Das Wettrennen um Smart Cities: Chinas Smart-City-Offensive

Chinas Mischung aus technologischer Innovationskraft und zentraler staatlicher Planung führen zu technologischen Fortschritten, die bei uns in dieser Geschwindigkeit nicht denkbar wären, doch es gibt ein Problem.

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Chinesen planen gerne lange und ausführlich. So gehen die Wurzeln des jetztigen Smart-City-Booms zurück bis 1991, als der Aufbau einer landesweiten Informations-Infrastruktur auf die politische Prioritäten-Liste gesetzt wurde. 2011 gab es landesweit bereits 90 Pilot-Städte. Chinesische Technologiefirmen wie Ping An, Alibaba, Tencent und Huawei wurden dabei als gern gesehene private Kooperationspartner mit ins Boot geholt.

Die staatliche Behörden Chinas genehmigten bislang 542 städtische Pilotprojekte aus verschiedenen Abteilungen und Bereichen, so eine Studie des Pekinger Planning and Design Research Institute vom vergangenen Jahr. Darunter waren alle Provinz- und Unterprovinz-Hauptstädte, 74 % der Präfekturhauptstädte und 32 % der Kreisstädte.

In China unterstützen die Kommunen selbst ihre Smart-City-Projekte mit umfangreichen kommunalen Kreditprogrammen, die Städten in Deutschland mangels vergleichbarer Kreditschöpfungsbefugnisse so nicht möglich sind. Das darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zentrale in Peking die Federführung über die nationale Smart-City-Strategie hat. Während des aktuellen 13. Fünfjahresplans Chinas (2016–2020) will sie 100 weitere Smart Cities bestimmen.

Der Aktionismus in Sachen Smart Cities ist Ausfluss des 13. Fünfjahresplanes („13.5“), dem auch die Strategie „Made in China 2025“ geschuldet ist. Deren direktes Vorbild ist Deutschlands Industrie-4.0-Initiative. Sie definiert zehn Hochtechnologiesektoren, in denen China weltweit führend werden will, darunter auch die (urbane) Informationstechnologie. Der Anteil in China hergestellter Kernkomponenten und -materialien soll bis 2020 auf 40 % und bis 2025 auf 70 % wachsen, die F&E-Ausgaben auf 2,5 Prozent des Bruttosozialproduktes steigen und die Arbeitsproduktivität erheblich wachsen.

Die Lebensqualität in China - heute noch ein Flickenteppich aus Regionen dritter und erster Welt – soll angeglichen werden. Dabei steht die Überwachung und Verbesserung der Umweltqualität und staatlicher Dienstleistungen durch Online-Services, die von Internet-Unternehmen angebunden werden, im Mittelpunkt, immer mit dem Ziel im Visier, China zur globalen Fertigungsmacht in den wichtigsten Hochtechnologiebereichen zu machen.