Kommentar

Mehr Lobbyarbeit wagen

29. Oktober 2010, 12:00 Uhr   |  Heinz Arnold

Mehr Lobbyarbeit wagen
© Energie&Technik

Heinz Arnold, Chefredakteur Energie&Technik

Ein schönes Wachstum prognostizieren Analysten den Leistungshalbleitern. Da fallen vielen sofort die Schlagworte ein, denen im Moment niemand entgehen kann: Erneuerbare Energien, Smart Grid, Smart Metering, Elektromobilität. Auch wenn das Wachstum vor allem die vielen Consumer-Anwendungen treiben – von den portablen Geräten über Fernseher bis zur Weißen Ware: Wer jetzt über ein gutes Portfolio an Leistungshalbeitern verfügt, die in Smart Grids, Windkraft und Photovoltaik, Hybrid- und Elektroautos Einsatz finden können, der profitiert.

So richtig beeindruckend sehen wir das Ganze auf den Skizzen, denen man im Moment genauso wenig entgehen kann, wie den Schlagwörtern: Große Energiemengen erreichen uns aus Off-shore-Windanlagen und aus der Sahara (Desertec), viel Energie produzieren auch dezentrale Anlagen, die übers Land verteilt sind. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Elektroautos – nicht nur, weil sie vermeintlich so sauber sind, sondern weil sie einmal die Rolle des Energiespeichers übernehmen könnten, der heute als wesentliches Element eines Smart Grid leider noch vollständig fehlt.

Auf den Bildern sind übrigens ganz verschämt hin und wieder auch ein paar Strommasten zu sehen, denn transportiert werden muss die Energie ja auch.

Gerade der Transport darf aber nicht unterschätzt werden. Experten gehen davon aus, dass wer den Blick heute über die Landschaft schweifen lässt und eine paar Strommasten sieht, sich in seiner Phantasie zu jedem einzelnen diese Masten vier bis fünf weitere hinzudenken darf. Sie wären erforderlich, wenn der Anteil der erneuerbaren Energie bis 2050 so steigt wie geplant.

Wer weiß, dass es schon heute fast unmöglich ist, eine neue Stromtrasse von ein paar hundert Kilometern in der erforderlichen Zeit zu bauen, der dürfte ins Grübeln geraten. »Hochspannungs-Stromtrassen, ja bitte!«, es dürfte interessant sein, zu verfolgen, wie etwa Umweltverbände ihre Anhänger im Interesse der Erneuerbaren Energien von diesem Slogan überzeugen wollen.

Das zeigt: Wie sich die potenziell für Leistungselektronik und Halbleiter so attraktiven Märkte entwickeln werden, ist in hohem Maße von politischen Entscheidungen abhängig.

Weil gerade der Halbleiterindustrie das Thema Energieeffizienz nicht neu ist, weil ohne ihre Produkte kein einzige Element aus den oben beschriebenen Skizzen denkbar wäre und schon gar nicht deren Vernetzung, wäre es wichtig, dieses Wissen in die politische Diskussion einfließen zu lassen.

Die Lobbyarbeit zu verstärken und nicht als rausgeschmissenes Geld zu betrachten, ist also das Gebot der Stunde. Leider steht die Industrie, die wie kaum eine andere Branche einen so reichen Erfahrungsschatz rund um Energieeffizienz gesammelt hat, mit der Lobbyarbeit noch etwas am Anfang.

Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenAuf Linkedin teilenVia Mail teilen