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6.000 oder 20.000 kWh pro Jahr? – Unerheblich!: Smart Metering: Auf die richtigen Geschäftsmodelle kommt es an

Trotz des derzeitigen Lobbyisten-Gerangels um die Schwelle, ab der Smart-Meter-Gateways installiert werden müssen – mit den richtigen Geschäftsmodellen können sich die Smart-Meter-Gateways und das Metering zur Erfolgsstory entwickeln.

Die Hersteller von BSI-konformen Smart Meter-Gateways stehen in den Startlöchern. Zwar scheinen die meisten Fragen beantwortet – immerhin sieben Hersteller hatten auf der E-World in Essen in diesem Jahr schon »BSI-Ready«-Gateways vorgestellt – doch immer noch sind einige Dinge nicht geklärt. Dazu zählt etwa die HAN-Schnittstelle, die noch nicht komplett definiert ist. Soll XML oder SML zum Einsatz kommen?

Ein weiteres Hindernis ist der Security-Chip: Hier steht die endgültige Spezifikation des BSI noch aus. Es ist also noch nicht klar, wie das Sicherheitsmodul in der Smart Meter Gateway aussehen soll. Die gute Nachricht: Bis auf dieses Sicherheitsmodul ist das Gateway also »fertig«.

Jetzt bleiben noch zwei Hürden zu nehmen: Erstens muss die Zertifizierung für das Smart Meter Gateway spezifiziert werden, zweitens muss auf dieser Basis das Testequipment definiert werden.

Im nicht technischen Bereich ist im Hintergrund immer noch die Diskussion darüber im Gange, ab welchem Verbrauch eine Messstelle mit dem BSI-konformen Smart-Meter-Gateway ausgerüstet werden muss. Die Kosten-Nutzen-Analyse (KNA) von Ernst & Young kam im vergangenen Sommer zu dem Schluss, dass unter Kosten-Nutzen-Erwägungen 6.000 kWh pro Jahr die Schwelle sein sollten, ab der die Installation verpflichtend ist. Darauf hin haben sich Interessengruppen eingeschaltet, die am liebsten die Schwelle auf 2.000 kWh herabgesetzt sehen wollen, andere, die die Installation erst ab 20.000 kWh pro Jahr für angemessen halten. Alles was aus dem Bundeswirtschaftsministerium dazu öffentlich zu hören ist, deutet in die Richtung, dass es trotz des Lobbyistendrucks bei den 6.000 kWh der KNA bleiben soll. Doch sicher ist das nicht.

Was dürfen Messstellenbetreiber in Rechnung stellen?

Außerdem soll das Bundeswirtschaftsministerium Ernst & Young bereits damit beauftragt haben, eine Studie durchzuführen, die die Kosten darstellen soll, die auf die Endnutzer zukommen werden. Es soll also die Frage geklärt werden, was die Betreiber der intelligenten Messstellen den Nutzern in Rechnung stellen dürfen. Um die Kosten für den Endnutzer in Grenzen zu halten, wird der Vorschlag der Studie wohl auf eine Deckelung hinauslaufen. Die Betreiber können dann ihre Kosten also nicht vollständig über Gebühren von den Endverbrauchern zurückholen.

Das wäre an sich kein Beinbruch, denn mit etwas Kreativität ließen sich ja durchaus neue Geschäftsmodelle finden. Gerade EVUs und Netzbetreiber strecken ja ihre Fühler in alle Richtungen aus, um genau das zu tun. Und mit dem BSI-zertifizierten Smart-Meter-Gateway stünde damit ja auch eine ideale Plattform zur Verfügung. Denn eines sind die Gateways auf jeden Fall: ausgesprochen sicher. Geschäftsmodellen, die auf sensiblen personenbezogenen Daten beruhen, wären wenig Grenzen gesetzt. Auch dass die Schwelle von 6.000 kWh pro Jahr nur 10 bis 15 Prozent der Haushalte mit einem BSI-zertifizierten Smart-Meter-Gateway ausgestattet werden müssen, dürfte für den Anfang kein Hinderungsgrund sein. Denn ein System, das hinsichtlich seiner Komplexität seinesgleichen sucht, erst einmal in einem überschaubaren Kreis auszuprobieren, wäre sicherlich nicht schlecht.

Pilotversuche ab erstem Quartal 2015

Doch selbst da für die Installation im kleinen Kreise gibt es – siehe oben – zuerst noch einige Hürden zu nehmen. Allerdings hat das Bundeswirtschaftsministerium signalisiert, dass es kein Problem sei, erste Feldversuche im Rahmen von Pilotprojekten durchzuführen. Mit dem Start solcher Projekte ist im ersten Quartal 2015 zu rechnen, Näheres und Offizielles dazu wird wohl auf der E-World im kommenden Jahr in Essen zu vernehmen sein.

Neue Geschäftsmodelle

Dann könnten auch weitere Interessenten Gefallen an den BSI-zertifizierten Smart-Meter-Gateways finden. Wohnungsbaugesellschaften beispielsweise zeigen Interesse. Wenn sie über Temperatur und Feuchte in ihren Liegenschaften informiert würden, könnten sie auf die Mieter einwirken, ihre Heizung so zu regeln, dass möglichst kein Schimmel entsteht. Auch auf Unfälle wie Wasserrohrbrüche könnten sie schnell reagieren. »Wie die Beispiele zeigen, ließe sich auf diese Weise viel Geld sparen – und dann würden sich die Kosten schnell wieder einspielen«, sagt Wolfgang Esch, Leiter Vertrieb der WEPTECH elektronik GmbH.
    
Geschäftsmodelle gibt es also durchaus. Und dann wäre vielleicht auch die Diskussion um die Schwelle von 6.000 kWh pro Jahr schlicht überflüssig. Denn dann würden die Betreiber in  die Gateways investieren – nicht weil sie müssen, sondern weil sie damit Geld verdienen können. Auch wenn das nach den Erfahrungen der letzten Jahre mit den ständigen Verzögerungen in manchen Ohren etwas naiv klingen mag: die Smart-Meter–Gateway-Thematik kann sich doch noch zur Erfolgsstory entwickeln!