Exklusive Branchenumfrage

Was die Automotive-Krise für die Bauelemente-Hersteller bedeutet

07. April 2020, 10:47 Uhr   |  Engelbert Hopf

Was die Automotive-Krise für die Bauelemente-Hersteller bedeutet
© Ansys

Die drastischen Einbrüche in der Automobilproduktion haben aktuell sehr unterschiedliche Auswirkungen auf die Bauelementebranche: Eine exklusive Umfrage ergab ein breites Reaktionsspektrum - von "business as usual" bis zur Alarmstimmung.

Aktuell meldet die Vereinigung der europäischen Automobilzulieferer, kurz CLEPA, in vereinzelten Zuliefersparten Einbrüche bis zu 60 Prozent durch die verschiedenen staatlichen Shutdown-Maßnahmen in Europa. Andere sprechen von Einbrüchen bis zu 40 Prozent. Aus Sicht der Bauelemente-Hersteller für den Automotive-Bereich stellt sich das etwa für Bourns, nach Aussage von Ferdinand Leicher, Vice President Sales EMEA, aktuell so dar: „Bis zum 6. April haben etwa 90 Prozent aller unserer OEM- und Tier-1-Kunden aus dem Automotive-Bereich die Produktion eingestellt. Täglich erhalten wir derzeit weitere Shutdown-Meldungen“.

„Die meisten unserer Kunden im Automotive-Bereich sind derzeit in Kurzarbeit“, berichtet Joachim Pfülb, Vertriebsleiter der Beck Elektronik, „vor diesem Hintergrund wurden die Forecasts der Kunden ohne Wenn und Aber mit sofortiger Wirkung nach unten angepasst – zum Teil täglich! “ Auch bei Future Electronics laufen seit der ersten Aprilwoche, wie Jean Quecke, Sales Director (IPE) für Central Europe bestätigt, „die ersten Informationen über Kurzarbeit bei Kunden ein, noch aber bewegt sich das auf niedrigem Niveau“.

Betroffen von den Shutdown-Maßnahmen sind die Bauelemente-Hersteller aber nicht nur in Deutschland oder Europa, sondern weltweit, wie unter anderem die Aussage von Josef Vissing, Deputy Head of Sales von TDK Europe, zeigt: „Aufgrund jüngster, durch uns nicht beeinflussbarer Regierungsbeschlüsse sind wir derzeit gezwungen, unseren Betrieb in Ländern wie etwa Indien, Brasilien und Spanien vorübergehend einzustellen“. Nachdem in Europa zudem mehrere große Automobilhersteller die Produktion zeitweise eingestellt haben, reagieren inzwischen immer mehr Tier-1-Automotive-Zulieferer mit Kurzarbeit-Programmen und einem teilweise sogar kompletten Stopp ihrer Fertigungen. „In der Folge haben Kunden vor allem für den April vorgesehene Bestellmengen deutlich reduziert oder Liefertermine auf Folgemonate verschoben“, beschreibt Vissing die Auswirkungen dieser Maßnahmen auf TDK.

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Aus Sicht von Harald Sauer, Director von Taiyo Yuden Europe, „hängt die aktuelle Situation sehr stark davon ab, welche OEMs beliefert werden“. Fast paradox mutet in diesem Zusammenhang seine Aussage an, „dass es auch die Variante gibt, dass die wieder angelaufenen Fertigungen in China dazu führen, dass die Automobil- und Automotive-Produktion in China durch Fertigungsstandorte in Europa unterstützt werden muss“. Überlagert wird das Ganze nach seinen Informationen dann noch dadurch, „dass durch lokale Lockdowns in asiatischen Ländern inzwischen Bauteilengpässe auftreten“.

Unsere aktuelle Umfrage zeigt aber auch, dass die Bauelemente-Hersteller für den Automotive-Bereich derzeit, abgesehen von der Abschaltung nicht ausgelasteter Linien, noch keine Schließung von Automotive-Fabriken planen. Sollte die Automotive-Produktion aber Ende April nicht wieder anlaufen, werden die Bauelemente-Hersteller wohl sowohl ihre Bevorratung, als auch ihre Produktion reduzieren müssen. Speziell vor dem Hintergrund des Uplifts nach Beendigung der Shutdown-Maßnahmen könnte das dann weltweit zu Lieferengpässen führen. Es kommt also darauf an, die richtige Balance zu finden. Die ausführlichen Statements aller Befragten haben wir in der Bildergalerie zusammengefasst.

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