Emotionaler Hilferuf

»Die Preisspirale ist überdreht!«

26. April 2021, 11:46 Uhr   |  Heinz Arnold

»Die Preisspirale ist überdreht!«
© ZVSHK

Michael Hilpert, Präsident des ZVSHK: »Es reicht! Das sage ich als Präsident des ZVSHK aber auch als betroffener SHK-Unternehmer an die Adresse unserer Marktpartner aus Industrie und Großhandel. Massive und überraschende Preissprünge können wir eben nicht an unsere Kunden weiterreichen!«

Mit diesem Aufschrei will der ZVSHK auf die prekäre Lage der SKH-Unternehmer aufmerksam machen: »Wir können die exorbitanten Preissteigerung nicht beim Kunden abladen!«

Das SHK-Handwerk (Sanitär/Heizung/Klima) drohe zwischen der Industrie, dem Großhandel und dem Online-Handel zerrieben zu werden. Mit diesem eindringlichen Apel wendet sich Michael Hilpert, der Präsident des Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK), an Industrie und Großhandel: »Es reicht! Das sage ich als Präsident des ZVSHK aber auch als betroffener SHK-Unternehmer an die Adresse unserer Marktpartner aus Industrie und Großhandel. Es reicht! Anders als diese können wir im SHK-Handwerk das Problem der aktuell gegebenen exorbitanten Preissteigerungen bei Baumaterialien eben nicht so einfach bei unseren Kunden abladen.«

Das zeigt, dass auch die Nachbarmärkte der Elektronik, Elektrotechnik und des Elektrohandwerks von der bisher in dieser Form noch nicht dagewesenen Knappheit und Preissteigerungen hart betroffen sind.
 
Es sei fast täglich zu lesen, zu hören und zu sehen, so Michael Hilpert: Die Einkaufspreise für Baumaterialien würden in kurzen Intervallen ohne ausreichenden Vorankündigungszeitraum angezogen. Zwei bis drei Preissteigerungen seien für ein und dasselbe Produkt in immer kürzer werdenden Abständen keine Seltenheit mehr: »Uns, als letzte Stufe im Vertriebsweg, stellt das vor massive Probleme.«
 
Preiserhöhungen seien zwar generell nachvollziehbar: Kein Unternehmen könne erfolgreich arbeiten, wenn die Preise nicht auskömmlich sind. Dann müsse das SHK-Handwerk aber auch die erforderlichen Preissteigerungen an den Kunden weiterreichen können. »Dabei fühlen wir uns gerade allein gelassen. Denn wie sollen wir so bei mittel- bis langfristigen Baumaßnahmen vernünftig kalkulieren und vor allem bei bereits abgeschlossenen Verträgen nachträgliche Kostensteigerungen weitergeben? Verlässlichkeit in der Marktpartnerschaft sieht anders aus. Völlig egal, worin die Gründe für die teils massiven Preissteigerungen liegen. Dass Hersteller und Großhandel sich hier kalt lächelnd zurücklehnen und im Zweifel das SHK-Handwerk die Suppe auslöffeln lassen, empfinde ich als offenen Affront!«
 
Das SHK-Handwerk habe es ohnehin schwer genug, sich im dreistufigen Vertriebsweg zu behaupten: »Wir kämpfen jeden Tag darum, Kunden nicht an den Onlinehandel zu verlieren. Die völlig außer Kontrolle geratene Preisspirale beschert uns da zur Unzeit einen wachsenden Vertrauensverlust der Endkunden. Wenn Materialpreissteigerungen sich im üblichen zeitlichen Rahmen bewegen, können wir damit kalkulieren. Aber doch nicht, wenn – wie jetzt geschehen – kurzfristig Steigerung auf Steigerung erfolgt. Die Preise galoppieren; die Medien sprechen schon von einer „Bauflation“. Der Preis ist heiss – zu heiss!«
 
Deshalb appelliert er an alle Hersteller und Großhändler unserer Branche: »Reicht Eure Preiserhöhungen „verträglich“ weiter! Begründet sie! Macht sie transparent! Konfrontiert uns nicht mit so kurzen Fristen, dass unsere Materialkalkulationen das Papier nicht wert sind, auf dem sie stehen. Massive und überraschende Preissprünge können wir eben nicht an unsere Kunden weiterreichen. Vertrauen in unsere Liefer- und Kundenbeziehungen ist ein hohes Gut. Und es wird immer wichtiger für den Erfolg am Markt. Ich kann nur warnen: Verspielt dieses Vertrauen nicht.
 
Den Kolleginnen und Kollegen in den Innungsbetrieben empfiehlt er: »Befristet Eure Angebote! Oder verseht sie zumindest mit einem Preissteigerungsvorbehalt!« Eine weitere Option, kurzfristigen Preissteigerungen nicht tatenlos zusehen zu müssen, bestünde darin, sich angebotsbezogen angefragte Einkaufspreise bis Projektabschluss zusichern zu lassen. Ein Merkblatt des ZVSHK gibt hierzu weitere Hinweise und Tipps.

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