Corona und Leistungshalbleiter

Abgesackt auf das Umsatzniveau von 2016

25. Juni 2020, 08:24 Uhr   |  Engelbert Hopf

Abgesackt auf das Umsatzniveau von 2016
© m.mphoto / AdobeStock

Als Folge der gegen die Corona-Pandemie getroffenen Maßnahmen rechnen die Analysten von Omdia mit Umsatzrückgängen in Höhe von mehreren Milliarden Dollar im Leistungshalbleiterbereich. Besonders betroffen von den Einbrüchen sind Standard-MOSFETs und Gleichrichter. 

Auch wenn Prognosen zur Marktentwicklung in einzelnen Bereichen elektronischer Bauelemente derzeit von vielen Einflussfaktoren abhängig sind, so haben die Marktforscher von Omdia in den letzten Monaten doch versucht, die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Leistungshalbleiter-Branche abzuschätzen. Basierend auf ersten Untersuchungen Ende April dieses Jahres haben die Analysten ihre ursprüngliche Voraussage um 9,1 Prozent nach unten korrigiert. 

Gegenüber dem Vorjahr gehen die Marktforscher von Omdia deshalb von einem Umsatzrückgang um 6,9 Prozent aus. Statt der 46,3 Milliarden Dollar des Vorjahres dürften es demnach 2020 aller Voraussicht nach nur 43,1 Milliarden Dollar werden. In den Augen von Richard Eden, Senior Principal Analyst für Power Semiconductors bei Omdia, »hat der Markt für diskrete Leistungshalbleiter und -module damit in etwa wieder das Umsatzniveau des Jahres 2016 erreicht«.

Heruntergebrochen auf einzelne Produktbereiche geht Kevin Anderson, Senior Analyst für Power Semiconductors bei Omdia, vorerst von einem Umsatzrückgang von 10,6 Prozent aus. Bei diskreten Leistungshalbleitern fällt das Minus mit 10,7 Prozent etwas höher aus, bei Leistungshalbleitermodulen sind es hingegen nur 10,3 Prozent Minus. Vor diesem Hintergrund gehen die Analysten bei Omdia davon aus, dass der Umsatz mit Standard-MOSFETs in diesem Jahr um 16,5 Prozent sinken wird. Das entspricht einem Umsatzrückgang um rund 1,4 Milliarden Dollar. Anderson geht davon aus, dass der Markt für Standard-MOSFETs nicht vor 2024 wieder das Niveau des Jahres 2018 erreichen wird. 

Für den Bereich Power-ICs rechnet er mit einem Umsatzrückgang von 3,4 Prozent. »Damit fallen alle Umsatzzugewinne seit 2016 flach«, so Anderson; »der Markt bewegt sich 2020 wahrscheinlich wieder bei einem Umsatzvolumen von 23,4 Milliarden Dollar«. Bei bipolaren Leistungshalbleitern gehen die Analysten von einem Rückgang um 15 Prozent aus, bei IGBTs erwarten die Marktforscher einen Umsatzrückgang von 6,8 Prozent. Vergleichsweise gering scheinen die Einbußen bei Gleichrichtern und Thyristoren zu sein; hier wird ein Minus von weniger als 1 Prozent gegenüber 2019 erwartet.

»Großteils kommen die Umsatzrückgänge im Bereich diskreter Leistungshalbleiter aus dem Computer- und Datenspeicherbereich«, erläutert Eden. »Der Trend geht in diesem Anwendungsbereich weg von diskreten Lösungen hin zu stärker integrierten Lösungen; dazu kommt noch der Rückgang bei PCs.« Eden weist aber auch darauf hin, dass die größten Einbrüche im Commodity-Bereich erfolgen, »also bei den Produkten, die weltweit in den verschiedensten Leistungselektronikanwendungen zu finden sind, und das sind vor allem MOSFETs und Gleichrichter«. 

Im Bereich Power-Module sind des vor allem die Standard-IGBT-Power-Module und die IGBT-IPMs, die dieses Jahr Umsatzrückgänge von voraussichtlich 11,1 und 15,6 Prozent hinnehmen müssen. Bei MOSFET-Modulen rechnen die Analysten mit einem Rückgang von 11,9 Prozent. Im Gegensatz zum Markt diskreter Leistungshalbleiter gehen die Marktforscher bei Leistungshalbleiter-Modulen für 2021 von keiner nachhaltigen Erholung aus. Stattdessen erwarten sie erst für 2023/24 eine Markterholung in diesem Bereich.

Blickt man auf die verschiedenen Anwendungsmärkte für Leistungshalbleiter, dann ergaben Analysen, die Omdia im Juni veröffentlichte, dass der Absatz diskreter Leistungshalbleiter und Power-ICs in diesem Jahr im Automotive-Bereich voraussichtlich um 17 Prozent zurückgehen wird. Leistungshalbleiter-Module profitieren dagegen stark von der steigenden Produktion von Elektro- und Hybridfahrzeugen. Aus diesem Grund erwarten die Analysten für sie 2020 nur einen Umsatzrückgang von 8 Prozent. 

Unterschiedliche Entwicklungen dokumentiert auch die Betrachtung der verschiedenen Anwendungen im Automobil auf. So rechnen die Marktforscher für den ADAS-Modulmarkt nur mit einem Umsatzrückgang von 3 Prozent. Für Leistungshalbleiter im Antriebstrang ist dagegen mit einem Umsatzrückgang von 13 Prozent zu rechnen. Für die anderen Applikationen im Auto von Komfort bis Sicherheit erwarten die Analysten dagegen für 2020 Umsatzrückgänge im Bereich hoher Zehner- oder niedriger Zwanziger-Prozentzahlen. 

Kann eine zweite Pandemie-Welle verhindert werden und steht spätestens Anfang 2021 ein Impfstoff gegen Covid-19 zur Verfügung, rechnen die Marktforscher von Omdia für Leistungshalbleiter im Automotive-Bereich mit einem deutlichen Umsatzanstieg, der bis zu 25 Prozent erreichen könnte. Ob der Konsumgüterbereich dagegen wie erwartet am schnellsten wieder zur Normalität zurückkehrt, wird entscheidend davon abhängen, wie viele Menschen im Zuge der Corona-Pandemie ihre Arbeit verlieren oder befürchten, diese zu verlieren. Am langsamsten, da ist sich Eden sicher, »wird sich der Industriebereich von den Auswirkungen der Corona-Pandemie erholen«. 

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