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Szenen einer Messe: Die Lighting-Branche entdeckt das IoT

Fünf Jahre nach dem IoT-Hype der Automatisierer haben die Beleuchtungskonzerne das Internet of Things entdeckt und versuchen, sich als IoT-Plattformanbieter neu zu erfinden.

Signify Bildquelle: © Signify

Wie wenig Beleuchtungskonzerne noch mit einem klassischen „Lampengeschäft“ zu tun haben, verdeutlichen Osrams Verkauf seiner Lampensparte an chinesische Investoren im vergangenen Jahr und die aktuelle Ankündigung von Philips Lighting, seinen Namen in „Signify“ zu ändern. Was ist da los?

Die Light + Building in Frankfurt nutzte Philips Lighting dazu, seine neue Internet-of-Things-Plattform „Interact“ vorzustellen. Mehr noch: Bis 2020 wird jedes neu produzierte LED-Produkt netzwerkfähig sein. Interact ist die Software-Plattform über die künftig alle vernetzten Leuchten, Sensoren, Aktoren, Geräte und Systeme erfasst und gemanagt werden sollen. Das Cloud-basierte System ist auch für große Datenmengen geeignet. Gute Datenmanagement- und -verarbeitungsfunktionen sowie Machine-Learning sollen die Plattform für anspruchsvollste Dienste ertüchtigen, die weit über bloßes Lighting hinausgehen.

Der Gedanke ist verlockend: die vorhandene Stromverkabelung ist das größte und engmaschigste, von Menschen geschaffene Netzwerk weltweit. Dies kann nicht nur Geräte und (intelligente) Leuchtmittel mit Strom versorgen, sondern auch Sensoren und Aktoren speisen und deren Kommunikation übertragen. Nachdem Philips LED-Leuchten bereits Daten über ihre Umgebung und ihren Energieverbrauch erfassen, verarbeitet die Plattform Interact das gesammelte „Wissen“ und macht es nutzbar. APIs für Drittanbieter laden diese ein, ihre Value-Added-Services und Funktionen mit Interact zu realisieren.

Auch Konkurrent Osram verkündete auf der Light + Building sein Engagement als IoT-Plattform-Anbieter: „Lightelligence“ heißt die auf der Pressekonferenz vorgestellte Entwickler-Plattform, die künftig nicht nur die Beleuchtung steuern, sondern auch das Management von Aktoren und Sensoren übernimmt. Bis zum ausgewachsenen Gebäudemanagementsystem fehlt nicht mehr viel.

So berichtete Technologievorstand Thorsten Müller auf der Pressekonferenz, dass die dank LED-Einsatz bereits um 60 Prozent reduzierten Stromkosten für die Beleuchtung mittels einer „intelligenten“, präsenzgesteuerte LED-Beleuchtung, („Lighting on demand“) nochmals um drei Viertel zu senken sind. OSRAM bietet ebenfalls APIs für interessierte Entwickler und nennt mit der automatisierten Remote-Funktionsprüfung von Notbeleuchtungssystemen durch das Bamberger Unternehmen RZB bereits eine kosteneffiziente Lightelligence-Anwendung.

Ob als Basis der Objekt-Überwachung, zur HVAC-Steuerung oder als Amazon-, MS-Azure, oder IBM-Cloud-gestütztes, Big-Data-verarbeitendes AI-System: Geht es nach Osram, wird Lightelligence eine veritable IoT-Plattform, deren Fähigkeiten durch Lighting- und Gebäude-Management noch lange nicht ausgereizt sind. Ob die IoT-Begeisterung der Lichtkonzerne ein Strohfeuer oder ein ewiges Lichtlein wird, bleibt abzuwarten.