EEBUS als IoT-Kommunikationsplattform: »Es ist Zeit zu handeln«

»Wir müssen jetzt aktiv sein, damit wir die künftige Entwicklung des IoT in unserem Sinne mitbestimmen«, appelliert Josef Baumeister, bei der BSH Hausgeräte GmbH für Smart-Home- und Smart-Appliances-Standardisierung zuständig, auf dem EEBUS-Expertentag an die Elektronik-Branche.

Josef Baumeister Bildquelle: © EEBus e.V.

Auf dem EEBUS-Expertentag am 23. Januar 2019 bei TQ Systems am Wörthsee erklärte Baumeister: »Das IoT kommt schneller, als viele denken. Natürlich verkauft BSH im Moment noch keine großen Stückzahlen EEBUS-fähiger Haushaltsgeräte. Als Hersteller gilt für uns aber: Wenn wir jetzt nicht handeln, ist der Zug in fünf Jahren abgefahren.«

Mittlerweile über 70 Firmen vom Mittelständler bis zu Weltmarktführern sowie große Branchenverbände sind bereits Mitglieder der EEBUS-Initiative, die sich der Entwicklung und Implementation einer neuen „Weltsprache der Energie“ in Produkte und Systeme verschrieben hat. Baumeister weiter: »Wir müssen jetzt aktiv sein, damit wir die künftige Entwicklung des IoT in unserem Sinne mitbestimmen. Das bedeutet: Eine diskriminierungsfreie, Anwendungs- und Hersteller-offene Kommunikationsplattform für das künftige Internet of Things zu schaffen, die die Herausforderungen künftiger IoT-, Smart-Grid- und Smart-Home-Architekturen proaktiv vorwegnimmt.«

Gerhard Paris, bei Audi Entwicklungsmanager für Smart Charging, hat einen Audi-e-tron-SUV und ein „intelligent“ kommunizierendes Ladesystem an den Wörthsee mitgebracht, die bereits Teil des EEBUS-Ökosystems sind. Fahrleistungen alleine werden für den künftigen Erfolg von Elektromobilität nicht ausreichen, weiß Paris, denn die Energieverteilnetze sind auf das vielfache Abrufen größter Leistungen, etwa durch Elektroautos beim Stromtanken, nicht vorbereitet.

EEBUS_Expertentag_Referenten Bildquelle: © EEBUS e.V.

V.l.n.r: Steffen Hornung/ Theben AG, Alexander Dauensteiner/ Vaillant Group, Peter Kellendonk, 1. Vs. EEBUS-Initiative, Gerhard Paris/ Audi, Jörg Jungbauer/ TQ Systems und Ulrich Reiner/ Hager Group.

»Um die Netzstabilität künftig zu gewährleisten, bedarf es eines intelligenten Energiemanagements, das beispielsweise Batteriespeichersysteme als Puffer instrumentalisiert, um die Netzfrequenz zu stabilisieren und Netzüberlastungen zu verhindern«, so Paris. 

Das mobile Ladesystem „connect“ von Audi verfügt über intelligente Ladefunktionen zur Eigenstromoptimierung von Solaranlagen-Besitzern, sofern das heimische Energiemanagementsystem (HEMS) mitspielt. Die „Sprache“, in der dies geschieht, ist der EEBUS-Standard, der Ressourcen und Protokollebenen für die Kommunikation von Energieverbrauchern, -produzenten und -managern zur Verfügung stellt.

Alexander Dauensteiner von der Vaillant Group glaubt, dass Innovationskraft im Kerngeschäft alleine künftig nicht ausreicht, um erfolgreich zu sein. Der Senior Association Manager der Vaillant Group erklärt: »Das IoT ist auch im Energiebereich die Zukunft und es wird disruptiv sein.« Das deshalb, weil Sektoren wie Mobilität und Gebäudeheizung zusammenwachsen und auch Vaillant-Geräte damit zurechtkommen müssen, simultan Teil eines lokalen, regionalen und häuslichen Energiesystems, aber auch eines Smart-Home-Systems zu sein. »Die Lebenswelten und Technologien verschmelzen«, so Dauensteiner. »Die EEBUS-Kommunikation ist die Basis für die Interoperabilität zwischen Vaillant-Heizungssystemen und Smart-Home-Systemen«, erklärt er.

Ulrich Reiner, Innovation Manager Mobility & Energy bei der Hager Group, erklärt „flow“, das Home-Energy-Management-System der Hager Group. Der Elektrotechnik-Spezialist für Wohn-, Industrie- und Gewerbeimmobilien integriert heterogene Installationen (etwa KNX- und Nicht-KNX-Installationen) mittels EEBUS.

Damit werden komplexe Systeme möglich, die bei der Stromversorgung den optimalen Mix aus regenerativem und konventionellen Strom unter Berücksichtigung von Wettervorhersagen und Lastprognosen ermöglichen. „flow“ integriert auch den ladenden Audi e-tron in Immobilien-eigene Energiesysteme, inklusive lokalem Überlastungsschutz und Eigenverbrauchsoptimierung eigenen PV-Stromes, und ist auf künftig zu erwartende dynamische Stromtarife vorbereitet.