Phoenix Contact Facility Management 4.0: Zu normalen Kosten gebaut - Betriebskosten halbiert

Mit dem 18.000 m2 großen »Business Solutions Center« baute Phoenix Contact 2017 das maximal Machbare in Sachen Smart Building-IoT. Wie die Gebäudedigitalisierung die Betriebskosten um 50 Prozent senkt, erklärt Frank Schröder, Head of Facility Management bei Phoenix Contact Electronics im Interview.

Frank Schröder Bildquelle: © Phoenix Contact Electronics GmbH

Die Digitalisierung des Gebäudes ist die Voraussetzung seiner Effizienz und seines kostenoptimierten Betriebes, so Frank Schröder.

SmarterWorld: Herr Schröder, Phoenix Contact hat in Bad Pyrmont vor zwei Jahren sein 18.000 m2 großes „Business Solutions Center“ mit Büro-, Konferenz- und Laborräumen eingeweiht. Hier wurde das technisch Machbare in Sachen Building-IoT mit Hard- und Software der Phoenix Contact Gruppe umgesetzt. Was ist das Besondere und wie sind die Erfahrungen mit dem Gebäude?

Frank Schröder Wir haben hier ein Best Practice-Beispiel realisiert, das zeigt, was Digitalisierung im Facility Management heute leisten kann. Im Zentrum der Planung stand sowohl der Nutzer-Komfort, als auch die Energieeffizienz und die Minimierung der Betriebskosten. Ein umfassendes Gebäudemanagementsystem für Heizung, Lüftung, Räume, Energie, Wartung, Komfort und Sicherheit erlaubt die zentrale Steuerung und gibt jederzeit den Überblick über alle Parameter.

Temperatur und Licht jedes Arbeitsplatzes können individuell angezeigt werden, die dynamische Raumbelegung kann jeder Mitarbeiter per Intranet einsehen. Die Beleuchtung schaltet sich über Sensoren automatisch ein- und aus, Klimatisierung und Verschattung sind automatisiert, die Regelung des Raumklimas erfolgt bedarfsgeführt. Gebäudedaten werden maximal erfasst.

Die Energieerzeugung haben wir durch eine Kombination aus BHKWs, Wärmepumpen, Photovoltaik sowie Last- und Speichermanagement hocheffizient realisiert und mit einigen Besonderheiten zusätzlich optimiert.

SmarterWorld: Zum Beispiel?

Frank Schröder: Der 400m3-Sprinklertank für den Brandschutz fungiert gleichzeitig als Kältespeicher. In der Sommerzeit wird die Restwärme im BHKW genutzt, um den Tank nachts und am Wochenende zu kühlen. Er dient tagsüber wiederum der Klimatisierung des Gebäudes und der Serverräume. Die Lüftungsanlagen sind mit Wärmerückgewinnung ausgestattet. Natürlich erfolgt hier ein Energiemonitoring nach ISO 50.001, das die Bildung feingranularer Kennwerte erlaubt, wie z.B. den Verbrauch bezogen auf Nutzer-Zahlen usw. Für den Einsatz von Elektromobilen ist zudem die nötige Ladeinfrastruktur mit der Anbindung an Abrechnungssysteme installiert. Dabei steht die Nutzung des selbst über PV generierten, und in einem Batteriesystem gespeicherten Stromes im Fokus.

SmarterWorld: Das Gebäudemanagementsystem umfasst aber noch weitere Faktoren?

Frank Schröder: Richtig, die Security des Gebäudes ist mit Zugangskontrollen, Videoüberwachung usw. ein wichtiger Bestandteil des Systems. Und nicht zuletzt erlauben uns die vielen Daten ein Wartungsmanagement zu realisieren, das seinesgleichen sucht. Die im Industrial IoT mit dem Schlagwort „Predictive Maintenance“ bezeichnete vorausschauende Instandhaltung und prädiktive Betriebsführung ist hier umfassend realisiert. Sie können sich das in etwa so vorstellen, dass ein Aufzug über das System selbst um Wartung bittet. Ausfallzeiten und der Personaleinsatz für Wartung und Reparaturen werden dadurch minimiert.

SmarterWorld: Kann man die Kosteneinsparungen, die Sie im „Business Solutions Center“ im Betrieb gegenüber herkömmlichen, vergleichbaren Gebäuden erzielen, quantifizieren?

Frank Schröder: Wir haben extern ein Benchmarking bei Prof. Rotermund, einem in Niedersachsen öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für Facility Management  in Auftrag gegeben. Das Ergebnis zeigt auf, dass wir bei üblichen Baukosten von ca. 1.600 Euro pro m2 bei der Erstellung des Gebäudes bei den Unterhaltskosten 50% niedriger liegen als ähnliche Gebäude.

Fazit: Wir haben ein neues Gebäude zu „normalen Kosten“ gebaut, haben die laufenden Kosten um bis zu 50% gesenkt und zusätzlich aber den Mitarbeiter- Komfort stark gesteigert. Hier arbeitet das Facility Management „Hand und Hand“ mit der Human Resources Abteilung, unsere Mitarbeiter sind gerne in unseren Gebäude, also eine Win-Win-Situation für alle.

Die ganzen Daten, mit denen man dann z.B. Nutzungskosten aggregiert oder bis hinunter zu einzelnen Gebäudeteilen und Nutzungseinheiten z.B. pro Quadratmeter quantifizieren und natürlich feingranular aufzuschlüsseln kann, kommen alle über das Phoenix Contact Gebäudemanagementsystem hinein.

SmarterWorld: Die in der Industrie 4.0-Diskussion beschworenen „wertvollen Daten“ werden also hier erzeugt und genutzt?

Frank Schröder: Genau, man kann unser System als „Facility Management 4.0“ bezeichnen, inklusive Erhebung aller wichtigen Daten im Gebäude- und Versorgungsbereich, mit denen dann ein wirklich durchoptimierter Gebäudebetrieb erst möglich wird. Wir bleiben aber hier nicht stehen. Die IP-basierte, sichere Kommunikationstechnik erlaubt uns, sämtliche Gebäude eines Standortes wie Produktion und Verwaltung, getrennt oder aggregiert zu betrachten. Die Daten erlauben uns aber auch standortübergreifend zu vergleichen und bewerten. Da kann man z. B. sofort erkennen, ob z.B. ein Standort trotz vergleichbarer Rahmenbedingungen betriebskostenmäßig aus dem Rahmen fällt. Das ist der geldwerte Nutzen von Daten, oder, wenn Sie so wollen „Business Intelligence“ im Gebäudesektor.

SmarterWorld: Die Building Automation kämpft seit Jahren mit einer sehr heterogenen BUS- und Protokoll-Landschaft, die eine leichte Integration über Gewerke-, geschweige denn BUS- und Protokoll-Grenzen hinweg erschwert. Die Integration dieser Ökosysteme ist Ihnen gelungen, oder haben Sie in Bad Pyrmont eine Monokultur installiert?

Frank Schröder Nein, natürlich existieren KNX, M-Bus, BACnet und andere weiter nebeneinander her. Wir können diese Daten aber integrieren, oder besser normalisieren und sie für das Gebäudemanagementsystem nutzbar machen. Natürlich bringen wir die Daten und Geräte der konventionellen Gebäudetechnik mit verschlüsselter Kommunikation sicher in das IoT.

Unser IoT-Gebäudeautomationssystem Emalytics  stellt die Daten der heterogenen Sensoren, Aktoren sowie IP-fähigen Geräte für die Leitebene zur Verfügung und verheiratet gewissermaßen die klassische Gebäudeleittechnik mit dem Energiemanagement und besagter „Business Intelligence“. Die Digitalisierung des Gebäudes ist also die Voraussetzung seiner Effizienz und seines kostenoptimierten Betriebes, so Frank Schröder.

SmarterWorld: Herr Schröder, vielen Dank für das Gespräch.