»Smart Home Deutschland: ab 2017 Massenmarkt«: GreenPocket: Aufbruch in die internationalen Märkte mit Qualitätssoftware

Dr. Thomas Goette, CEO von GreenPocket, ist überzeugt, dass die Produkte und Dienstleistungen rund um das Smart Home jetzt für die Kunden attraktiv werden. »Als Software-Spezialist in diesem neuen Markt bedienen wir zunehmend auch internationale Anbieter und wachsen in diesem Segment stetig«, erklärt er im Interview.

Dr. Thomas Goette, GreenPocket Bildquelle: © energie-und-technik.de

Dr. Thomas Goette, GreenPocket: »Qualität und Erfahrung in diesen heute noch relativ kleinen Zukunftsmarktsegmenten in der Software-Industrie spielen für unsere Kunden eine sehr große Rolle. Dies zahlt sich auch im internationalen Wettbewerb aus.«

Energie & Technik: Wann rechnen Sie damit, dass der Massenmarkt für Smart-Home-Systeme anlaufen wird?

Dr. Thomas Goette: In den letzten Jahren gab es bereits viele Early Adopters und Pilotprojekte, in denen die Smart Home-Systeme getestet, verbessert und viele wichtige Erfahrungen gesammelt wurden. Die Technik hat sich über die letzten Jahre rasant entwickelt und es kommt jetzt darauf an, die Attraktivität der Systeme für die Kunden im Sinne von Bedienfreundlichkeit und Performance zu erhöhen.

In den nächsten Jahren werden wir viele, innovative neue Angebote auf dem Markt sehen. Technischer Fortschritt, innovative Produktkonzepte und verbesserte Nutzererfahrungen werden dafür sorgen, dass Smart Home ab etwa 2017 zum Massenmarkt wird. Die Digitalisierung und Elektronifizierung wird ähnlich wie bei der Mobilität (Smartphone, Auto) auch in den eigenen vier Wänden immer weiter gehen. Wir erwarten, dass die IFA in diesem Jahr in diese Richtung innovative Signale setzen wird.

Welche Signale erwarten Sie?

Immer mehr Anbieter zum Thema Smart Home nutzen die IFA als Plattform, um Produktinnovationen einem größeren Publikum zu präsentieren. GreenPocket demonstriert seine Produkte auf den Ständen der Deutschen Telekom, die die Qivcon-Plattform vorstellt, sowie auf dem VDE-Stand und dem Stand von Miele. Daneben gibt es viele weitere Stände mit Smart-Home-Angeboten. Wir sind selber gespannt, was zu sehen sein wird und rechnen mit einigen Überraschungen.

Haben aus Ihrer Sicht die Telekommunikationsunternehmen beim Rennen um das Smart Home die Nase vorne?

Europa- und weltweit greifen die Telekommunikationsfirmen das Smart-Home-Thema auf. Das ist nicht verwunderlich, denn sie haben mit dem Einzug des Mobilfunks gelernt, wie man Massenmarktprodukte erfolgreich an die Kunden bringen kann, sie haben umfangreiche Erfahrung rund um die Themen Logistik und Abrechnung gesammelt. Und der Kern eines Smart Home Paketes (Gateway-Hardware) unterscheidet sich ja haptisch von einem DSL-Paket (Router) nicht so wesentlich.

Die Energieversorger beschäftigen sich ebenfalls mit Smart Home…

Ja, RWE ist ja recht mutig voran gegangen und hat sich damit ein gutes Image als Smart-Home-Innovator aufgebaut und das Thema vor allem unter jungen Leuten bekannt gemacht, wie Umfragen zeigen. Die aufwendige mediale Unterstützung (u.a. TV-Werbung) der Produkteinführung hat positiv auf die Markenbildung von RWE als innovatives Unternehmen eingezahlt. Im Moment prüfen deshalb viele Energieversorger, wie sie in diesen Markt vordringen können. Dabei sehen wir Telekommunikationsunternehmen und Energieversorger nicht unbedingt als Konkurrenten. Es gibt da viele Kooperationsbestrebungen. Die von der Deutschen Telekom initiierte Smart Home Plattform Qivicon bietet EVUs beispielsweise eine gute Gelegenheit, ihre Lösungen dort zu präsentieren.

Konnte GreenPocket dem Smart-Home-Markt Impulse geben?

Ja - wir arbeiten mit Telekommunikationsunternehmen und Energieversorgen genauso wie mit IT-Hardware-Anbietern, Sicherheitsdienstleistern und Heizungsanbietern zusammen, um nur einige zu nennen. Das zeigt: Smart Home ist nicht nur ein Energiethema, unser Arbeitsspektrum hat sich dadurch stark verbreitert. Damit mit einer Applikation möglichst viele Anwendungsfälle (Sicherheit, Energieeffizient, Komfort, Elderly Care) abgebildet werden können, haben wir sehr viel Sorgfalt auf die Entwicklung der Automatismen in unserer Software gelegt. Heute bieten wir unseren Kunden eines der leistungsfähigsten Regelwerke am Markt für die Organisation des smarten Zuhauses an. Zudem sorgen wir dafür, dass die Software  einfach zu verstehen und anzuwenden ist. Weil wir bereits viele Projekte erfolgreich durchgeführt haben, vertrauen die Kunden auf unsere Erfahrungen. Und sie sehen, dass wir an den Projekten ständig weiter arbeiten und auf Änderungswünsche schnell reagieren können, weil wir die technischen Voraussetzungen dazu geschaffen haben.

Wie viele Projekte hat GreenPocket bisher insgesamt durchgeführt?

Es sind insgesamt 75 Kundenprojekte, die wir bisher erfolgreich durchgeführt haben. Weitere ca. 10 sind derzeit in der Projektierungsphase. Wir haben mittlerweile mehr als 40 unterschiedliche Kunden mit unseren Lösungen für Smart Home und Smart Meter Software versorgt. Und wir sind sehr stolz darauf, dass wir unsere ersten 15 Kunden auch heute noch zu unseren Kunden zählen dürfen. Das erachten wir nicht als selbstverständlich. Pilotprojekte laufen alle einmal aus, aber in den meisten Fällen arbeiten wir mit unseren Kunden auch danach erfolgreich weiter und bauen die Kundenbeziehung durch neue Projekte mit Produktinnovationen aus.

Im Smart Home- und Smart Metering-Markt geht es zurzeit nicht so schnell voran wie erhofft – haben Sie geduldige Investoren?

Unsere Investoren wissen, dass in diesen Märkten nichts über Nacht geschieht. Aber wir können ihnen eine gute Perspektive aufzeigen, denn unser Umsatz und unsere Produktivität steigen konstant. Derzeit haben wir über 35 aktive Kunden und unser Ziel besteht darin, die Kundenbasis weiter auszubauen. Denn unser Wachstum hängt vor allem davon ab, dass wir die Stückzahlen steigern können. Wir haben eine ausgezeichnete Kundenbasis im deutschen Markt. Unsere Produkte stoßen aber auf eine ähnlich positive Resonanz auch im Ausland. Deshalb arbeiten wir jetzt verstärkt daran, die Zahl unserer internationalen Kunden zu erhöhen. Wir sind u.a. in Österreich, Belgien, den Niederlanden, Italien und Osteuropa bereits aktiv, auch in Südamerika und den USA regt sich das Interesse. International sehen wir noch sehr viel Potential für GreenPocket.

Wie kann sich GreenPocket als relativ kleines Start-up-Unternehmen im internationalen Wettbewerb behaupten?

GreenPocket bietet vorrangig Standard-Software-Produkte von hoher Qualität für drei Produktlinien in den zwei Zukunftsmärkten Smart Home und Smart Metering an. Diese Produkte entwickeln wir kontinuierlich weiter. Unsere Produkte werden als White-Label-Software für jeden Kunden angepasst (Logo, Farbe, Branding etc.). Im Bereich der Haushaltskundenportale arbeiten wir z.B. aktuell mit über 30 Kunden zusammen. Jedes einzelne Portal ist auf ganz bestimmte Anforderungen des jeweiligen Kunden abgestimmt, denn kein Kunde ist wie der andere. Und all die Portale müssen ständig ausgebaut, auf neue Anforderungen angepasst und upgedated werden.

Auf Basis dieser relativ großen Kundenzahl konnten wir sehr viele Erfahrungen sammeln und eine hohe Kompetenz aufbauen. Es gibt weltweit nur eine Handvoll Unternehmen, die auf einem ähnlichen Stand sind, da sehen wir uns sehr gut positioniert. Qualität und Erfahrung in diesen heute noch relativ kleinen Zukunftsmarktsegmenten in der Software-Industrie spielen für unsere Kunden eine sehr große Rolle. Dies zahlt sich auch im internationalen Wettbewerb aus.

Und im Bereich der Gewerbekundenportale?

Hier herrscht ein scharfer Wettbewerb, allein in Deutschland gibt es um die 20 Anbieter. Aber auch hier differenzieren wir uns mit innovativen Ansätzen für Bündelkunden, Wohnungswirtschaft und kommunale Anbieter. Der Funktionsumfang unseres Multi-Level-Benchmark-Tools wird ständig erweitert. Inzwischen gehören wir zu den Top-Anbietern von der Leistungsfähigkeit des Produktes her betrachtet. Dass derzeit viele potenzielle Kunden, auch aus dem Ausland, von sich aus auf uns zukommen, zeigt uns, dass wir mit der konsequenten Fokussierung auf Qualitätssoftware offenbar den richtigen Weg eingeschlagen haben.

Welche Auswirkungen nimmt die Kosten-Nutzen-Analyse, die Ernst & Young im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums erstellt hat, auf das Geschäft von GreenPocket?

Es handelt sich um einen wichtigen Schritt, der auch die Stimmung im Bundeswirtschaftsministerium wiedergibt. Die Kosten-Nutzen-Analyse (KNA) macht deutlich, dass nicht alles über einen Kamm geschert werden soll und zeigt die Richtung auf, in die wir künftig mit Smart Metering in Deutschland gehen werden. Mit den intelligenten Zählern und den intelligenten Messsystemen bevorzugt die Analyse ein stufenweises Vorgehen.

Wie schnell rechnen sie damit?

Jetzt kommt es darauf an, zügig die ausstehenden gesetzlichen Grundlagen für das in der KNA präferierte Roll-out Szenario zu erarbeiten, damit die Energieversorger endlich die seit langem eingeforderte Investitionssicherheit haben. Aktuell erwarten wir diese Rechtssicherheit für alle Beteiligten bis Mitte 2014. Wir hoffen, dass mit der Verknüpfung des in der KNA präferierten Smart Meter Rollout-Szenarios mit der ebenfalls dringend notwendigen EEG-Reform nicht eine weitere zeitliche Verschiebung über Mitte 2014 einhergeht. Noch länger Schwebezustand hilft keinem. Mit den entsprechenden Produkten ist dann ab 2015 in höheren Stückzahlen zu rechnen und ab 2017 sollte der Rollout dann richtig losgehen.

Wie sieht die Strategie von GreenPocket über die nächsten Jahre aus?

Wir werden alle drei Produktlinien – also Smart Meter Haushaltskundenportal, Gewerbekundenportal und Smart Home – weiter entwickeln und ihren Funktionsumfang ausbauen. Denn wir müssen unsere Kunden für unsere Produkte begeistern und ihnen das Leben damit vereinfachen. Vor allem von dem Energie-Management-Tool für gewerbliche Kunden versprechen wir uns viel, weil es den Anwendern über die gesetzlichen Regelungen, also Steuererleichterungen, direkten monetären Nutzen bringt.

Wie bereits erwähnt, arbeiten wir darüber hinaus daran, unsere Kundenbasis zu erweitern, vor allem international, um uns vom deutschen Markt unabhängiger zu machen. Dass wir jetzt viele Anfragen aus dem Ausland bekommen, zeigt uns, dass wir inzwischen als eines der führenden Unternehmen im Smart-Metering-, Smart-Home- und Energie-Management-Markt gesehen werden und das stimmt uns für die kommenden Jahre optimistisch, unser Ziele erreichen zu können.