preise – aber die von Markt&Technik befragten Firmen sprechen von moderaten Preisanstiegen. »Wenn die Gehäusepreise zum Beispiel wie für 32,768-kHz-Quarze in Keramikgehäusen steigen, müssen wir unsere Preise eben auch anheben«, erklärt Petermann. Weil er aber über viele Jahre – Petermann-Technik feiert am 1. Oktober den 25. Geburtstag – stabile Beziehungen zu den Zulieferern aufgebaut habe, könne er relativ gut liefern. Deshalb sieht er die Situation für sein Unternehme sehr positiv: »Wir können den Aufschwung komplett mitnehmen, eben weil wir liefern können.« Das gelte nicht nur für Bestandskunden: »Die Situation bringt uns neue Kunden, und die wollen wir langfristig halten, durch eine faire Preisstruktur und Lieferfähigkeit.« Warum ist das so? »Weil wir die Situation rechtzeitig erkannt haben«, antwortet Petermann. »Unsere Zulieferer konnten ihre Kapazitäten für uns steigern.« Das sei aber auch harte Arbeit gewesen: Die Weihnachtszeit hat Petermann praktisch durchgehend am Telefon verbracht, »dadurch konnten wir Dinge realisieren, die andere nicht geschafft haben«.


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