Smart-City-Studie 2022

Deutschlands Städte verschlafen die Digitalisierung

27. September 2022, 10:49 Uhr | Kathrin Veigel
Smart City Seestadt Aspern
Innovative Stadt in modernem Gewand: Die Smart City Seestadt Aspern vor den Toren Wiens.
© Siemens AG

Deutschlands Städte werden ihrer Verantwortung für die Klimawende nicht gerecht. Das ist das Ergebnis der neuen Smart-City-Studie von Haselhorst Associates. Das Beratungshaus listet seit 2018 alle Kommunen mit über 30.000 Einwohnern anhand ihres Digitalisierungsgrades.

Das Gesamtfazit der Studie, die in diesem Jahr insgesamt 407 Städte umfasst, fällt mehr als ernüchternd aus: Auch nach fünf Jahren Studienerhebung gelingt es keiner der untersuchten Städte, über einen Digitalisierungsgrad von 50 Prozent hinauszukommen. Im Gegenteil – über drei Viertel aller Kommunen weisen sogar ein Ergebnis von weniger als 25 Prozent auf.

Und: Gerade im Vergleich zur Pionier-Studie im Jahr 2018 fällt auf, dass die Anzahl der digitalen Vorreiter-Städte weitestgehend stagniert und sich die hiesigen Smart Cities somit noch immer im Dornröschen-Schlaf befinden.

Das aktuelle Top-10-Ranking staffelt sich wie folgt:

• Hamburg: 47,4 Prozent
• München: 46,2 Prozent
• Köln: 45,8 Prozent
• Wolfsburg: 43,0 Prozent
• Gelsenkirchen: 42,5 Prozent
• Darmstadt: 40,5 Prozent
• Mannheim: 38,5 Prozent
• Bad Nauheim: 37,6 Prozent
• Berlin: 36,8 Prozent
• Norderstedt: 36,3 Prozent

Für Dr. Arno Haselhorst, Gründer der gleichnamigen Unternehmensberatung, zeigen diev Ergebnisse klar: Wenn der Themenkomplex Smart City nicht bald flächendeckend in den Städten Einzug hält, werden die hohen CO2-Emissionen bereits in absehbarer Zeit die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner massiv einschränken. Denn: »Smart City ist weit mehr als ein vereinzeltes Digitalisierungsprojekt hier und da. Hinter einer smarten Stadtentwicklung steckt vielmehr ein ganzheitliches Konzept, das im Detail auslotet, wie die Digitalisierung dazu beitragen kann, das Leben in den Städten langfristig nachhaltig zu gestalten«, erklärt Dr. Haselhorst. »Mit Blick auf die gegenwärtige Energiekrise und die gesteckten Klimaziele ist hier dringend aktives Handeln gefordert – sowohl auf Seiten der Städte als auch der Stadtwerke.«

Städte und Stadtwerke müssen sich zusammenschließen

Aus Sicht des Berater-Teams aus Starnberg sind insgesamt drei Faktoren für die erfolgreiche Entwicklung hin zur Smart City entscheidend:

  1. eine umfassende und langfristig ausgelegte Strategie,
  2. eine gut ausgebaute digitale Infrastruktur sowie
  3. die frühzeitige und anhaltende Einbindung aller beteiligten Stakeholder sowie der Bürgerinnen und Bürger.

»Eine Stadt allein kann die erfolgreiche Transformation zur Smart City nicht bewältigen. Sie muss stattdessen den engen Schulterschluss zu den ansässigen Stadtwerken suchen, um gemeinsam den Ausbau der digitalen Infrastruktur voranzutreiben und damit die Grundlage für die Realisierung innovativer Projekte zu schaffen«, ist Jürgen Germies, Studienautor und geschäftsführender Partner bei Haselhorst Associates, überzeugt.

Eine Stadt, die das Potenzial der Digitalisierung mit Blick auf eine nachhaltige
Fortentwicklung eindrucksvoll erkannt hat, ist Stralsund. Die knapp 60.000 Einwohner große Kommune in Mecklenburg-Vorpommern gilt 2022 als die Stadt, die sich im Vergleich zum Vorjahr am stärksten verbessert hat und nun auf dem 76. Platz gelandet ist (2021: Rang 362). Der Grund: Stralsund weist nicht nur eine umfassende Smart-City-Strategie mit dem Ziel einer emissionsfreien Stadt auf und hat bereits einige innovative Maßnahmen erfolgreich umgesetzt. Die Hansestadt bezieht bei der Transformation vor allem von Beginn an die Bürgerinnen und Bürger mit ein und setzt alles daran, den Ausbau der regenerativen Energien intensiv voranzutreiben.

Für die Studie hat Haselhorst Associates die Städte anhand von insgesamt zehn Smart-City-Bereichen untersucht:

  • Strategie und Umsetzung,
  • Digitale Infrastruktur,
  • Digitale Mobilität,
  • Digitale Energie & Umwelt,
  • Digitale Gebäude & Quartiere,
  • Digitale Gesundheit,
  • Digitale Bildung,
  • Digitale Verwaltung,
  • Digitale Wirtschaft & Handel
  • Digitaler Tourismus.

Auf Basis der Einzelergebnisse ergibt sich schließlich ein Digitalisierungsgrad, anhand dessen die Kommunen im Ranking sortiert sind. Grundlage der Erhebung bilden insgesamt über 32.500 Datensätze, die sich sowohl aus quantitativen Daten als auch aus einer qualitativen Bewertung der öffentlich sichtbaren Smart-City-Initiativen der Kommunen zusammensetzen. 


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