Ein Maker-Board feiert Geburtstag

10 Jahre Raspberry Pi

7. März 2022, 11:00 Uhr | Tobias Schlichtmeier
Raspberry Pi
Neben dem Basismodul des Raspberry Pi, sind inzwischen viele weitere Zusatzmodelle verfügbar.
© Daniel CHETRONI | stock.adobe.com

Als die Entwickler des Raspberry Pi vor ziemlich genau 10 Jahren das erste Modell auf den Markt brachten, rechneten sie damit, etwa 10.000 Stück zu verkaufen. Inzwischen wurden über 45 Mio. Exemplare vertrieben. Unzählige Projekte sind seitdem entstanden – und es werden täglich mehr.

Vor ziemlich genau 10 Jahren – am 29.02.2012 – war es so weit: Das erste Modell des Raspberry Pi kam auf den Markt. Entwickelt von Ingenieuren und Experten der Computer-Branche, die sich bereits 2008 in der Raspberry Pi Foundation zusammengeschlossen haben und den Pi unter diesem Namen außerdem vertreiben. Nachdem die Stückzahlen wider Erwarten die Marke von 100.000 überstiegen, wurden erste Distributionspartner gesucht und in Farnell und RS Components gefunden. Laut Eben Upton, einem der Gründer, erreichte man bereits am ersten Abend die Marke von 100.000 Bestellungen. Diese konnte man laut Upton bis Ende Oktober 2012 ausliefern, zu der Zeit arbeitete man bereits am Model B der ersten Version. Laut Upton wurden schon in den ersten 12 Monaten eine Million Stück des beliebten Einplatinencomputers verkauft – heute sind es über 45 Millionen verkaufte Exemplare. Produziert wurde zunächst in China, bereits seit September 2012 jedoch in Wales in einer Sony-Fertigung.

Die ursprüngliche Idee hinter dem Pi-Rechner war, der sinkenden Anzahl an Informatikstudenten an der Cambridge University entgegenzuwirken. Man wollte den Studenten eine einfache Möglichkeit an die Hand geben, schnell und spielerisch eigene Programme zu entwickeln. Zudem kostete der erste Rechner lediglich 35 US-Dollar – der Preis ist bis heute nahezu stabil geblieben. Lediglich der Preis des aktuellen Models 4B liegt etwas höher. Raspberry – englisch für Himbeere – knüpft an den Erfolg anderer großer Computerhersteller mit Obstnamen wie Apple an. Pi stand ursprünglich für Python Interpreter, da der Bastelcomputer mit einem vorinstallierten Python-Interpreter geliefert werden sollte.

Junge Menschen für MINT-Berufe begeistern

Inzwischen hat es der Raspberry Pi weit über den Status eines »Bastelcomputers« hinausgeschafft. Viele Unternehmen wie Kunbus oder Kontron Electronics, haben den Einplatinencomputer in Industrie-Produkte implementiert. Auch die Foundation hat die Entwicklung weiter vorangetrieben. So gibt es inzwischen fünf weitere Generation des ursprünglichen Grundmodells, mit teilweise weiteren Sub-Modellen. Seit Juni 2019 ist das aktuelle Modell 4B des beliebten Einplatinencomputers auf dem Markt. Zudem hat die Foundation weitere Modelle auf Basis des Raspberry Pi Grundmodells entwickelt, zum Beispiel den Pi Zero, das Compute Module oder den Pi Pico. Zudem ein Kamera-Modul, Displays, Gehäuse und Kabel. Außerdem eine breite Palette an Aufsteckmodulen, den sogenannten »HATs« (Hardware attached on top). Herzstück der Rechner sind CPUs von Broadcom. Sie basiert auf der Arm-Architektur, im aktuellen Modell 4B arbeitet ein Arm Cortex A-72-Kern mit 1.500 MHz. Inzwischen hat die Foundation sogar eine eigene CPU entwickelt – der »RP2040« kam im Januar 2021 auf den Markt. Sie wird zum Beispiel beim Raspberry Pi Pico verbaut, aber genauso auf Arduino- oder SparkFun-Boards. Beim Betriebssystem arbeiteten die Ingenieure um Upton zunächst am sogenannten »Raspbian«, einer auf Debian basierenden Arm-v6-Portierung. Diese bildet die Grundlage für das heutige eigene Betriebssystem »Raspberry Pi OS«.

Laut Upton gibt es eine breite Palette an Einsatzbereichen: So sei der Pi bereits in der internationalen Raumstation mitgeflogen, in Wetterballons und wurde in Supercomputern verbaut. Außerdem hätten gerade während der Pandemie, viele Kinder mit dem Pi zu Hause das Programmieren erlernt. Gerade im Bereich MINT-Berufe leistet die Foundation eine gute Pionierarbeit. Sie erstellt Lehrpläne und Lehrerausbildungsprogramme, die dazu beitragen, die Qualität der Computerausbildung in Schulen zu verbessern. Zudem engagieren sich junge Menschen in »Code Clubs« oder »Coder Dojos«. Partnerschaften mit Jugend- und Gemeindeorganisationen runden die Tätigkeiten der Foundation ab.

Zum Erfolg beigetragen hat auch die breite Entwickler-Community, die ihre Projekte auf diversen Plattformen frei zugänglich veröffentlicht. Somit ist es einfach möglich, interessante Projekte nachzubauen und eigene Projekte mit anderen zu teilen. Ein guter Grund, warum die Raspberry Pi Foundation und alle Entwickler voller Vorfreude auf den nächsten 10 Jahre blicken können.


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